Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 45 (8.11.1839)
- Date
- 1839-11-08
- Page
- Seite 354 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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354 I. Des Preßburger Rabbiners, Moseh So pH er, letztes Wort. Mit der Hülfe Gottes, am Sten Wochentage (Donnerstag), den IS. Cislen 5587 (1836). Da der Mensch die Zeit nicht weiß, wie lange es ihm vergönnt sei, „für den Ewigen zu wirken," so sammelt immer mehr Erkenntniß in der Lehre Gottes, trm das Haus unsers Herrn zu erhöhen und dessen morsche Stellen zu befestigen! Ihr, meine Söhne und Töchter, Schwiegersöhne und Enkel und deren Kinder, — auf daß ihr lebet! Euer Sinn wende sich nicht dem bösen Wesen zu, und lasset euch niemals ein in die verderbliche Gemeinschaft mit den Uebelthätern, den Neuerungssüchtigen, welche um unsrer vielen Sünden willen (d. h. so viel als: leider!) sich von dem Ewigen und seinem Gesetze entfernt haben! Wohnet nicht in deren Nahe, und verbindet Euch mir ihnen auf keine Weise. Die Bücher des R. Mose aus Dessau (M. Mendelssohn!) rühret nicht an, dann wird euer Fuß nicht gleiten in Ewigkeit! Die ganze heilige Schrift mir Erklärung Raschi's, das Gesetz (Pentateuch) mit Erklärung Ramban's (Nachmamdes) ftudiret und lehret euren Kindern, denn dies ist die Hauptquelle der Religion, und dadurch erlangt ihr die höchste Weisheit. Solltet ihr auch versucht werden durch Hunger und Durst und Elend, der Ewige wird euch beschützen; haltet aus in der Versuchung und wendet euch nicht zu den Götzen, und auch nicht zu einem Gott eures Verstandes! Die Töchter mögen deutsche Bücher lesen, jedoch nur solche, die nach unsrer Weise, auf den Grund der Auslegungen unsrer Lehrer, seligen Andenkens, verfaßt sind, durchaus keine andern! — Haltet euren Fuß fern vom Theater, ganz und gar! Dies verbiete ich euch auf das Entschiedenste! Dann werdet ihr gewürdigt werden, zu schauen Gottes Wohlgefallen und Freude an seinen Kindern! Sollte der Herr euch mit Erdengütern segnen und beglücken, wie ich auf Gottes Hülfe vertrauend hoffe, so erhebt nicht euer Haupt in Stolz und Hoffahrt gegen irgend einen rechtlichen Menschen — behüte Gott! Wisset, daß wir Kinder Abrahams, Schüler Mosis, unsers Lehrers, gesegneten Andenkens, Diener des Königs David, sind. Unser Vater har gesprochen: „Ich bin Staub und Asche!" unser Lehrer hat gesprochen: „Was sind wir?" Unser König hat gesprochen: „Ich bin ein Wurm und nicht ein Mann!" Und der noch zu ermattende König wird stch offenbaren als „ein Armer, auf einem Esel reitend." Woher käme uns denn Stolz und Hoffahrt zu? Erstarkt und crkräftigt euch mit allem Fleiße in der Lehre Gottes und suchet die Menge zu belehren und Unterricht zu verbreiten. Dünkt ihr euch auch gering in euren Augen, lehret das Wenige, womit der Ewige euch begnadigt hat, aus allen Kräften, — jedoch mit dem innigsten Bewußtsein, daß darein sich keine andere Absicht mische, als zur Ehre Gottes zu wirken; — denn „kein Heuchler kommt vor sein Antlitz" — Seit gewarnt, nicht eure israelitischen Namen, Sprache und Kleidung— Gott bewahre — zu verändern, und eure Losung sei: „Jakob kam unverletzt^) nach Sichern." Sorget nicht, wenn ich euch nicht Vermögen oder Reichthum hinterlasse; denn der Vater der Waisen beschützt auch erbarmungsvoll die Vater- und Mutterlosen, und wird auch euch nicht verlassen! „Bei ihm ist keine Beschränktheit, mit vielem oder wenigem zu helfen!" — „Aus der Gotteslehre macht euch aber nicht eine Krone, oder gar ein Beilzum Broterwerbe!" Noch viel weniger, Gott behüte, benuzzer sie, um herumzuziehen und zu predigen für Geld,**) oder um wegen einer Stelle anzuhalten! Bei deinem Namen müsse man dich rufen, dann weift man dir die dir gebührende Stelle an, und giebt dir von dem deinigen (d. h. du verdienst, was man dir gewährt.) Niemals saget: „Die Zeiten haben sich geändert!" Wir haben einen alten Vater, gepriesen sei sein Name! der sich nie verändert hat, und nie verändern wird. So wird nichts Böses eintreffen, und wir werden von dem gesegnet, der ewig bleibt! (gez.) Mose Sopher aus Frankfurt a. M. Gottesfurcht bringe langes Leben und glückliche Jahre meiner innigft geliebten und trefflichen Gemeinde zu Preßburg, welche gekrönt ist und verherrlicht durch Verehrung und Erkenntniß Gottes; der Ewige segne euch aus dem Quell aller Segen! Ihr habt mich in der Lehre und in meinem Amte unterstützt, seit dem Beginn des Jahres 467 *) Dies ist nur im Hebräischen recht verständlich: eW sind die drei Anfangsbuchstaben von EL', **) Hier ist wieder ein unübersetzbares Wortspiel.