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Israelitische Annalen · 1839-11-22 · Heft 47 (22.11.1839) · p. Seite 369

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 47 (22.11.1839)
Date
1839-11-22
Page
Seite 369 (sequence 1)
Language
German
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SS. November. 1839 Nro 47. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur rm- Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegcbc« von vr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Neforinfebde in Frankreick. — Erwiederung auf die in den Annalen Nr. 35 gestellte Anfrage an die Rabbinen Württembergs. — Briefwecksel über religiöse Zustände (Sckluß.) — Ueber die Zweckmäßigkeit der Errichtung von Schulconventen unter den Israeliten (Schluß.) — Nachrichten und Corrcsvondenzen: Paris; Grofiberzogtbum Baden; Daiern; Schwanfeld in Unterfranken; Rtzeinheffen; Notiz. — Literatur. — Bemerkungen. — Abfertigung. — Anzeigen. Neformfehde in Frankreich. Die immer mehr verbreitete und intensiv gesteigerte Cultur, welche seit dem letzten Kriege auch die Israeliten durchdrang, hat bei diesen zwischen Lehre und Leben manchen Widerstreit hervorgerufen, dessen Ausgleichung in Theorie und Praxis in ganz Europa zur ernsten Aufgabe geworden. Am stärksten ward diese beachtet in denjenigen Ländern, wo die äußern Verhältnisse keinen Unterschied der Religion mehr berücksichtigen und die Israeliten durch Gesetz gänzlich emancipirt sind, oder wo solche Veränderungen in Aussicht standen. Daß es schwer sein würde, diese Ausgleichung zu extemporiren, war vorher zu sehen; man weiß, wie viele abenteuerliche Ideen die Ungeduld in dieser Hinsicht schon seit eitlem halben Jahrhundert erzeugt hat. Die meisten stiegen wie Seifenblasen durch die Lüfte, werden ein wenig bewundert und zerspringen. Einige unterhandelten förmlich mit dem Chriftenthum und wurden zurück gewiesen, Andere verkündeten eine separirende Reformation und ihre Stimme verhallte, Vereine traten zusammen und löseten sich wieder auf, ein neues Palästina war jenseit des Meeres geschaffen und versank in's Chaos zurück! Die Geschichte läßt sich nicht willkührlich und aus dem Stegereife umlenken; sie geht ihren geregelten Gang und was sie als Saat birgt, das muß reifen nach ewigem Gesetz. Sind darum die einzelnen Erscheinungen lauter Auswüchse? sind sie Störungen der Naturgesetze? Keinesweges! sie gehören in den Entwickelungsgang und sind die Zeichen, daß derselbe sich in seiner Thätigkeit lebendig fortbewegt, es sind die absprühenden Funken, die Blasen der Schäumung; aus ihnen ersieht der Kenner, wie weit die Arbeit gediehen. Jedes neue Lebenszeichen verdient daher begrüßt zu werden, und bildet einen Moment in den Annalen der Geschichte. Und so betrachten wir auch alles, was auf dem Gebiete der neuern Zeit sich begeben hat. Wahrend die Zeitverhältnisse immer mächtiger eindringen und die besonnenen Wächter zu mannichfachen Betrachtungen anregen und nöthigen, giebt es immer kraftvoll zurückhaltende und die Thätigkeit hemmende und andere in ihrem Fluge vorauserlende Geister, welche der ruhigen Ueberlegung vorgreifen und alles im Augenblick umgeftalten möchten. Erreichen diese nun ihr Ziel nicht, so wirken sie doch wohlthätig dadurch, daß sie dem einen Extrem der trägen Rast, das andere Extrem der Alles vernichtenden Ueberspannung entgegen halten, so daß die mittlere Thätigkeit allmählich erkannt und gewonnen wird, und man sich anschickt, mit der Geschichte Schritt zu halten. Ohne einen gewissen Grad von gegenseitiger Befehdung kann dies alles nicht geschehen. Glücklich,

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