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Israelitische Annalen · 1839-11-15 · Heft 46 (15.11.1839) · p. Seite 367

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 46 (15.11.1839)
Date
1839-11-15
Page
Seite 367 (sequence 7)
Language
German
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367 unterrichtet werden, und da es deutschen Israeliten, der religiösen Erziehung wegen, besonders wünschenswertb sein möchte, für derartige unglückliche Knaben oder Mädchen neben einer gewissenhaften Behandlung auch Gelegenheit zur Ausbildung des religiösen Elementes zu finden, so glauben wir die Errichtung obiger Anstalt zur allgemeinen Kenntniß bringen zu müssen. Wir bemerken, was uns anderweitig bekannt geworden, daß in dieser Anstalt (für Deutsche in deutscher Sprache) im Sprechen, Lesen, Schreiben, Geographie, Naturgeschichte, Zeichnen und weiblichen Handarbeiten und in Religion unterrichtet wird, und daß für Unterricht und Halbpension 38« Fr. und für ganze Pension 600 Fr. jährlich und für die Kur des Stammelns 250 Fr. bezahlt wirb; ein Preis, welcher ungemein billig erscheint. Betreffend die Erwartungen, welche man von der Zweckmäßigkeit der Einrichtung hegen darf, setzen wir das Rundschreiben des israelitischen Consistoriums zu Straßburg hierher, welches sowohl dem Unternehmer, Hrn. Selligsberger, als der resp. Behörde, bre ihm so geneigte Theilnahme widmet, zur Ehre gereicht. Straßburg, 22. Oktober 1839. Das israelitische Consiftorium des Bezirks Straßburg; an die HHrn. Rabbiner und Aufsichts- Commissarien bei den Synagogen des niederrheinischen Departements. Meine Herren, Wir beeilen uns. Sie zu benachrichtigen, daß Herr Selligsberger, dessen Talent und Moralität wir schätzen zu lernen Gelegenheit hatten, vor kurzem in unsrer Stadt eine Lehranstalt für Taubstumme, so wie eine Curanstalr für Stotterer und Stammler eröffnet hat. Die beiden hiesigen Journale haben schon vor einiger Zeit die gute Methode des Herrn Direktors, so wie den glücklichen Erfolg seiner Bemühungen bekannt gemacht. Da Herr Selligsberger die Vortheile seiner Anstalt auch den Israeliten, seinen Glaubensbrüdern, anzubieten wünscht, so' wird er deren Kinder in Unterricht und nöthigenfalls auch in Pension nehmen. Seine Wohnung ist Kalbsgaffe Nro. 12, in Straßburg. Da die Wissenschgft, taubstumme Kinder zu unterrichten, eine der kostbarsten Entdeckungen ist. welche im Interesse der Menschheit gemacht worden sind, so machen wir uns zur Pflicht, die Unterrichtsanstalt des Herrn Selligsberger anzuempfehlen. Die Familienväter können sich täglich bei ihm melden, um Nachweisungen, welche auf seine Verfahrungsweise, wie auf die Bedingungen zur Aufnahme Bezug haben, zu erhalten. Belieben Sie dieses Umschreiben den Israeliten Ihres Wohnorts bekannt zu machen. Die Mitglieder des Consistoriums: L. Ratisbonne, Präsident; Arnaud Aron, Oberrabbiner, Vice-Präsident; Benoit Samuel; B. Half. Im Jewish intelligence, Aug. 1839, lieft man folgende statistische und andere Angaben: Zu Homburg v. d. Höhe wohnen 500 Juden. Eine besondere Schule für jüdische Kinder ist nicht vorhanden, die Erziehung scheint hier sehr vernachlässigt zu werben. Deutsch gepredigt wird gar nicht und es hat auch die Gemeinde keinen angestellten Rabbinen. Ein wohlhabender und gelehrter Mann steht an der Spitze der Synagoge, und will als eine Art Rabbiner betrachtet sein; auch wirb er wirklich häufig mit religiösen Gewissensfragen angegangen. — Da man mir sagte, so fährt der Berichterstatter fort, daß eine beträchtliche Anzahl Israeliten in Ronneburg, einem alten Burgflccken nicht weit von Hanau wohnten, so beschloß ich, diese zu besuchen. Der Grund, weßhalb sie solch alte verfallenene Gebäude zu ihrem Wohnort gewählt haben mögen, liegt, wie man erzählt, darin, daß dieser Ort, welcher vormals eine fürstliche Residenz war, noch einige Vorrechte hat, indem hier manche in der Nachbarschaft bestehenden Beschränkungen in Betreff des Niederlassungs- und Bürgerrechts und der freien Hanthierung nicht gelten. Ich fand, daß dieser Burgflecken ein merkwürdiges Denkmal vergangener Zeiten ist; aber welches Interesse auch der Ort für Allertdumsforscher haben mag, fo ist doch hier nichts so sehr der Aufmerksamkeit und der Nachforschung würdig, als der Zustand der hier wohnenden armen Juden. So arm sie sind, so haben sie doch eine ordentliche Synagoge, in einem der alten Schloßthürme, auch halten sie einen Lehrer für ihre Kinder. Das ist in der Thal ein wunderbarer Zug in dem Character der Juden, daß sie, trotz Armuth und Zerstreutheit, doch fo häufig eine starke Anhänglichkeit für ihr nationales und hctliges Schriflthum darthun. Der Lehrer ist ein sehr einnehmender Mann.- Ein anderer Bericht daselbst aus Livorno vom April lautet also: In Toscana ist die Stellung der Juden besser vielleicht als irgendwo (b. h. in Italien.) Sie haben großen Einfluß und bedeutende Vorrechte. In Rom werden sie noch immer hart behandelt, und alle Nacht und während der Fasten in ihrem Ghetto eingeschlossen. (Man hätte hinzufügen können, daß die leitbem cingetretenen, im Ganzen nicht sehr bedeutenden Veränderungen, wonach S. Heiligkeit den Israeliten die Ausübung einiger Gewerbe gestalteten, und worüber wir binnen kurzem einem authentischen Bericht entgegen sehen, — doch nicht den Zwang abgeschaft haben, welcher die Juden zu Rom noch immer nöthtgt, 100 aus ihrer Mitte am Sabbath in die Kirche zu senden, um eine katholische Predigt anzuhören.) Wir besuchten die Synagoge denselben Abend. Es ist eine iehr schöne, und sie war recht voll. Der Ort, wo die Gesetzrollen aufbewahrt werden, ist sehr ähnlich dem Altar in Eprseopalkirchen, und herrlich geschmückt mit weißem und buntem Marmor. Eden so schmuckreich ist der Vorlesepult in der Mitte des Raumes. Der Vorbeter las die Gebete mit lauter starker Stimme, und ein schöner Gesang und Psalm machte den Schluß. — Sie wurden ein wenig an uns angezogen, als sic sahen, daß wir hebräisch lesen konnten. Einige ehrwürdige Männer in lockern morgenländischen Gewändern, mit dem Turban auf dem Kopfe und schönem langen Barte, standen nicht weit von dem heiligen Schrein. Viele gingen hin, um ihren Segen zu empfangen und ihre Hand zu küssen. Sie ertheilten denselben, die Hand auf deren Haupt legend. Man sagte uns, es seien Rabbinen aus Jerusalem. Am Tage darauf, Sonnabend 27. April, besuchten wir die Synagoge wieder, um halb neun, und abermals um ein Uhr. Wir sahen das Gesetz aus dem Schrein mit vielem Pomp und unter schallendem Gesang heben, und als der Rabbi (Vorleser) die Rolle vor dem Volk emporhielt, schwieg augenblicklich der Gesang, und jeder beugte ehrfurchtsvoll sein Haupt. — Die Zahl der Juden hier konnten wir nicht ermitteln, es müssen aber wohl viele Tausende in Livorno wohnen. Einmal besuchten wir die jüdische Unierrichtsanstalt, ein herrliches Institut. Sie ist nach Lankaster'scher Art eingerichtet, und dreihundert Kinder lernen hier Hebräisch, Italienisch, Französisch u. s. w. Diese Anstalt wird eine ganz neue Epoche unter den Juden bilden, besonders beim weiblichen Geschlecht, welches sehr fleißig lernt. Wir hörten auch die Knaben im Thalmub lesen.-Wir besuchten ihre Bibliothek, welche alte Werke und Manuscripte enthält. Nachtrag zur Ergänzung unsrer Replik in Nr. 43 der Annalen. (AuSzug aus einem Schreiben bcS Herrn OderrabbincrS Dr. Ultmann an den Herausgeber. Crefetd, 3. Nov. 183S.) -Gleichzeitig erlaube ich mir, in Betreff der Replik Ew. Wohlgeboren gegen Herrn Dr. Auerbach zu Darmstabt in Nro. 43 der israelit. Annalen, in so wert diese mich und das hiesige israelit. Consiftorium betrifft, folgendes zur Be-

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