Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 47 (22.11.1839)
- Date
- 1839-11-22
- Page
- Seite 371 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133766-3133814--0423-3134563- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
371 ratiften, allerdings, aber nach -er Charte und den Landesgesetzen. Die Charte unterscheidet unfern Cult, wie den protestantischen, vom katholischen, welcher die Landesreligion ist, nach Leoninischem Gesetz. In diesem Sinne sind wir Separatisten, aber wie Sie, streben wir nach Einigung aller Mitbürger in allen Civil- und Militärleistungen, nach Einheit im Heere, im Narionaldienft, im Jury, in den Wahlen, in der Liebe zum Könige und der Achtung vor Gesetz rc." Von da ab verliert sich der Verfasser wieder in Deklamation und Sport. — „Sie fragen das Consistorium, ob es die Populace präsentire? Für einen Religions-Reformator schickt sich dieser Ausdruck nicht!" „Kann uns Herr Ts. wohl sagen, wo das Volk aufhört und die Populäre anfängt?" „Es ist billig unhuman, zu behaupten, das Consistorium reprasentire alle Mitglieder seines Verwaltungsbereiches. Jedes derselben könne durch eine gute Schule eine edlere Stellung erringen. „Man muß gestehen, hierin liegt viel Wahres. Im vierten Briefe wird das Gebet besprochen und der Feldzug gegen die hebräische Sprache als Vandalismus bezeichnet. (Hier werden dieselben Ideen entwickelt, die unser Correspondent aus Polen darftellt; und die Einheit geltend gemacht. Jedoch gehr dieser letztere Artikel*) weiter in das Innere ein.) Auf jeden Fall, meint der Verfasser der Sentinelle, sei es sehr nützlich, die Allgemeinheit gleicher Gebersprache, zumal einer so edeln ausdrucksvollen, wie die Hebräische, schon um deswillen beizubehalten, weil dieß das einzige kostbare Eigenthum der Israeliten sei, und sie in aller Welt sich dadurch als Brüder erkennen. Er selbst sei neben dem Schlachrfelde bei Dresden 1813 einem feindlichen Soldaten, welcher JSchema lisrael mit sterbender Stimme ausrief, durch den Zauber dieser Worte stark angeregt, zunächst beigesprungcn, und habe ihn gerettet und einen Sohn seinem Vater wieder gegeben! Solche Sympathie des gleichmäßigen Gebetes sollte also nicht absichtlich vernichtet werden. — Für Reform aber stimme er selbst, jedoch hauptsächlich für Verbesserung der Gesinnung; wozu die Erleuchteten das Beispiel geben sollten! *) Die Fortsetzung des gedachten Artikels folgt in den nächsten Nummern. Erwiederung auf die in den Annalen Nr. 35 gestellte Anfrage an die Rabbinen Württembergs. Von Einem derselben. Der Herr Fragesteller trägt über den religiösen Glauben eines Messias in Israel zwei Ansichten vor, eine sogenannte (mehr-) rationalistische und eine separatistische. Eine dritte, auf israelitischem Boden ganz neu scheinende, sei die, welche im Lehrbuche der israelitischen Religion für die Synagoge rc. in Württemberg aufgestellt ist, wo nach der Verheißung unserer Propheten ein außerordentlicher Lehrer Maschiach aus Davids Geschlecht, den wir noch zu erwarten haben, Gründer des- (Gottes-) Reichs sein wird. Der Herr Fragesteller findet es neu, daß der zu erwartende Messias als bloßer Lehrer dennoch aus Davids Geschlecht sein muß, weßhalb ihn der „Eonfirmandenunterricht" befriedigt, der die Bedingung Davidischer Abstammung aufzugeben scheint, im Verfolg der Untersuchung jedoch wird auch das Lehramt des Messias, als in der heiligen Schrift nirgend begründet, in Zweifel gezogen. Ich muß nun zuerst über die schroffe Gegenüberstellung der beiden als alt bezeichneten Ansichten bemerken, daß ich nicht weiß, warum die Erwartung eines persönlichen Messias, nicht auch ihre rationalistische Seite haben dürfte? Wenn es der Verheißung nach einst mit Welt und Menschen besser, wenn Gott von allen Geschlechtern der Erde in reinster Anerkennung geheiligt, wenn der Wahrheit einmüthig gehuldigt, die Tugend verehrt und das Laster allgemein verabscheut werden soll, dann muß, was niemand bezweifeln wird, im Reiche des menschlichen Wolle ns und Denkens eine Umwälzung geschehen, wie die Menschengeschichte wohl noch keine ähnliche aufzuweisen hat. Stellen wir uns nun mit dem Herrn Fragesteller auf rationalistischen Standpunkt, wollen wir nehmlich von einem Eingriff der Allmacht in den natürlichen Entwickelungsgang der Dinge — Wunder genannt — vorerst nichts wissen, so müssen wir, um ein solches Ereigniß nur einigermaßen begreiflich zu finden, die Erfahrung der Vergangenheit zu Rathe ziehen, und beobachten, wie es bei den bisherigen Gestaltungen in der Culturgeschichte der moralischen Welt hergegangen und analog diesen, unsere Erwartungen für jene merkwürdige Zukunft zu bestimmen suchen. Nun aber fragt es sich: ist je noch etwas Großes unter der Sonne vollbracht worden, das erfolgreich für Menschenheil und deren Erlösung aus des Lebens- und des Geistes Nöthen war, wo nicht eine hervorragende Macht dabei sichtbar geworden? Hat sich nicht vielmehr die Vorsehung, die im Unsichtbaren alles Menschengeschick leitet, bei allen merkwürdigen Bewegungen unseres Geschlechtes ausgezeichneter Menschensöhne als Haupthebel dieser Bewegung bedient, und waren es nicht gerade solche, die mit ihren außerordentlichen Gaben, vereint mit einer unbesiegbaren Willenskraft ihre Zeitgenossen, wie im Sturmschritte, mit sich fort- 47«