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Israelitische Annalen · 1839-11-22 · Heft 47 (22.11.1839) · p. Seite 374

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 47 (22.11.1839)
Date
1839-11-22
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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374 ten, als der betreffenden Oberkirchenbehörde, dem Religionsunterrichte vorgezogen. Und welche Nachtheile müssen nicht solche irrige Folgerungen auf Schullehrer, Schulen und Schüler äußern? Dazu aber kommt noch, daß in den so vielen kleinern und unbemittektern israelitischen Gemeinden, welche den weit größern Theil der israelitischen Bewohner in sich fassen, keine öffentlichen, konstituirten Schulen bestehen und bestehen können, sondern die schulpflichtige Jugend dieser Gemeinden, für den weltlichen Schulunterricht die christlichen Ortsschulen besucht, der Religionsunterricht ihr aber von besonders dazu angestellten Religionslehrcrn in eignen Religionsschulen ertheilt wirb. Für diese Religionslehrer und Religionsschulen, also für den größten Theil der israelitischen schulpflichtigen Jugend, geht nun der so mannichfach große Nutzen der Schulconvente ganz verloren. Denn, da diese Religionsschulen doch unmöglich der Leitung der christlichen Schulvisitatoren anvertraut werden können, so nehmen diese auch gar keine Notiz, weder von diesen Religionsschulen noch Religionslehrern, kümmern sich nicht darum, ob diese Religionskehrer Conventarbeiten liefern und Conventen anwohnen oder nicht; auch kein israelitischer Geistlicher kann und mag sich darum kümmern; und so beschränkt sich der so große Vortheil der Schulconvente für die Israeliten auf dre immerhin noch sehr geringe Anzahl der öffentlich constituirten Schulen im Lande.*) Verfasser dieses glaubt daher, baß auch in seinem Vateriande, wo mit solchen Conventen auch für israelitische Schullehrer der Anfang gemacht wurde, noch dadurch nachgeholfen werden müsse, daß sowohl für die israelitischen Sch>ullehrer der öffentlich constituirten Schulen, außer den Conventen ihrer katholischen und evangelischen Amtsbrüber, als auch für die übrigen Religionslehrer, noch ein besonderer, gesetzlich angeordneter Convent, zur Besprechung über Gegenstände des Religionsunterichtes, unter Leitung des betreffenden Rabbiners, als des Bezirks-Schulvisttators im Fache des Religionsunterrichtes Statt finde. So glaubt man, könne der oben angedeutete Mißstand leicht gehoben werden. Fürst. Nachrichten und Correspondenzen. Schreiben des Herrn S. Cahen**) zu Paris an die Redaction. Paris, 18. Oktober 1839. In Ihren Annalen vom 29. September d. I. befindet sich ein Artikel über die Israeliten zu Paris. Erlauben Sie mir, einige ungenaue Angaben darin zu berichtigen und einige etwas zu kurz berührte Punkte zu verdeutlichen. Ihr Correspondent bemerkt mit Recht, daß in Frankreich wie in Holland die religiöse Verbesserung nur sehr allmähliche Fortschritte macht. Dieser bedauernswerthe Umstand findet seine einfache Erklärung in der Lage der Israeliten zur Zeit der Emanzipation. Damals waren sie auf eine so bedeutende Veränderung gar nicht vorbereitet; es gab nur zwei Kategorien, Fanatismus auf der einen, völlige Unwissenheit auf der andern Seite. Sie unterzogen sich der Freiheit, aber sic wußten sie nicht zu würdigen. Das Consulat und das Kaiserreich haben sich mit der Regeneration der Israeliten wenig befassen können. Während des fünfzehnjährigen Friedens, welcher auf die Restauration folgte, hat die Regierung auf Verbesserung des Elementarschulwesens ihre Aufmerksamkeit gerichtet, und die Israeliten haben sich der fortschreitenden Bewegung angeschloffen. — Die Charte hat ihr Verhältniß verbessert. Erst seit 1830 sind sie wirklich Bürger. Die Verbesserung des Elementarun- *) Mit Wissen des Df., liefern in 22 Gemeinden seines Rabbinatsbezirks nur 2 Schullehrer Conventarbeiten und wohnen den Conventen bei. Der Verf. **) Professor S. C a h e n, Herausgeber der Bibel mit französischer Uebersetzung. terrichts einerseits und eine durchgreifendere Kenntniß von den Rechten und Pflichten des Staatsbürgers andrerseits, haben der französischen Synagoge eine neue Bewegung gegeben. Diese kann nur eine sehr langsame fein, denn viele von denen, welche sie befördern sollten oder könnten, sind zu sehr anderweitig beschäftigt, und Andern gehen die dazu nöthigen speciellen Kenntnisse ab. Verbessern kann einer nur das, was er versteht. Unter denen, die ein Alter von 4« bis 60 Jahren erreicht haben, giebt es nur sehr wenige, welche einsehen, daß eine Verbesserung Noth thut. Ich frage Sie, was könnten Sie von den deutschen Israeliten,' welche der Emanzipation so würdig sind, erwarten, wenn ihre Rabbinen und Lehrer fick die Herren H. u. s. w. *) zu Mustern nähmen? — Die israelitische Jugend in Frankreich wird eher einige Theilnahme für die Sache gewinnen, wenn man erst zu der Erkenntniß gelangt, daß neben den klassischen Studien, und der artistischen Bildung auch die Kunde der Religion, zu welcher man sich bekennt, nöthig ist. Und da ist noch viel zu thun. Der Verfasser des genannten Artikels irrt, wenn er meint, das Consistorium von Paris stehe**) mit der höhern Behörde in gleicher Beziehung, wie das Central-Consistorium. Nur dieses vertritt die Israeliten bei'm Ministerium des Cultus. Das Central-Consistorium kann für Reform des Gottesdienstes sehr nützlich wirken, wenn es in seiner Mitte nicht bloß reiche und freidenkende Männer besitzt, sondern auch Männer, welche dem religiösen Fortschritt folgen und guten Willen mit Energie verbinden. (Schluß folgt.) Großherzogthum Baden. Alt-Breisach 20. Oct. (Verspätet.) — Weit entfernt von jener Selbstgefälligkeit, womit in öffentlichen Blättern oft unbedeutende Kleinigkeiten ruhmredig besprochen werden, halten wir doch bei unserer lebhaften Theilnahme für jede Verbesserung und Veredelung des jüdischen Lebens es nicht für Unrecht, auch kleine Anfänge richtig zu würdigen, und Allen, die das Gute im Kleinen beginnen, gebührt öffentlicher Dank und Aufmunterung, damit das Bessere sich immer mehr verbrelte. Vor Ücberschätzung muß man sich dabei um so mehr hüten, als solche leicht in Kleingcisterei ausartet, die gegen Andere ungerecht wird. So enthält der sonst beifallswürdige Artikel aus Schwetzingen in Nr. 39 der Annalen eine Bemerkung, daß die Geburtstagsfeier des Landesherrn, — und dieser Gegenstand ist sicherlich überall zur Erhaltung und Belebung des Patriotisms nicht unwichtig — sich früher nur.auf die Synagoge des Bezirksrabbiners beschränkt habe. Dies hat bei uns Verwunderung erregt, denn hier (und wohl auch in andern Bezirken) wird alljährlich dies Fest in allen Synagogen des Bezirks, nach Anordnung unseres Bezirksrabbiners, Herrn M. Reiß, von der Schuljugend mit Gebet und Gesang begangen, und Niemand findet mehr etwas Besonderes darin. Die Predigt freilich kann nur in einer Synagoge gehalten werben, sie ist aber nicht unbedingt nothwendig, und unterbleibt auch in vielen christlichen Gemeinden. Eine desfallsige Einrichtung würde die Gemeinde belasten. Die Huldigung geschah dies Jahr in unserer Synagoge, von 30 jungen israel. Bürgern aus hiesigem Amtsbezirk am 8. Sept. am Vorabend des Neujahrsfestes. Der Ps. l-xxil. warb im Chor gesungen; der Herr Bezirksrabbiner predigte über 5. M. XXX. 19. recht eindringlich und lehrreich über die Heiligkeit des Eides und insbesondere der Unterthanentreue rc. und nahm dann den Hulbigungseid ab, worauf Gebet und Gesang (Gott segne Leopold rc.) die Feier schlossen.-Vergl. Freiburger Zeitung d. I. Nr. 241.) (Schluß folgt.) *) Die Namen können wegbleiben, einmal weil die Persönlichkeiten gehässig sind, und dann, wenn sie nicht geradezu bestimmte Theorien repräsentiren, ganz ohne Nutzen citirt werden, und dadurch nur ein Gewicht erhalten, das ihnen hier zu Lande Niemand zuerkennt. D. H. **) Das sagt auch der Artikel nicht, und wir finden darin nicht einmal Anlaß zu solchem Mißverständnis D. H.

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