Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 47 (22.11.1839)
- Date
- 1839-11-22
- Page
- Seite 372 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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372 gerissen, sie emporgehoben, durch die Wolken getragen und dann auf eine Höhe niedergelassen, zu der man früher kaum aufzublicken gewagt? Warum nun sollten wir diese Wahrnehmung nicht auch für jene großen Ereignisse der Zukunft begreiflich oder rationell finden dürfen? Hat die Geisteswelt sich erschöpft? kann die Natur nichts Außerordentliches mehr hervorbringen? Freilich ist die Aufgabe der Begründung eines allgemeinen Gottesreiches bis zum heutigen Tage noch von keinem einzelnen sterblichen Wesen gelöst worden; hingegen von der gesammten Menschheit eben so wenig. Thut nun aber die Beispiellosigkeit dieser Heils-Ereignisse unserer vernünftigen Erwartung für die Gesammtheit keinen Ein» trag, so thut sie es auch bei der Hoffnung auf einen persönlichen Erlöser nicht; im Gegentheil scheint nach unserer obigen Darlegung letzteres noch viel natürlicher, als wenn die gesammte Menschheit in Masse sich selbst erwecken sollte zum großen Tage des Herrn. Gehen wir jetzt auf die vorgelegten Fragen selbst ein: warum der außerordentliche Erlöser ein ausserordentlicher Lehrer sei?" ich dächte der Beruf des persönlichen Erlösers ließe sich am besten aus dem Zwecke der Erlösung selbst deuten. Dem Herrn Fragesteller find die §§. 21«, 217 und 218 des Lehrbuches nicht auffallend, während doch in denselben nur von allgemeiner Gotteserkenntniß, Gottesverehrung, allgemeiner Menschenliebe, Friede und Eintracht die Rede ist, lauter Erfolge der Ueberzeugung und der frommen Erhebung des Gemüthes, welche nur durch die Lehre des Geistes und niemals durch irgend einen politischen Machtspruch oder gar durch den Sieg des Schwerdtes gewonnen werden! Dazu bedarf es unbedinglich eines hochbegabten Lehrers, eines gotterleuchteten Sittenrichters, eines beredten Wortführers alles Guten und Frommen. Keine andere Eigenschaft als die des Lehramtes sollen wir vom rationalistischen Standpunkte aus bei dem persönlichen Erlöser voraussetzen, gerade dieser thut Israel, thut der ganzen Menschheit über Alles Noth, und dieser Noth seit ewigen Zeiten her, wird der himmlische Vater abhelfen und sein Reich auf Erden begründen. Die Sache spricht für sich und kann der vielen Belegstellen wohl entbehren Dennoch stützen wir uns außer den im Religionsbuche angeführten Stellen noch auf jene: desai. cap. 42. V. 1, wo es vom n heißt Tni Tin: a "pnx nsy s.-, re. welches der rarxum 4ovatIlav zu d. St. also nimmt: K2H1p2 Nnl-I M-"- KwkL'Q Ü12V Kn und im Verfolg des Textes selbst heißt es weiter Vers 4: □t>k imin^l Niemand wird es hoffentlich verargen, daß man bei einem Volkslehrbuche die kritische Polemik über den Ebed J. außer Augen setzt, und das Resultat der heiligen Schriftstellen solcher Art als Religionslehre aufnimmt (wenigstens war bei der Berathung des Religionslehrbuches dies letztere des Einsenders leitender Gedanke). Siehe übrigens über den prophetischen Beruf des Messias die in dem Aufsatze von Nr. 35 berührten Stellen des Maimonides; deutlicher spricht sich letzerer hierüber aus in seinem pri nn:N gegen das Ende des! Briefes. Nun versteht es sich von selbst, daß eines Propheten erster und höchster Zweck mehr in dem Berufe, die Menschen zu bessern und zu belehren, liegt, als in einem bloßen, unfruchtbaren Schauen. Selbst bei den Thalmudisten war der Begriff des Messias' mit dem eines Lehrers verbunden, indem der Messias (wenn auch in einer sehr abenteuerlichen Darstellung) Lehrer und Herr angeredet wird, Saul,.98,1.*) Daß aber dieser außerordentliche Lehrer gerade dem Geschlechte Davids entstammen müsse, ist freilich ein rein positiv Gegebenes der h. Schriftstellcn, die den Messias bezeichnen und so hervorragend sind, daß sie ganz und gar nicht umgangen werden konnten, und schon Maimonides in seinem Mischna-Commentar zu Chcleck Iesod 12, eine wesentliche Bedingung daraus macht, wenn auch nicht in Abrede gestellt werden kann, daß die auf Davidische Abkunft bezüglichen Worte der Propheten wahrscheinlich in Rücksicht einer politischen Eigenschaft des Messias, ausgesprochen sind. Dieß, was das Württembergische Religionsbuch betrifft. Beiläufig muß ich noch meine Verwunderung über ein anderes israelitisches R. Lehrbuch aussprechen, das ist die „Grun-dlage zu Katechisationen über die israel. Gotteslehre" von vr. Saalschütz, Wien 1833, wo bei vielfältig dargebotenen Gelegenheiten, wie Seite 43 und 118 von der Hoffnung eines künftigen Gvttesreiches ganz und gar keine Notiz genommen ist. B. Briefwechsel über religiöse Zustände. 8. I. S. R. an S. D. L. (Schluß.) In meinem Vorigen habe ich Ihnen versprochen. Ihnen meine Muthmaßung darüber mitzutheilen, und hier will ich Wort halten. Doch erwarten Sie keine vollständige Abhandlung, welche sich schwerlich in den Umfang eines Briefes drängen ließe, und ohnehin ist dieser unvermerkt zu sehr ausgedehnt worden. Also heute bloß eine kurze Skizze, und wenn Ihre gelehrten Bemerkungen mich ermuntern, werde ich ein andermal mich ausführlicher erklären. Gebe ich Ihnen zu, baß die Eeremonialgesctze nicht der Endzweck sind, sondern ein Mittel, dessen "sich die göttliche Weisheit zur Erreichung eines bestimmten Zweckes bedient, so wird es leicht sein, die wenigen Texte, welche dem entgegen zu stehen scheinen, zu erklären. Wir können uns demnach für jetzt damit begnügen, zu untersuchen, welches der Zweck sei, den Gott durch die Eeremonialgesetze erzielen wollte. Gewiß muß dieser mit der Erwählung Israels in engem Zusammenhänge stehen; d. h. der Grund der Bevorzugung muß auch den der ihm gebotenen Gebräuche in sich schließen. Mit andern Worten: Wissen wir die Frage: „Zu welchem Zwecke ward Israel erwählt?" zu beantworten, so ist auch die andere: „Wie werden die Gebräuche dieses Volkes zur Erreichung des Zweckes seiner Erwählung dienen?" erledigt. Nun scheint aber derjenige der Wahrheit nahe zu sein, welcher behauptet, Gott habe die Israeliten erwählt, damit sie auf der Erde den Monotheismus bewahren, den heiligen Schatz der geoffenbarten. Wahrheit bewachen, und den Weg des Ewigen wandeln, welchem sich *) Herr Landauer, Verfasser von „Form und Weihe d-'s Pentateuchs," deutete mir auch die Stelle im m?7> TiyÜI# Bereschith, §. 41. an.