Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 46 (15.11.1839)
- Date
- 1839-11-15
- Page
- Seite 361 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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15. ölODetttber. 46«. 1838. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte» Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. I 0 st. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3Rthlr.; man subscridirt bei allen iöb!. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Bcirräae zur EnrmickelungSgesci'ichte der Angclo- und Dämonologie im Judentbumc, von Nr. S. Form steche r. — Angelegenheiten der Synagoge. — Briefwechsel über religiöse Zustände (Fortsetzung.) — lieber die Zweckmäßigkeit der Errichtung von Schulconventen unter den Israeliten (Fortsetzung.) Nachrichten und Correspondcnzen: Hamburg; Preußen; Trier; Grvßberzogtbum Hessen; Lemberg; Württemberg; Slraßburg; Notizen. — Nachtrag zur Ergänzung unsrer Replik. — Anzeigen. Beiträge zur Entwickelungsgeschichte der Angelo- und Dämonologie im Judenthume. Von vr. S. Formstecher, i-raelitischem Prediger in Offenbach. Die Vorstellung eines Volkes von Gott und dessen Verhältnisse zur Welt, von den Mittelwesen zwischen Gott und Menschen, von dem Wesen und dem Endschicksale der menschlichen Seele, von Paradies und Hölle, welche Vorstellungen bei einem jeden Volke untereinander in engster Wechselwirkung sich befinden; ein treues Bild von dieser dem Volksgeifte nicht von Außen her gegebenen, sondern ihm eigenthümlichen, übersinnlichen Welt und deren Entwickelung giebt uns den unfehlbaren Maßftab, die einzelnen Stadien seines geistigen Fortschreirens mit Bestinnnrheit zu erkennen. — Die Darstellung der Geiftesgeschichte eines Volkes muß sich aber mit der Erzählung von dessen physischen Ereignissen eng verbinden, um das Volk in seiner Erscheinung wahrhaft zu würdigen; sie können sich gegenseitig nicht entbehren, wenn nicht die oberflächliche Hülle statt des Volkes inneres Leben aufgefaßt werden soll. Vorzüglich aber ist dieses bei der Geschichte des Judenthums der Fall. Dieses in seinem Gegensatz zum Heidenrhum zeigt gerade in der Schöpfung seiner übersinnlichen Welt, seine charakteristischen Grundzüge als Geistesleben. In ihr offenbart es sich vorzüglich, wie der Volksgeift seine übersinnliche Welt, und diese wiederum das Volksleben gestattet, wie jenes die Wurzel, dieses die Blüthe in dem Entwickelungsgange der Weltanschauung und des geistigen Lebens bildet, und die Geschichte vermag das Gepräge eines Zeitalters nur durch die Begriffe, welche frühere Geschlechter von dieser übersinnlichen Welt hegten, zu erklären. Das Religionsleben des später» Judenthums, seine Institutionen und Gebräuche, so wie auch die höhere Kraft und begeisternde Resignation, welche dessen Glieder die furchtbarsten Stürme früherer Jahrhunderte mit frommem Heldenmuthe ertragen lehrten, sind himmlische Kinder, von jener übersinnlichen Welt geboren, geschaffen von dem Gefühle und dem Gedanken früherer Generationen.— Alle jene Elemente der übersinnlichen Welt verdienten somit zur Erklärung des früheren und gegenwärtigen Judenthums eine nähere Erörterung und geschichtliche Darstellung; doch wollen wir vorerst auf eins derselben unser Augenmerk richten und hier einen Beitrag zur Geschichte der Angelologie des Judenthums wählen. Wollen und dürfen wir es nicht zugeben, daß das Judenthum, wie vorzüglich pragmatisirende Historiker oft behaupten, mit dem Untergänge sei-