Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 44 (1.11.1839)
- Date
- 1839-11-01
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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351 Und so möge denn die Verfasserin recht viel Gutes gestiftet haben, besonders aber allen denjenigen Damen, welche Kraft in sich fühlen,- für's Allgemeine etwas zu leisten, noch ferner mit schönem Beispiele vorleuchten, und ernste Theilnahme für innere und wahre Aufklärung anregen l Predigten, Confirmations-, Trau- und Schul- Einführungs - Reden von vr Mendel Heß, Großherz. Sachs. Weim. Eisenachschem Land- Rabbiner zu Stadt - Lengsfeldt. Erste Sammlung. Eisenach (Bärecke) 1839. XVI. und 193 S. 8. Der Verfasser dieser Predigten, unfern Lesern bereits durch die Ankündigung eines schon in'sLeben getretenen Monatsblattes— der Israelit des XIX. Jahrhunderts — bekannt, liefert hier eine Anzahl von Vorträgen, in welchen sich seine Ansicht offen und entschieden ausspricht. Ja, neben dem Wunsche, den Erbauung oder Muster Suchenden zu genügen, hat den Vf. noch besonders der Drang, seine Ideen klar und unumwunden einem größern Kreise zu eröffnen, zur Herausgabe derselben bestimmt. Bei der Halbheit und dem schillernden Zwielicht, in welchem viele durch den Druck herauskommende Kanzelvorträge sich halten, kann man es nur lobenswerth finden, daß ein Mann sich mit edelm Selbstbewußtsein zu einer Richtung bekennt, welche so viele ebenfalls für die wahre halten, ohne es aussprechcn zu wollen. Die Form dieser Reden bedurfte keiner Rechtfertigung. Sie sind in edeler populärer Sprache gehalten, und ohne Pedanterie gut disponirt; das Thema überall einfach und regelmäßig durchgeführt. In allen ist der Grundton die Erhebung des reinen Gemüthes und des sittlichen Wandels über die Heiligkeit äußerer Gebräuche, leichte Symbolisirung der letztern, und Erweckung eines kräftigen, jeder unnöthigen Absonderung widerstrebenden Bürgersinnes. — Einige Stücke sind einander zu ähnlich. — Diese Vorträge werden sich gewiß einer großen Verbreitung erfreuen! — si'L? znn oder Briefe eines jüdischen Gelehrten und Rabbinen über das Werk min rc. Nebst einer Abhandlung über die Möglichkeit einer Abschaffung bestehender Gebräuche im Judenthume vom orthodoxen Standpunkte. Herausgegeben durch M. S. Charbonah. Leipzig. 1839. Bei C. L. Fritzsche XII. 43 S. 8. Dieses pseudonvme Werk, welches sich den andern in der angeregten Polemik erschienenen Gegenschriften würdig anschließt, empfiehlt sich durch Ueberlegenheit des Geistes in der Behandlungsweise und gleichzeitig durch eine bis in's Kleinste eindringende Sachkenntniß und vollendet die Zurückweisung des Angreifers so entscheidend, daß mindestens jedes abermalige Auftreten desselben nicht mit einem solchen Gefühle der Unfehlbarkeit geschehen dürfte. Der Herausgeber läßt in der Einleitung ein kleines Gespräch vorangehen, welches die Wichtigkeit der Sache recht lebendig darstellt, und viele beherzigenswerthe Bemerkungen enthält; namentlich über so manche eigenthümliche Erscheinungen in der neuern Literatur. Die sieben Briefe aber, deren Letzter mit dem Namen ihres Verfassers (H. B. Fasset, ohne Zweifel Herr Hirsch Fasset, Rabbiner zu Prvßnitz*) *) Wir benutzen diese Gelegenheit, um zu unsrer Anzeige des Buches Kusari von vr. Brecher in Prvßnitz, Nr. 37. der Annalen, nachträglich zu bemerken, daß dieß Werk bei M. I. Landau gedruckt wird, aber des geistreichen Vf.'s eigener Verlag ist. — Das zweite Heft des Kusari enthält einen Brief des im Auffinden wichtiger literarischer Seltenheiten unermüdlichen Professors S. D. Luzzato aus Padua, an den Verfasser des neuen Eommentars, worin er über ein merkwürdiges Mscr. vom nfo, welches er besitzt, Nachricht giebt, auch einiges an dem ersten Hefte der Brecher'- unterzeichnet ist, verbreiten sich mit ruhiger Anerkennung alles dessen, was durch den Verfasser des Horeb geleistet ist, über den Inhalt seines Buches, immer weiter dessen schwache Seiten aufbeckend, so daß dasselbe offenbar einen bedeutenden Theil seines Gewichtes einbüßt, und der Vers, am Wenigsten berechtigt erscheint in seinen „Mittheilungen" so ganz schonungslos über Andere herzufallen, wenn gleich ihm objectiv die Richtigkeit vieler seiner Bemerkungen zugegeben wird. Der Verfasser der vorliegenden Briefe beweist überall mit großer Umsicht, wie der Vf. des Horeb durchaus nicht auf die eigentlichen Quellen zurückgegangen sei, sondern nur die Gesetzsammlungen kurz aufschreibe, und nicht einmal die verschiedenen Beziehungen der Verordnungen auf einander gehörig erwäge, woraus denn mancher Mißgriff und mancke Unrichtigkeit in seine Arbeit einfloß, die somit aufhört, selbst dem ganz streng alles Eeremoniel Beobachtenden als eine gesetzmäßige Richtschnur dienen zu können. Am Ende bleibt dem Werke nichts weiter, als eine gewisse Originalität der Idee, welche vom orthodoxen Standpunkte aus gern eingeräumt wird. Der siebente Brief giebt recht schöne und überall sehr beachtenswerthe Schlußbetrachtungen, welche wiederum, wie in unfern Annalen, wiederholentlich sowohl von Galizien als Ungarn und andern Ländern her gewünscht worden, auf die Nothwendigkeit der Errichtung guter Lehrer- und Rabbinen-Seminarien dringen, was in jenen zahlreichen Gemeinden leicht ausführbar wäre, wenn sich nur Annehmer fänden. Wir zweifeln nicht, daß von oben herab etwas zur Realisirung dieses Wunsches geschehen werde. Der Anhang liefert die Ansichten des Briefstellers über die Möglichkeit, manche bestehende Gebräuche ohne Benachtheiligung der Religion abzuschaffen. Sie sind in zehn Regeln vertheilt, welche den Grad der Verbindlichkeit der verschiedenen Gebräuche, nach ihrem Ursprünge und gewissen Zwecken ihrer Einführung rubricirt, bestimmen, woraus dann ihre Behandlungsweise sich ergiebt. Wie man auch über die Sache sonst denken möge, so muß man doch in diesem Büchlein einen Fortschritt erkennen, der aus einem klaren Bewußtsein hervorgeht, und folglich bei allen, die nach Verbesserung der gegenwärtigen Zustände streben, der größten Aufmerksamkeit würdig ist. Und somit empfehlen wir das Merkchen auch denen, welche mit den Resultaten nicht übereinstimmen, als ein Produkt gründlicher Sachkenntniß und einer sehr achtbaren Gesinnung. mwi ntc'ö m oder Jüdisch-Mosaischer Religionsunterricht für die israelitische Jugend. Ein für den öffentlichen, auch (für) Pnvat- und Selbstunterricht sich eignendes Lehrbuch der Hauprreligionswahrheiten und Lehren des Judenthums. Bearbeitet und auf dringendes Verlangen herausgegeben von Salomon Pleßner, Religionslehrer. Berlin 5599 (1838). B. L. Fernbach jun. XXXIV. 291. Was wir von dem Geiste der Predigten unsers Verfassers gesagt haben, gilt auch von diesem Lehrbuche. Viel geistiges und noch mehr gemüthliches Leben und Streben, zusammengeschichtetes Material in Menge, in zwölf Abschnitte zerlegt, theilweise gut durchschaulich geordnet, dann wieder bis zur Unkenntlichkeit überladen, viel Belesenheit, Anregung und Haschen uach Neuem und Auffallendem; dabei unverzeihliche Vernachlässigung der Elementarbegriffe, der geregelten Ausdrucksweise, und der Schule überhaupt. Schon die Vorrede liefert zu allem diesem zahlreiche Belege. Man lese nur die kurze Geschichte der in den letzten fünfzig Jahren erst zum Bedürfniß gewordenen Religionsbücher und dessen nähere Begründung, wobei denn auch bewiesen wird, daß die Aegypter alles, was sie mit dem Moschen Ausgabe berichtigt und erinnert. Wir machen unsre Leser auf diesen ^sehr interessanten Brief ganz besonders aufmerksam. D. H.