Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 47 (22.11.1839)
- Date
- 1839-11-22
- Page
- Seite 370 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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370 wenn riese nicht zu sehr ausartet und zum losen Spiel sür müßige Zuschauer herabgewürdigr wirr. — Wir haben schon mehrere kleine Fehden dieser Att in unsern Blättern berührt; einen neuen Kampf haben in Frankreich die wiederholten Herausforderungen des geistreichen und edeldenkenden Tsarvhati erzeugt. Den Meisten unsrer Leser sind seine Briefe, die wie Raketen auffteigen und hie und da eine wichtige Stelle beleuchten, wohl bekannt. Endlich beginnen sie zu wirken und es hat sich' ein Kämpfer gestellt, und die Fehde ist nun im Gange. Wir wollen kurz berichten, was der'Gegner, nicht ohne herbe Seitenbemerkungen, den raschen Fordedcrungen des Tsarphari entgegen stellt. Seine Ideen sind niedergelegt in einem Broschürchen, das so eben unter dem Titel La seutinelle Juive, reponse ä la dix-septieme lettre de la correspondance dite Israelile de Tsarphatij par A. Crehange, negociant (se vend au profit de l’hopital israelite projete, Paris chez VAuteur, rue Meslay 41, 1839. — Die nächste Veranlassung ward durch die von uns schon Nr. 28 berichteten Ordonnanzen gegen die gottesdienstlichen Versammlungen der Wohlthätigkeitsvereine gegeben, welche sich in ihrem innersten Wesen bedroht sahen und daher Gegenvorstellungen zu machen sich bewogen fanden, wobei der Verfasser dieser Sentinelle manches Gediegene sagte, das auch Ts. billigte. Bis dahin ist die Sache mehr lokaler Natur. In dem vorliegenden Schriftchen tritt derselbe aber, obwohl selbst für jede besonnene Reform empfänglich, gegen die allzuradicalen Anträge des Tsarphaii auf, und wir finden darin, die kleinen Bitterkeiten des Ausdrucks übergehend, manches gewichtige Wort; wenn gleich wir nicht in allem beipflichten möchten, so ist doch die Einwendung immer einer Erwägung werth. Das Sendschreiben zerfällt in 4 Briefe, und dient als Antwort auf den 17ten Brief Tsarphati's in Nr. 99 des Courrier de la Moselle. Zuerst weift er ihn zurück, in so fern er unmittelbar als Reformator auftritt. „Reformation! mein Herr, worauf gründen Sie denn Ihre Ansprüche, um solche durchzusetzen? Wo sind Ihre Vorarbeiten? Welches sind Ihre Religionsprinzipien? Welches die Sittengesetze? Sie wollen unser Anwalt sein, wir sind berechtigt, diese Fragen an Sie zu richten. Als Martin Luther, mit Rom unzufrieden, die Reformation erdachte, arbeitete er Tag und Nacht, um die Bibel zu übersetzen.Was bieten ' unsere Martine uns für unsere Institutionen dar? Ein gar Nichts? Denn so muß man diesen Protestantismus ohne Chriftenthum nennen! zu dessen Aposteln sich die,Pseudonymen aufwerfen!" In der That ein Vorwurf, welcher den Lettres Tsarphatiques in so fern mit Recht gemacht wird, als dieselben zu wenig die eigentliche Grundlage der Verbesserungen besprechen, und lediglich vom bürgerlichen Standpunkte ausgehen. — In Deutschland ist alles bereits gründlicher erörtert und in der That ein bestimmter Boden ermittelt. Im zweiten Briefe bestreitet er die Heftigkeit seines Gegners: „Sie fordern Freiheit für jeden, für die Reformirten, wie für dje Andern. Aber, lieber Himmel, wo sind denn Ihre Ketten? Sie verlangen Freiheit, aber Sie und Ihre Anhänger wollen dieselbe ja den Gegnern rauben, und zwar die kostbarste Freiheit, die des Gewissens!" „Sie wollen Freiheit und verfolgen Andersdenkende mit Sarkasmen und Carricaturen." „Sie wollen Gebete in neuern Sprachen, das heißt, in tausend verschiedenen, während wir die seit drei Jahrtausenden (?) geheiligte, die Einheit in Israel auf dem Erdenrund erhaltende vorziehen?" „Sie verwerfen die Errichtung eines israelitischen Krankenhauses, wie solche in London, Amsterdam, Frankfurt, Metz u. s. w. daftehen, wo unsere armen Kranken, Alt und Jung, Männer und Frauen, Hülfe finden, ohne daß ihr Gewissen belastet wird, wo alle Eintretenden, fronrm und nicht fromm, frei leben und sterben können, ohne daß ihrer Religion Zwang angethan wird rc." Das Weitere in diesem Schreiben, welches sich in Sarkasmen über die sonst gutgemeinten Ansichten des Tsarphati ausläßt, und die Unterschrift des jüngst erschienenen (dem Herrn Cremieux zugcschriebenen) IStcn Briefes, A. T. zu Athee benutzt, scheint nicht angemessen, einen guten Eindruck zu machen. Wozu solche Wortspielereien? Aus dem dritten Briefe setzen wir folgende Worte her: „In Ihrer übertriebenen Freiheitsliebe ziehen Sie scharf gegen die Separatisten zu Felde; so nennen sie die guten Leute, welche in ihrer Religion leben und sterben wollen rc. Wir sind Sepa-