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Israelitische Annalen · 1839-11-15 · Heft 46 (15.11.1839) · p. Seite 362

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 46 (15.11.1839)
Date
1839-11-15
Page
Seite 362 (sequence 2)
Language
German
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362 nes Staatslebens, in seinem eigenthümlichen Wesen zu Grabe getragen worden; leben wir vielmehr der Ueberzeugung, daß es auch nach jener ersten Abtheilung seiner Weltrolle in seinem kräftigen selbstständigen Wirken sich fortbewegt, nur mit dem Unterschiede, daß es seit jener Hauvtepoche seines Entwickelungsganges seinen universellen Beruf auf eine andere Weise zu realisiren erkoren ist; so dürfen wir das Religionsleben des Judenthums in zwei Hauptperioden zerlegen und die erste als prophetische oder theokratische, die zweite aber als traditionelle oder theologische bezeichnen. Den Anfang des israelitischen Religionslebens verlegt die Weltgeschichte in das Zeitalter des gottbegeifterten Moses, doch erkennt das j Judcnthum selbst für seinen Anfang keinen bestimm-! ten Zeitpunkt, es nennt uns viele Männer, welche j weit früher mit Gott wandelten (1 Mos. 5, 24. i 6, 9. 17, 1. u. m. a. St.) und es läßt seiner I Volksgeschichte eine patriarchalische Vorzeit vorausj gehen, welche bei der Darstellung, wie es seine; übersinnliche Welt zum Theil oder ganz ausbilde^e, j nicht unberücksichtigt bleiben darf. Nach dieser pa- > triarchalischen Vorzeit tritt als Träger der Idee > ein ganzes Volk auf, dessen Verfassungsweise zuerst! republikanisch-rheokratisch und dann monarchisch-theo-! kratisch dargeftellt wird. Es liefert somit das Ju-; denthum für seine prophetische Periode eine patriar-! chalische Vorzeit, eine republikanisch-theokratische! Periode, von Moses bis Saul und eine monarchisch-! theokratische Regierung, von Saul bis zur Zerstörung des ersten Jerusalem'schen Tempels. Der israelitische Volksgeist zeigt sein selbstständiges productives Fortbewegen bei seiner Schöpfung der überfinnlichen Welt in diesen Zeitabschnitten sowohl, wie in allen folgenden, insofern immer von gleichem ' Charakter, daß er alle geistigen Gebilde dieser über- | sinnlichen Welt von dem Hauptsubstrate derselben, j nämlich von seiner Vorstellung von Gott, abhängig! sein läßt, und daß er, so wie dieser Begriff von! dem Schöpfer fortbewegend sich ändert, auch alle j mit demselben stets in engster Verbindung stehenden! Vorstellungen vom Geschöpfe anders gestaltet, daß! er somit in der Art und Weise seines Schaf-! fens keine Veränderung zeigt, wohl aber an dem Objecte dieser seiner Schöpfung, und demnach die Geschichte eines Entwickelungsgangcs zuläßt. — Formgebendes Element ist für die Gestaltung aller Glieder der übersinnlichen Welt die Vorstellung des Volksgeiftes von der Gottheit. Dieses zeigt sich ganz vorzüglich in den Begriffen von den Engeln; weil es diese vorzüglich sind, welche die weitgähnende Kluft zwischen dem unsichtbaren Schöpfer und der sichtbaren Schöpfung ausfüllcn und beleben müssen. Zu eng ist die Verbindnng zwischen Gott, welcher den Auftrag ertheilt und dem Engel, welcher den Auftrag erhält, als daß der Begriff des Letzteren sich nicht stetig nach der Vorstellung von Gott modisiciren sollte; und daß solche Modification statt fand, zeigt eine jede Periode des israelitischen Volkslebens. (Forts, folgt.) Angelegenheiten -er Synagoge. Der Gottesdienst. *) Der Gottesdienst, und im cngcrn Sinne das Gebet, ist eines von denjenigen Mitteln, welche den Menschen mir der Gottheit verbinden, indem es sein Herz hinaufzieht zu dem himmlischen Vater, das Geschöpf vor seinen Schöpfer hinführt, und seine Wünsche und Gesinnungen ausdrückt. Wie vieles ist nicht schon über diesen wichtigen Gegenstand gesprochen, gepredigt, geschrieben und wiederholentlich in allen Sprachen und bei allen Völkern geäußert worden! Je mehr aber darüber gedacht und geurtheilr wird, desto lobenswerter! Denn alle Kenner des menschlichen Herzens und der menschlichen Neigungen wissen, welche unendliche Gewalt das Gebet und der Erguß des frommen Gcmüthes auf die Verfassung der Seele ausübt, so wohl zur Zeit des Kummers und Leidens, als in Freude und Genuß, und bei allen Ereignissen, welche dem Menschen in seinem Erdenwallen begegnen; wie groß und tief der Eindruck des Gebetes sei, um das Gemüth, wenn innere Stürme toben, durch Erhebung desselben zu denn,sönig der Welten, zu stillen und zu beruhigen. Und wenn diese Wirkung selbst bei den Denkern, welche ihren Schöpfer aus seinen Werken erkennen und seinen Geist aus der Weltordnung zu erfassen streben, unleugbar hcrvortritt, wie viel mehr bei dem in Einfalt und Unkunde befangenen Volke? In der That ist bei der Mehrzahl derer, die mehr aus Furcht vor der göttlichen Strafe die Sünde *) Eingesandt von einem gelehrten Polen, an der russischen Gränze wohnhaft. Ganz getreu übertragen v. H.

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