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Israelitische Annalen · 1839-11-29 · Heft 48 (29.11.1839) · p. Seite 378

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 48 (29.11.1839)
Date
1839-11-29
Page
Seite 378 (sequence 2)
Language
German
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378 und nur einmal redete statt dessen mit ihm der Diener, (1. Mose 22, 15) während die untergeordneten Glieder seiner Familie, Hagar (ibid. 16, 7. 21, 17.), Loth (19, 1) und sein Knecht (24, 6) nur des Umgangs mit Engeln gewürdigt wurden. Auch mit Isaak redete unmittelbar Gott selbst, und nur Jakob mußte während seines Aufenthaltes ausserhalb Kanaan's manchmal mit den Erscheinungen von Engeln sich begnügen (ibid. 28, 10. 31, 11. 32, 2. 31) in der letztem Stelle äußert Jakob eine Aengftlichkeit bei dem Umgang mit göttlichen Wesen, welche nur später« Zeiten zukömmt.) — Patriarchalisch stellte in seiner geschichtlichen Erscheinung das Familienleben Abrahams sich dar, patriarchalisch dachte sich darum der historische Geist das Verhältnis, in welchem Gott und dessen Diener, die Engel, zu den Menschen sich befanden. Den Abdruck des äußern Lebens nahm der bildende Geist in seinem Innern auf, und stellte ihn dann als freies Produkt bei der Schöpfung seiner übersinnlichen Welt als wirklich daseiend dar. Wenden wir unfern forschenden Blick auf jenen Zeitabschnitt, den wir den republkanisch-theokratischen nannten, und beobachten dort die Wirksamkeit und den Charakter der Engel, so werben wir finden, daß sie dort mit der Veränderung der Verhältnisse in der menschlichen Gesellschaft auch eine andere und zwar weit ernstere Gestalt angenommen haben. Die Familie Abrahams wuchs in Aegypten zum Volke Israel heran; die patriarchalische Verfassung, obgleich in den einzelnen Familien noch immer vorherrschend, war doch nicht mächtig genug, ein ganzes Volk zu lenken und es zu dem hohen Standpunkte heranzubilden, zu dem Israel erkoren war; sie wich deßhalb einer Verfassung, in welcher an der Spitze des Volkes ein Gesetzgeber und Richter ohne erbliche Nachfolge, unterstützt von einem Vereine der Volksälteften, und bei minder wichtigen Angelegenheiten von Unterbeamten, sich befand. Das Volksoberhaupt war somit nicht mehr ein Familienglied, mit dem man ganz zutraulich umgehen kann, sondern ein von dem gewöhnlichen, geselligen Verkehre zurückgezogener Richter, der nur bei wichtigen amtlichen Verrichtungen mit dem Volke in gegenseitige Beziehung trat. Das Volksoberhaupt stellte aber in Israel stets das sichtbare Bild dar, unter welchem jenes Wesen gedacht wurde, als dessen Bevollmächtigter das Volksoberhaupt sich nannte; darum malte sich diese Zeit des israelitischen Volkslebens ihre Vorstellung von der übersinnlichen Welt so aus, daß in ihr Gort für das Volk Israel als Gesetzgeber und Richter, und die Engel als dessen Unterbeamten erscheinen. Gott besucht nicht mehr als vertrauter Hausfreund*) die Zelten der Sterblichen, sondern er hat sich von dem Umgänge mit denselben so zurückgezogen, daß Moses als Zeichen der Huldigung vor seiner Erscheinung im Dornftrauche die Schuhe auszichet (2. Mose 3, 5) welche Huldigung seine Erscheinung als Feldherr auch von Josua fordert, (Jos. 5, 13 — 15), daß Moses sich fürchtet, ihn anzublicken, (2. Mos. 3, 6), daß er erfährt, wie kein Mensch sein Antlitz schauen und leben bleiben kann, daß Israel seine Stimme nicht mehr unmittelbar zu vernehmen sich wagt und Moses bittet, in das Vcrhältniß eines Vermittlers zwischen ihm und Gott treten zu wollen. (2. Mos. 20, 16. 5. Mos. 22, 23.) Ist Gott dem menschlich geselligen Umgänge entrückt und als Gesetzgeber und Richter Ehrfurcht gebietend aufgetreten, so erscheinen auch die Engel, seine Beamten, ernst und majestätisch. Gideon (Richter 6, 22. 23) und Manoach (ibid. 13, 22) fürchten sogar bei dem Anblick eines Engels zu sterben, so waren sie den Wohnungen Israels entfremdet, denn Gott hatte sich so sehr von dem geselligen Umgänge mit dem Volke zurückgezogen, daß er es nur durch einen Engel nach Canaan will führen lassen, (2. Mos. 23,20.21) daß er es seiner unmittelbaren Leitung nicht mehr würdig hält, und daß er auch die Befreiung Israels aus Aegypten einem Engel zuschreiben läßt. (4. Mos. 20, 16. vergl. Jes. 63, 9.) Engel sind in diesem Zeitabschnitte die himmlischen Abgesandten des übersinnlichen Volksoberhauptes, und verkehren mit ausgezeichneten Menschen nicht mehr in ihrer Stellung als Individuen, sondern in ihrer Beziehung mit dem Schicksale des ganzen Volkes. (Forts, f.) *) Cs scheint uns zur Vermeidung eines Mißverständnisses, zumal wir die Abhandlung nur Abschnittweise mittheileu können, nicht unwichtig, hier zu bemerken, daß der Herr Vers, von dem richtigen Grundsätze ausgeht, die Bibel bediene sich für alles Ueberstnnliche solcher Ausdrücke, die aus dem täglichen Leben verständlich sind, und folglich die bildlichen Vorstellungen im Leben aufgefunden werden müssen, wenn man sie verstehen will. _ D. H.

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