Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 46 (15.11.1839)
- Date
- 1839-11-15
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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366 vortrefflich in den verschiedenen Klassen im Lesen, Uebersetzen der Bibel, sowie in Commentar und Grammatik. Man wird sich vielleicht wundern, daß außer den gewöhnlichen statutenmäßig zu crtheilenden Unlerrichtsgegenständen so Vieles von einem Lehrer einer Anzahl von circa 75 Kindern beigebracht werden kann. Das findet aber darin seine Lösung, daß der Herr Levy täglich mehrere Stnnden über Gebühr Unterricht ertheilte. Die zweite und Hauptprüfung fand später den 13. Sept. statt. Auch hier gereichte es dem Lehrer und den Schülern zur Ehre, die Früchte ihres Fleißes öffentlich vorzulegcn. Und wie bei der vorjährigen Prüfung der Präsident der Regierung dahier, der jetzige Direktor im Ministerium der geistlichen und Medizinal Angelegenheiten, Herr von Ladenderg. seinen Beifall zu erkennen gab; so hat auch dieses Jahr das Geleistete im Lesen, Rechnen, Schreiben, in Geographie, deutscher Sprache und besonders in Brandenburgischer Geschichte unfern jetzigen Regierungspräfidenten, Herrn von Schaper, und andre hochgestellte Männer, welche diese Prüfung mit ihrer Gegenwart beehrten, vollkommen befriedigt. Für unsre Jugend, bis zu der Zeit, daß sie die Schule verläßt, wäre nun gesorgt; aber nachher? Werden die guten Keime, die hier so trefflich gepflegt worden, nicht wieder, ehe sie Früchte tragen können, durch den Mangel alles Erbauenden in ihr Nichts zurückfallen? Ganz gewiß. Desto wünschenswerther wird daher immer mehr ein Verein zur Verbreitung nützlicher, besonders religiöser und erbauender Schriften, wie dieses Projekt neulich wieder in diesen Blättern Nro. 36 von Herrn Kohn in Anregung gebracht wurde. Unser hiesiger Leseoerein zählt zwar jetzt mehr Mitglieder als früher, kann aber diesem Bedürfnisse nicht genügen, obgleich wir auch Erbauungs-Schriften in unfern Kreis gezogen. Ich würde daher gern selbst mit einiger Aufopferung die Hand zu einem solchen Unternehmen, wenigstens für unfern Regierungsbezirk, bieten. Es ist keinem Zweifel unterworfen, daß sich allenthalben Theilnahme für einen wohlthuenden Zweck zeigen werde. Thun wir nur Jeder das Seinige. Das Münster'schc Institut für israelitische Schullehrer hat uns nun schon den zweiten Elementarlehrer aus diesem Regierungsbezirke mit den hierzu nölhigen Kenntnissen ausgerüstet. Man muß es immer dieser Anstalt Dank wissen, baß sie auch unbemittelten jungen Leuten, welche sich dem Lehrfache widmen möchten, die Gelegenheit darbictet, sich daselbst auszubilden; (.beide wurden nämlich unentgeldlich ausgenommen, nur mußte der Letztere fünfundzwanzig Thaler vergüten;) und insbesondere daß sie den Gemeinden Subjekte darbietet, denen sie unbedingt ihre Kinder anvertrauen können. M. H. Großherzogthum Hessen. — Die väterliche Fürsorge unsrer erlauchten Regierung bewährt sich ganz insbesondere darin, daß sie jede Gelegenheit, die bessere Erziehung der Israeliten auf dem Lande zu befördern ergreift, und auf das Schulwesen vorzugsweise ihr Auge richtet, zumal dasselbe, wie schon in diesen Blättern oft genug ausgesprochen worden, noch bedeutender Reformen entgegen zu sehen hat. Es gereicht uns daher zum Vergnügen, wiederum die Eröffnung einer Elementarschule melden zu können. Der Gemeinde Gebenau im Kreise Alsfeld ist, auf unterthäniges Nachsuchen, von hoher Regierung die Errichtung einer eignen Elementarschule gestattet worden, und ist dieselbe alsbald ins Leben getreten. Es gereicht der nicht sehr zahlreichen Gemeinde zur Ehre, daß sie ihrer hoffnungsvollen Jugend dies Opfer bringt, und der Lohn dafür wird nicht ausbleiben. Bisher war der Religionsunterricht fast gar nicht auf epie Weise ertheilt worben, die den Geist zu bilden und die Gesinnung zu veredeln sich eignete, und fand derselbe das Haupthinderniß seines Gedeihens in der ganzen Einrichtung des unzusammenhängenden Elementarunterrichts. Dem Nebel ist jetzt auf das Zweckmäßigste abgeholfen. Der Unterricht wird nun planmäßig ein Ganzes ausmachen, und die Israelitische Jugend eine geregelte Elementarbildung erhalten, in welcher nicht der todte Buchstabe, sondern der lebendige Geist waltet. Nachdem die äußern Verhältnisse geordnet waren, hat die Regierung die Berufung und Anstellung eines geübten, und durch emige Praxis im Schulfache schon erfahrenen Seminaristen genehmigt. Dem Israelitischen Schulcandidaten, Herr Saul Buchsweiler aus Friedberg, einem jungen Mann, welcher von Eifer für sein Fach beseelt ist, und bereits Proben seiner Fähigkeiten gegeben hat, ward die Stelle übertragen, und die Einweihung fand am Iten Oct., dem letzten Feiertage, in der Synagoge, in Anwesenheit der ganzen Gemeinde und der Ortsbehörden Statt. Der Geistliche des Ortes sprach einige ergreifende Worte, betreffend die Zwecke dieser neuen Schule, und bann hielt Herr Buchsweiler eine Rede, worin er seine Ansichten über die Schule darthat, und das Vertrauen der Gemeinde ansprach, besonders aber allen Mitgliedern es ans Herz legte, wie wichtig es sei, in allem was die Schule betrifft, stets mit ruhiger Besonnenheit zu verfahren, und mittelst freundlicher Rücksprache jede etwaige Schwierigkeit auf friedlichem Wege auszugleichen, und sich vor raschem und unüberlegtem Einschreiten zu hüten. Diese kleine Feierlichkeit wird gewiß segenreiche Folgen haben. Wir wünschen, baß alle Gemeinden, die nur irgend es leisten können, sich hieran em Beispiel nehmen, und die hier ausgesprochenen Grundsätze in ihrer ganzen Wahrheit ebenfalls anerkennen. Wahrscheinlich wird diese neue Schule auch auf den Gottesdienst einen wohlthätigen Einfluß üben, mindestens ist zu erwarten, daß Herr B. auch durch lehrreiche deutsche Vorträge an Sadbath- und Festtagen seine Gemeinde zu erbauen suchen werde. Referent erkennt hierin das wirksamste Mittel den Gottesdienst erhebender zu machen, und auf die Gesinnung der oft ganz im Dunkel herumtappenben Gemeindeglieder, wie der kommenden Generation zu wirken. Mehrere Gemeinden des Großherzogthums gehen bereits mit löblichem Beispiele voran, wie wir denn, außer den in den Annalen schon erwähnten Gemeinden, auch noch besonders derer von Seligenstadt gedenken müssen, in welcher Eultusgemeinde die Gottesdienst-Ordnung und das Schulwesen unter Leitung des thätigen und eifrigen Vorstehers, Herrn Strohmberg und seiner gleichgesinnten > Collegen, in schönster Eintracht Hand in Hand gehen. Der! daselbst angestellte Religionslehrer, Herr S i l b c r t h a u, hält an Fest- und Feiertagen deutsche Vorträge, unter einleitendem und schließendem Choralgesang, welcher von der Jugend beider Geschlechter recht gut ausgeführt wird. Wie sehr dies alles die wahre Herzensbildung befördert, braucht wohl nicht erst aus einander gesetzt zu werden, und man kann sich nur über die Zähigkeit 'und Zaghaftigkeit derer wundern, welche noch immer Anstand nehmen, dergleichen augenscheinliche Verbesserungen einzuführen. Lemberg. 16. Oct. — Die hiesigen Rabbinatsangelegenheiten sind noch nicht geordnet, auch ist S. R. noch nicht provisorisch angestellt. — Herr I. Perl hat ein Alter von 66 Jahren erreicht. Württemberg. — Zu dem Berichte in voriger Nummer fügen wir noch folgende, von einem andern Berichterstatter herrührende Notiz hinzu. Während der Feier der Synagogen-Einweihung in Buchau kam S. M. der König! von Württemberg durch diese Stabt, und vernahm mit Wohl-! gefallen die humane Weise, mit welcher dieses Fest die Theil- | nähme aller Confcssionen erregte. S. M. besichtigten bas > neue Gotteshaus und äußerten sich, dem Vernehmen nach, i als der Bürgermeister auf den Fortschritt der Israeliten in > der Cultur hindeutete, von welchem die ganze Einrichtung . dieses Tempels zeugte, dahin: „daß man wohl von denen, l die deutsches Brob äßen, auch ein Eingehen in deutsche Sitten erwarten könne." In Straßburg hat ein Israelit, Herr Selligsberger, eine Anstalt zum Unterricht taubstummer Personen beider Geschlechter und zur Heilung des Stammelns, errichtet, und erfreut sich bereits lebhafter Theilnahme. Da dort auch deutsche Schüler und Schülerinnen und resp. Pfleglinge zugelassen und in der deutschen Sprache