Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 45 (8.11.1839)
- Date
- 1839-11-08
- Page
- Seite 353 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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8. November. Nl" 45. 1838. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cnltur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. H e r a u s g e g e b e n von Dr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr.; man subscribirt bei allen lödl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Zur Geschichte der gegenwärtigen Bestrebungen. — DeS Preßburger Rabbiner», Moseh Sv über, letzte» Wort. — Gcdächtnißrede auf Joseph Perl. Briefwechsel über religiöse Zustände. — Ueber die Zweckmäßigkeit der Errichtung von Schulconventen unter den Israeliten. — Nachrichten und Correspondenzen: Triest; Mecklenburg-Schwerin; Württemberg. — Literatur. — Wohlthätigkeit. — Anzeigen. Zur Geschichte -er gegenwärtigen Bestrebungen. (Vorwort.) Wir übergeben hier unfern Lesern zwei Dokumente unsrer Zeit, welche die einander entgegenstehenden Richtungen in scharfen Umrissen vorführen. Sie knüpfen sich an zwei Persönlichkeiten, welche so eben ihre irdische Laufbahn nach vieljährigem Wirken beschlossen haben, beide die entschiedensten Vertreter jener Richtungen. MosehSopher und Joseph Perl, beide in unfern Blättern sowohl von der Lichtals Schattenseite bereits genugsam charakterisirt, sind heimgegangen; aber ihre Wirksamkeit läßt unvertilgbare Spuren zurück, welche der Geschichte angehören und eine Würdigung verdienen. Beide haben kräftig gearbeitet, nicht um leidigen Erwerb und um vergänglichen Glanz, sondern für das Wohl der unglücklichen Gemeinden, denen sie angehörten und vorstanden; beide ausgehend von ihrer tiefwurzelnden Ueberzeugung, beide geleitet von der möglichsten Reinheit und seltenen Kraft der Gesinnung, beide bisweilen durch einen zu starken Enthusiasmus die Gränzen ihrer Kräfte überschreitend, und zu Mißgriffen verleitet. Der Eine begeistert von der Idee, gegen alle Einwirkungen der Zeiten, das Prinzip der Stabilität festzuhalten und zu vertheidigen, opferte Lebensruhe und Zeit und Mühen zur Erreichung seines Zieles, wußte unzählig viele Geisteskräfte für seine Zwecke anzuregen und in Bewegung zu setzen, und vertrauete seinem patriarchalischen Ansehen so sehr, daß er weit über sein irdisches Dasein hinaus des Beistandes einer später» Nachwelt gewiß war, und seinen Segen und Fluch gegen den Wankelmuth zurücklassend, als ein hochgeehrter Ahnherr auf die nachkommende Zeit seinewahrhaft hierarchische, den Geist fesselnde Gewalt ausdehnt; der Andere mächtig ergriffen von dem Gedanken an eine besonnene, aller Starrheit und Trägheit des Herkommens einerseits und aller mystischen Verhüllung der menschlichen Irrungen andrerseits, die Stirn bietende Reform, setzte nickt minder sich's zur Lebensaufgabe, mit Aufopferung seiner Glücksgüter und aller Lebensfreuden, eine von den Verhältnissen geforderte Umwandelung zu erringen, und ging mit muthvollem Vertrauen an's Werk, mit unermüglicher Ausdauer Muster für die Nachwelt aufstellend, und dem lebendig fortschreitenden Geiste Saaten hinstreuend, deren Frucht er selbst nicht zu erleben hoffte, deren Gedeihen aber er mit Gewißheit voraussah. Der Eine hinterläßt uns in einem sehr schön hebräisch geschriebenen Letzten Worte ein unverkennbares Bild seines Geistes und Wollens, der Andere — durch polemische Schriften gegen die Mystiker bekannt—hat sich durch äußere Werke sprechendere Denkmale errichtet, welche von einer weisen und höchst humanen Regierung begünstigt und gefördert, nicht bloß dauerhaft begründet dastehen, sondern auf weitere Kreise ihren Einfluß verbreiten werden, und welche ihrem wahren Werthe nach von einem unsrer allgemein verehrten Geistli' chen in einer Gcdächtnißrede anschaulich dargestellt werden. Ersteres geben wir hier in möglichst getreuer Uebersetzung; *) das andere folgt wörtlich nach der Urschrift. — Beide verdienen diese Zusammenstellung um so mehr, als innere gegenseitige, wenn auch absichtslose, und nur durch die Idee selbst hervortretende, Beziehungen leicht wahrgenvmmen werden dürften. — *) Wenn sich Freunde dazu finden, wollen wir das Origiginal ebenfalls abdrucken lassen. —