Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 45 (8.11.1839)
- Date
- 1839-11-08
- Page
- Seite 355 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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355 0= 1806), so daß es mir gelang, Tausende vortrefflicher, nachmals in gleiches Amt getretener, Schüler auszuftellen, und Gott sei Dank! edle Saaten und Religions-Erkenntniß weit über die Erde zu verbreiten; und daß unsre Gemeinde viele Gelehrte und Schriftkundige zählt, junge und alte, herrliche Frucht dem Heiligthum geweiht! Ihr habt eine Hochschule mit Weisheit, Einsicht und Verstand erhalten, die Last des heiligen Werkes mir auf eurer Schulter getragen, euch der Unterhaltung und Beköstigung der Schüler unterzogen, eure Kinder meiftentheils zur Gotteslehre angehalten! Seid glücklich und gedeihet, der Höchste mache ferner euren Namen groß und ruhmreich, und kein Ruhestörer komme je über euch. O, ich ersuche euch, lasset das Rabbinat nicht länger als höchstens zwei Jahre unbesetzt. Auch ernennt für dies Amt nur einen in Gottesfurcht und Religion anerkannten Gelehrten, welcher das Gesetz Mosis und Ravinas und Rab Aschi's (Thalmud) zu seinem Studium macht; der mit ketzerischen Schriften sich nicht befaßt. Er soll auch nie in der Volkssprache predigen! Ein solcher würde nicht lange leben, und wie ein Schatten verschwinden, der nicht Gott fürchtet! sondern reden soll er nur, wie ihr es von mir gehört habt, nach den Vorträgen und Lehrweisen unsrer Lehrer, gesegneten Andenkens! Auch soll er kein Ansehen erkennen und keine Bestechung annehmen, nicht einmal Bestechung in Worten! Ehrsucht und Stolz sollen von ihm fern bleiben; leutselig und demüthig soll er nur das Gesetz lehren. Die Thalmud-Thora-Anstalt und die Lehrart und Ordnung sollen unverändert bleiben! Wer daran niederzureißen wagt, werde selbst niedergerissen! Wer zu dessen Erhaltung beiträgt, den wird Gott erhalten und stärken! — Die Gebet - und Synagogenordnungen sollen ganz wie bisher in Ewigkeit bleiben, und niemand unterstehe sich am Gebäude, oder an der Gebetordnung, oder an dem Vor bet er amt etwas zu ändern; wer da abändert, dessen Angesicht wird verändert werden! (d. h. erblassen). Den Frommen aber wird keinerlei Uebel treffen! — Und du, o Herr, erhebe dein Volk Israel im Allgemeinen, und die Bewohner Preßburgs insbesondere, und verleihe ihnen Wohlstand und Ruhm und langes Leben in Gottesfurcht und Gesetz, bis der Erlöser kommt! Amen. Meine Töchter und Schwiegertöchter! Huret euch ja und ja, daß ihr nicht die leidige Sitte neuerer Zeiten mitmachet, offen und in kurzen Gewändern einherzugehen; niemals soll so etwas von Kindern meines Hauses - geschehen! Insbesondere seid gewarnt, nicht den sündhaften Frauen nachzuahmen, welche auch nur einHaupthaar blicken lassen. Selbst fremdes Haar zu tragen verbiete ich euch hiermit auf das Entschiedendste, und der Ewige wird euch Huld- und gnadenreich sein, und ihr werdet eure Kinder und Kindeskinder groß ziehen im Dienste Gottes und im Gesetz; wie uns der Ewige, unser Gott, befohlen hat! Der Ewige unser Gott sei mit uns und unfern Kindern in Ewigkeit. D. O. Meine wackern Söhne und geliebten Schüler hieselbft! Versäumet ja nicht den täglichen Besuch der Schule, und des Studiums im Vereine, mindestens zwölf Monate hindurch an den Tagen, an welchen der Vortrag im Thalmud mit allen Commentaren gehalten wird. Vornehmlich wünsche ich, daß mein Sohn, Abraham Samuel Benjamin den Vortrag hält und ihr ihm zuhöret! Möge es dir, Geber des Gesetzes, gepriesen sei dein Name, gefallen, daß der Quell nie versiege, und daß nie umgehauen werde der Baum, dessen Frucht ewiges Leben ist. Amen. II. Gedächtnißrede auf Joseph Perl gehalten im Wiener Tempel, von I. Mannheimer. -Und nun, meine Freuude, hätte ich noch ein Wort zu reden, um einem Hingeschiedenen in Israel ein Todtenopfer zu bringen, und ihm ein Ehrendenkmal und Gedächtniß zu stiften und zu gründen in Euerm Herzen. Es ist das Gedächtniß des nun seligen, in Gott ruhenden Kämpfers und Helden in Israel — Joseph Perl in Tarnopol u. s. w. Es dürfte Euch genügen, wenn ich Euch sage, daß er sein ganzes Leben seinem Volke geweihet, und darob von Kaisern, den beiden mächtigsten auf Erden, von allen Fürsten und Edeln im Lande geehrt ward. Der trug die Ehrenzeichen auf seiner Brust, die würden ihn aber hier nimmer ehren, so er nicht ein Herz getragen hätte in der Brust, voll Liebe und Treue für sein Volk. 45«