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Israelitische Annalen · 1839-11-08 · Heft 45 (8.11.1839) · p. Seite 358

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 45 (8.11.1839)
Date
1839-11-08
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
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liebet die Zweckmäßigkeit der Cr richtung von Schulconventen unter den Israeliten. Vom Bezirks-Rabbiner Fürst zu Heidelberg. Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß eine Hauptquelle der religiösen und zeitgemäßen Bildung der Zugendunterricht ist. ober, wie man richtiger sagen muß, wenn man viele Schulen und deren Lehrer betrachtet, wenigstens sein sollte, und daß daher die Verbesserung des Zugendunterrichtes und der Schulen, eine wahrhafte Verbesserung des Zeitgeistes zu nennen sei. Diesen in der Theorie wohl einstimmig angenommenen Satz (zur völligen Anwendung ist er leider bis jetzt noch nicht, wenigstens noch lange nicht allgemein, und so allgemein, als er es wohl verdiente, gekommen) diesen Satz also, sage ich, erst zu beleuchten und weitläufig darzuftellen, kann und soll hier meine Aufgabe nicht sein. Zch will nur ein, zur Förderung des Zugendunterrichtes sehr löbliches Institut, das wohl allgemeine Würdigung und Nachahmung verdiente, herausheben , und habe das Obige, nur zur gehörigen Würdigung des Folgenden vorausgeschickt. Es ist nehmlich bei unfern christlichen Mitbrüdern, sowohl katholischer als evangelischer Confesfion, die heilsame und fruchtbringende Einrichtung jährlicher Schulconvente getroffen, in denen, unter Leitung des jedesmaligen Bezirks- Schulvifitators und Dekans, über früher von ebendemselben vorgelegte Fragen aus dem Gebiete des Schulfaches, die von den betreffenden Schullehrern schriftlich zu beantworten find, discutirt wird. Es ist dieses Znstitut für die Bildung des Zugendlehrers selbst, von der ja die der Schule und der Jugend abhängt, eine sehr kräftige und starke Stütze. Denn es ist in diesen Conventen nickt nur die gemeinschaftliche Besprechung, die in neuerer Zeit unter allen Ständen befördert wird; (nur in Israel, wo es gewiß am meisten Noth thut, hat dieselbe noch wenig Anklang gefunden) es ist das Wechseln und der Austausch verschiedener Meinungen nicht allein, was diese Anstalt so empfehlungswürdig macht, es lassen sich noch viele andere, nicht minder erhebliche Gründe dafür geltend machen. Ich nenne hier nur einen, der für uns Israeliten (denn für diese schreibe ich ja diese Zeilen) wohl der stärkste und erheblichste Beweggrund sein dürfte, die gedachte Anstalt zu befördern. Es wird nehmlich der Schullehrer durch dieses Znstitut fortwährend mit den Bestrebungen der Zeit, in Bezug auf das Schulfach, bekannt. Denn es halten nicht nur die gegebenen Fragen den Schullehrer in beständiger Vertrautheit mit den Fragen, welche zu jederzeit über das Schulwesen gethan werden, nein, der Schullehrer wird vielmehr alle Erscheinungen, betreffen sie auch nicht direkt die ihm im Augenblick vvrgelegten Fragen, dennoch aufmerksam betrachten, in der Erwartung, es könnte wohl dieß auch einmal auf einem Convente, wenn nicht gar in dem nächsten, zur Sprache kommen; ja, was wohl das Erheblichste ist, es wird der Sinn für Wissenschaft, Bildung, für wissenschaftliche Behandlung seines Lehrfaches in dem Zugendlehrer erweckt. Und dieß ist, wie ich glaube und schon oben angeführt habe, der Hauptgrund, warum für israelitische Schullehrer die Einrichtung von Schulconventen gerade am nothwendigsten und ersprießlichsten ist, weil, gilt dieses auch nicht von allen, doch gewiß bei vielen israelitischen Schullehrern, besonders auf dem Lande, dieser Sinn noch gar nicht vorhanden ist, oder doch noch sehr tief schlummert und der Erweckung jehr bedarf. Die israelitischen Schullehrer zerfallen nehmlich noch gegenwärtig in zwei Hauptklassen, in die Klaffe der alten, einer regelmäßigen Vorbildung zu ihrem Fache entbehrenden Lehrer, und in die Klasse derjenigen, welche sich durch gehörige Vorbereitung zu ihrem 358 j - Amte befähigt haben. Die Ersteren lehren noch gegenwärtig mit sehr mangelhaften Unterrichrskenntnissen und nach derselben Methode, wie sie seit 30, 40 und 50 Zähren zu lehren gewohnt waren, und bei aller kräftigen Einwirkung der Schulaufseher und Examinatoren, wurde gar Nichts, oder doch nur Weniges daran geändert. Und warum? Weil diese Lehrer nie mit dem Bessern, was die Zeit hervorgebracht, bekannt waren, weil sie aus Unwissenheit dasselbe noch jetzt verkennen, weil sie auch mit gutem Willen wegen der langen geistigen Unthätigkeit, in der sie sich befanden, unmöglich ohne anderweitige kräftige Nachhülfe, von selbst die Kraft haben können, etwas Besseres an die Stelle ihrer hergebrachten Unterrichtsweise zu setzen. Und so lange, (was nicht sein sollte) weder aus der Staatskasse, noch aus irgend einer Centralkasse den israelitischen Gemeinden zum Bedarf ihrer Schule eine Beisteuer zufiießt, und die kleinsten unbemitteltsten Gemeinden ihrer Schullehrer aus eignen, oft sehr schwachen Mitteln, zu salariren haben, können dieselben bei ihren geringen Mitteln auf keinen tüchtigen zeitgemäß gebildeten Lehrer Anspruch machen, und werden Lehrer der besagten ersten Klasse fortdestehen. Wie ganz geeignet wäre die Errichtung von Conventen unter den israelitischen Lehrern, auch diese nicht gehörig befähigte Klasse von Lehrern in der Ausübung ihres würdigen Berufs zu unterstützen, ihren mangelhaften Kenntnissen, so viel nur möglich, nachzuhelfen, ihnen durch gehörige Erörterung die richtige Methode des Unterrichts, das, was für den Zugendunterricht paßt, und was der Schuljugend fremd bleiben muß, klar und deutlich zu zeigen? ihnen auf den Weg zu helfen, um selbst über den Standpunkt des Zugendlehrers, über den Standpunkt der Schule und des Unterrichtes, welcher er gegenwärtig ist, und welcher er sein sollte, Nachdenken zu können. (Forts, folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Italien. Triest, 1. Oct.1839. — Werseinen Geburtsort, ober dessen nächste Umgebung nie verlassen hat, wird so sehr ein Kind der Gewohnheit, baß die unbedeutendste Aenderung in der einmal bestehenden Derhaltungsweise, sein ganzes Wesen zu zerstören scheint. Ze enger der Kreis, in welchem einer lebt, desto engherziger sein Sinn; und desto schwerer wird es ihm, selbst von dem, was der Verstand mißbilligt, sich loszusagen. Wie sehr dies in religiöser Beziehung wahr sei, bedarf kaum eines Beweises. Die ärgsten Fanatiker sind gewöhnlich die Dorfbewohner, welche, ohne allen Unterricht, manche Uebungen für heilig halten, welche der in größcrn Städten Unterricktete, auch wenn er sic für richtig anerkennt, doch mit andern Augen betrachtet. Wer aber vollends verschiedene Länder besucht und die herrschende Mannigfaltigkeit wahrnimmt, muß erstaunen über bas Gewicht, das oft den geringsten Kleinigkeiten beigelegt wird, und welches man zum Nachtheile guter und zeitgemäßer Institutionen geltend macht. Billigerweisc sollten diejenigen, welchen es zusteht, über den Werth nützlicher Vorschläge zu entscheiden, und welche so häufig alles Bessere geradezu verwerfen, weil es neu und den herkömmlichen religiösen Gebräuchen entgegen sei, erst prüfen, ob dies wirklich der Fall ist, oder ob bloß örtliche Gewohnheit das Eine und das Andere festgeftellt habe. Bei den Israeliten ist dies um so eher zu berücksichtigen, als bestimmte Normen die Gebräuche ziemlich gleich machen, und die obwaltenden Verschiedenheiten keine Verketzerung bewirken. Schreiber dieses hat jetzt Gelegenheit, die italienischen Synagogen zu beobachten und zwar nicht die vom spanischen Ritus, wovon späterhin ein besonderer Bericht folgen soll, und erstaunt über die Gleichgültigkeit, mit welcher hier manche Uebung behandelt wird, über welche in Deutschland ernstlich gestritten wird. Zn Deutschland werden die sogenannten Neujahrstage und der Versöhnungstag mit erhöheter Feierlichkeit begangen. Die meisten Hausväter tragen beim Gebete Sterbekleider, die Gebete haben eine andere Melodie, bei'm Sündenbekenntnisse wird gegen die Brust geschlagen, man knieet

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