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Israelitische Annalen · 1839-11-15 · Heft 46 (15.11.1839) · p. Seite 365

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 46 (15.11.1839)
Date
1839-11-15
Page
Seite 365 (sequence 5)
Language
German
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365 Hebet die Zweckmäßigkeit der Errichtung von Schnlconventen unter den Israeliten. (Fortsetzung.) Man sage aber nicht, diese Klasse von Lehrern sind wegen ihrer langen Gewohnheit, ihrer Unwinenheit, unmöglich mehr zu verbessern, man frage nicht, was soll man mir solchen Lehrern bei einem Convente anfangen? ihre Meinung über irgend einen wissenschaftlichen Gegenstand kann ja nicht nur nie maaßgebcnd sein, sondern man kann dieselbe nicht einmal der geringsten Berücksichtigung würdigen. Nein, kein Mensch mit gesundem Verstände, und der, wenn auch nicht regelmäßige Bildung erhalten, doch immerhin etwas erlernt, und möge er hinter der zeitgemäßen Bildung noch so weit zurückstehen, kann für das Bessere so unempfänglich sein, daß oft wiederholte Verbesserungsversuche, bei bescheidenen Forderungen, gehöriger Nachsicht und überzeugender, wohlwollender und freundschaftlicher Ermahnung nicht allmählig Eingang bei ihm finden sollen, besonders da mancher den Mangel an Kenntnissen durch Fleiß, guten Willen und Liebe zum Fache ziemlich ersetzt. *1 Und wenn auch dieser Classe von Schullehrern so Manches zum Lehrfache höchst Erforderliche abgehet, so sind es doch gerade die Schullehrer dieser Klasse, welche eine vieljährige Erfahrung die ihrige nennen können, und welche also bei Berathungen über Mittel und Methode des Unterrichts, ob dieser oder jener Gegenstand von der Jugend, in Rücksicht ihrer Fähigkeiten, Fassungskräfte re. begriffen werden könne oder nicht, ob er auf diese oder jene Weise gelehrt werden solle, ein nicht zu übersehendes Urtheil adzugeben, berechtigt sind. Oie zweite Klasse der israelitischen Schullehrer begreift diejenigen unter sich, welche eine zeitgemäße Vorbildung zu ihrem Amte genossen. Unstreitig gebührt dieser Klasse bei weitem der Vorrang vor der erstbezeichncten Klasse. Da eine gehörig fortschreitende Bildung der Jugend nur von ihr ausgehen kann. Aber desto schmerzlicher und nieberschlagender muß es für die Schullehrer dieser Klasse sein, wenn sie von der Gemeinde, unter der sie mit ihrer Familie leben, und von der sie salarirt werden, ja Seren Unterstützung ne oft bedürfen, den Schullehrern erster Classe gleichgestellt, wenn nicht gar nachqesetzt werden. Manchen tüchtigen, sonst gewissenhaften Schullehrer mag diese Verkennung und Geringachtung von Seiten der Gemeinde in seiner Berufs- und Pflichttreue erschüttert und wankend gemacht haben. Leicht wird diesem Uebelstanbe aber durch Schullchrerconvente gesteuert, indem durch öffentliche Darlegung und Beurtheilung der gefertigten Conventarbeiten, die Gemeinden erst die Verdienste und Vorzüge ihrer Schullehrer kennen und würdigen lernen. Aber noch von einer andern wenigstens eben so erheblichen, wenn nickt erheblicheren Seite, sind Schullehrerconvente für die Schullehrer der bezeichneten zweiten Classe und ihre Schulen von unberechenbarem Nutzen. Denn ist es auch wohl wahr, und kann und muß man es nur lobenswerth gedenken, daß die Schullehrer dieser zweiten Classe mit großem Fleiße und regem Elfer an ihre mühsame Arbeit schreiten; so ist es doch nicht weniger wahr, mögen es die eben angeführte Verkennung und Geringachtung von Seiten der Gemeinden herbeiführen, oder die vielfachen Schwierigkeiten, die sich den Schullehrern so oft dardieten, oder sonstige Ursachen zu Grünte liegen, baß bei vielen Schullehrern, wenn auch nicht bei allen, dieser Fleiß nur gar zu oft nachläßt, dieser Eifer nur gar zu bald erkaltet. Auch und die meisten Schullehrer auf dem Lande angestellt, können dort nur selten die Mittel zu ihrer Fort- *) Verfasser dieses kennt aus einem vieljährigen Wirkungskreise derartige Schullehrer, weiche durch Beharrlichkeit, Fleiß, Aufmunterung und Nachhülfe von Außen, sich zu tüchtigen und anerkannten Schulmännern gebildet haben. Der Verfasser. und Ausbildung finden, sie bleiben zuerst auf der Stufe ihrer erlangten Bildung stille stehen, schreiten nicht vorwärts, gehen aber auch dann zurück, und so wird man gewiß einst manchen Schullehrer aus dieser zweiten Klasse in die Klaffe der erstern nachrücken sehen. Wobl würde bieß aber durch öffentliche Schulconvente verhindert werden. Die Iugendlebrer würden dadurch in beständiger geistiger Tbätigkeit gehalten werben, Aufmunterung finden, antgefordert, und sich gleichsam genötbigt sehen, beständig in ibrem Gebiete zu denken; sie werden die Erscheinungen der Zeit, in so fern sie das Schulfach betreffen, mit aufmerksamen Augen verfolgen, und so würde ihr geistiges Altern und das Altern ihrer Wirksamkeit am besten verhindert werden. (Schluß folgt.) Nach richten und Correspondenzen. Hamburg, 3. Nov. — Herr Vr. K l e y hat die beiden Stellen, welche er hieselbst seit mehr denn zwei Decennien so ruhmvoll bekleidet, als Prediger am israel. Tempel und als Director der Schulanstalt, gekündigt, und wird, wie es heißt, nach Berlin ziehen. Preußen. — Das Reformationsfest hat wiederum von der immer mehr Raum gewinnenden Humanität einen Beweis geliefert, indem der Magistrat der Hauptstadt auch den Vorstand der Israeliten, so wie aller andern Confessionen, bei den festlichen Anordnungen betheiligte. Trier. September. — Es wird manchem Leser dieser Annalen, weicher die hiesige Gemeinde nur einigermaßen kennt, auffallend erscheinen, auch von hier Reformen im Sinne des Fortschreirens zu vernehmen; allein so mächtig wirkt das Beispiel, und so nützlich und heilbringend find diese periodischen Blätter, welche uns solches vorführen, daß allenthalben das Bessere dadurch gefördert wird. Was ich in meinem Berichte Nro. 10 dieser Annalen noch als einen Mißstand bezeichnete, den zu beseitigen es sehr wünschenswerth wäre, ist nun wirklich aufgehoben worden. Mit dem neuen kirchlichen Jahrhundert trat die Anordnung in unsrer Synagoge ein, baß die gottesdienstlichen Funktionen nicht mehr versteigert werden. Man ging dabei sehr bedächtig zu Werke, um Niemanden zu verletzen. Andere Synagogen wurden zum Muster genommen. Erfahrene zu Rath gezogen, und so wurde das unmöglich Scheinende möglich. Aber nicht nur die Sache selbst, sondern auch die Art der Einführung verdient Anerkennung. Unser Gemnnbevorsteher, Herr Allmeier, betrat nämlich am letzten Lradbath vorigen Jahres, den 7. Seot., selbst die Tribüne, stellte der Gemeinde die Zweckmäßigkeit der Reform dar, und zeigte auch zugleich die leichten Mittel j; an, wodurch das dadurch entstehende Defieit in den Ein-! nahmen gedeckt werden könne. Die ununterbrochene Andacht an den folgenden Festtagen in unsrer Synagoge rechtfertigte diese Einrichtung. Eine zweite Reform führte unser Oberrabbiner, Herr M. Lazarus, ein. Hier besteht nämlich noch immer die alte Sitte, daß der Rabbiner zweimal des Jahres in der Synagoge, am Sabbath vor Pesäch und vor dem Versöhnungstage, Vorträge hält, welche in talmudischen Diskussionen bestehen. An dem genannten Sabbath dieses Jahres begann derselbe seinen Vortrag mit den Worten: Da er bemerkt habe, daß der größte Theil der Zuhörer bei seinen Vorträgen die Synagoge verlasse, so wolle er von nun an den rigoristischen Theil dieser Diskussionen, als den Meisten unverständlich, in seiner Stube zu einer andern Zeit halten; hier aber, um nicht gerade Neuerung zu begünstigen, einen Theil davon berühren. Eine solche Nachgiebigkeit ist immer lobenswertk. Von unsrer israelitischen Elementarschule kann ick Ihnen ebenfalls Rühmliches mitlheilen. Die jährliche Prüfung wurde diesmal, um jeder Jneonoenien; vorzubeugen, an zwei verschiedenen Tagen gehalten. Am ersteren, wo blos Hebräisches vorgenommen wurde, bestanden die Zöglinge

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