Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 47 (22.11.1839)
- Date
- 1839-11-22
- Page
- Seite 375 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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375 Baiern. — Die Königs. Regierung zu Unterfranken und Aschaffenburg, d. d. Würzburg 16. Oct. macht bekannt, daß bezüglich auf die bei Aniaßigmachung nothwendige Nachweisung des genossenen Religionsunterrichts, wobei zeither ein verschiedenes Verfahren geherrscht habe, zufolge höchster Entschließung vom 8ten dessel. ein allgemeines Verfahren angeordnet sei. In so weit diese Verordnung die Israeliten angeht, bestimmt sie, daß einem jeden Ansäßigmachungsgesuche ein Zeugniß des Rabbiners über genossenen Religionsunterricht beizufügen sei. Schwanfeld in Unterfranken, 1. November. — Dem dahier bestehenden Gewerb-Vereine für Israeliten ist nachstehendes landgerichkliche Schreiben zur Freude aller Mitglieder des Vereines zugekommen: „Die Plenarversammlung des Districts-Armenpflegschafts-Rarhes har Kenntniß von einem Vereine der Israeliten zu Schwanfeld genommen, welcher die Beförderung des Gewerbsbetriebes durch Unterstützung armer Lehrlinge zum Zwecke hat, und hat diese Versammlung mit dem König!. Landgerichte den Beschluß gefaßt, den Israeliten von Schwanfeld das besondere Wohlgefallen an dem eben so verständigen, als wohlthätigen Verein zu erkennen zu geben. Dieser ehrende Beschluß wird den Israeliten mit dem Wunsche eröffnet, daß der Umfang und Segen ihres Vereines recht ausgebreitet werben möge! Bis zur nächsten im December abzuhallenden Plenarversammlung ist das Namensverzeichniß der Vereinsmitglieder vorzulegen, damit man hiedurch auch jene Israeliten kennen lerne, welche die Ehre des Vereins nicht theilen." Wern eck, den 22. Sept. 1839. Königliches Landgericht. Ihl, Landrichter. An die Israeliten zu Schwanfeld. Aus Rheinhessen. Oberingelheim, 3.Nov. — Schon oft habe ich in Ihrem Blatte mit Vergnügen gelesen, daß man hier und da anfange, eine Verbesserung hinsichtlich des Gottesdienstes vorzunehmen. Einen jeden Israeliten, dem seine Religion lieb ist, muß es herzlich freuen, wenn er sieht, daß man emsig sich bemüht, dem Gottesdienste eine feierlichere und zeitgemäßere Richtung zu geben; so sehr nun eine solche Verbesserung im Goltesdienfte zu wünschen ist, um so mehr sollte jede Gemeinde alle ihr zu Gebote stehenden Mittel ergreifen, um wenigstens einigermaßen jenen Hauptübeln abzuhelfen, die die Andacht stören und den Gottesdienst entwürdigen. — Ich meine damit vorzüglich die bisher in der Synagoge üblichen Profan-Gesänge, wodurch die herrlichsten Gebete entstellt werden und das nicht bezwecken, wozu sie eigentlich bestimmt sind. — Das Unzweckmäßige eines solchen Gottesdienstes fühlte man auch hier, man sehnte sich nach Abhülfe, und siehe da, mit festem Muth und gutem Willen brachte man es dahin, einen Chor zu bilden, mit Hülfe dessen andere Gesänge eingcübt und andere Ordnung eingeführt wurde. Um Ihnen jedoch etwas näheres hiervon zu liefern, muß ich zuvor einiges von dem Zustande der hiesigen Schule und Synagoge früherer Jahre mittheilen, ehe ich zur Beschreibung des gestrigen Tages schreite. — Wenn vor einem Deeennium die Leistungen der hiesigen israelitischen Religionsschule ungeachtet des Kostenaufwandes der für die Erziehung der Kinder so sehr besorgten Eltern und der Bemühungen des Vorstandes wenig zu beachten waren, und man von einer Prüfung zur Aufmunterung der Kruder, zur Ueberzcugung der Eltern und zur Rechtfertigung des Lehrers nie etwas vernommen: so kann man sich seit einigen Jahren bei den öffentlichen Prüfungen von dem Emporkommen dieser Schule und den Leistungen des jetzigen Lehrers, Herrn Schimmel, überzeugen und wahrnehmen, wie selbst eine ernste Schulbehörde ihre größte Zufriedenheit darüber zu erkennen giebt. — So ist es ebenfalls noch nicht so sehr lange, daß 13jährige Knaben bei ihrer Eonfirmation blos mit Ablesung der Sidrah sich begnügen mußten, womit man zufrieden war, da man Besseres nicht kannte; wie ganz anders sich dieses hier gegenwärtig gestaltet, wie auch der Gottesdienst durch das Zusammenwirken des Lehrers und Vorsängers mit Beihülfe des Vorstandes gewinnt, konnte man bei der gestrigen Eonfirmation gewahren. Die Feierlichkeit fand nämlich in folgender Weise statt: Zu Eingänge hielt der Lehrer eine kleine Anrede an die Versammlung, in welcher er dieselbe auf den folgenden Lobgesang vorbereitete. Nach geendigtem Lobgesang sprach er ein eben so schönes als rührendes Gebet, welches sich auf die Handlung des Tages bezog. Ferner bewies derselbe den Anwesenden das Schlimme eines unzulänglichen Religionsunterrichts und machte aufmerksam auf die Anforderungen der Zeit, wie namentlich in unfern Tagen der Mensch von seinem Glauben überzeugt und durchdrungen sein müsse. — Darauf bewies denn auch der Confirmand in einem strengen Eramen seine Kenntnisse in der mosaischen Religion zur Zufriedenheit aller. Hierauf wurde er ermahnt, seiner Religion bis an das Ende seines Lebens treu zu bleiben und dem Staate ein treuer Unterthan werben zu wollen, was derselbe mit einem Eide, sichtbar gerührt, bekräftigte. Dann folgte noch eine kleine Rede nebst Schlußgebet und ein Segenspruch für den hpchstqeliebten Lanbesvater und sämmtliche Großherzogl. Familie. Die ganze Feierlichkeit war erhebend; man konnte es bei jedem Anwesenden deutlich sehen, daß etwas Erhabenes auf sein Inneres gewirkt habe. Die kurzen Reden waren nicht gekünstelt, sondern einfach und herzlich, sie kamen von Herzen und gingen zu Herzen. Die Gesänge, seit wenigen Monaten von dem Lehrer mit den Schulkindern und mehreren Erwachsenen mit vielem Fleiße eingeübt, erhoben die Feierlichkeit noch mehr, es waren keine Bruchstücke aus Walzern, Ouvertüren :c., wie sie früher in der Synagoge gehört wurden, sondern Choräle von Meistern mit tiefem religiösen Gefühle. — Obgleich nun sowohl hinsichtlich der Gesänge und der innern Einrichtung des Gottesdienstes, noch vieles zu wünschen übrig bleibt, so steht zu erwarten, daß durch sofortiges Zusammenwirken das noch Mangelhafte recht bald ergänzt werden wird. L. O. Herr B. H 5 chstädter, Religionslehrer in Wiesbaden, hat für die Gemeinden dieses Ortes und der Umgegend einen Lese-Verein für israelitische Schriften, deren Zahl in der neuesten Zeit bedeutend angewachsen ist, und unter denen gerade die gediegensten wegen der damit verbunden Kosten, vielen Wißbegierigen nicht zugänglich sind, errichtet, und dadurch einem wichtigen Bedürfnisse abgeholfen. Aehnliche Vereine haben sich auch an andern Orten gebildet, und es verdient dies überall Nachahmung, indem auf diese Weise insbesondere die Landschullehrer und Geistlichen mit den Leistungen unsrer Zeit und den Fortschnttten einer Wissenschaft bekannt werben, die ihnen nicht fremd bleiben darf. — Literatur. 1. Leitfaden bei'm Unterricht in der israelirischen Religion, von H. Miro. Dritte völlig umgearbeirete Auflage. Breslau. 1839. (Bei Urban Kern) und 109 S. in 16. Die Umarbeitung geschah zu Gunsten der Lehrweise des Herrn vr. Munk in Breslau, um den Lehrgang in der Knabenmit der in der Mädchenschule in Uedereinstimmung zu bringen. Das Büchlein hat dadurch sehr gewonnen. Es ist nicht in katechetischer Form verfaßt; der Lehrer kann die Fragen zur Wiederholung leicht selbst finden, und der Raum wird für den Inhalt erspart. Das ist ganz zweckmäßig. Der Ausdruck ist überall würdig, faßlich und kurz, die Belege sehr angemessen gewählt, der Stoff vollständig und die Anordnung leicht übenchaulich; Vorzüge, welche nur wenigen ähnlichen Schulbüchern nachgerühmt werden dürfen. Wir finden es in jeder Beziehung empfehlenswerth. Notizen über zu erwartende Werke. Die literarische Thätigkeit nimmt im Gebiete der mittelalterlichen Schriften einen Aufschwung, wie man ihn nach der fast gänzlichen Vernachlässigung, ja Nichtachtung,