Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 44 (1.11.1839)
- Date
- 1839-11-01
- Page
- Seite 352 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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352 saismus Aehnliches haben, von Abraham und Mose erhielten, auch überhaupt verschiedene Beweise eigener ArtfXVin.) für die Göttlichkeit der mosaischen Lehre verkommen. Gesetzbeobachtung und Messiaslehre sind ihm die Grundpfeiler des Ganzen, jedoch nach seinen kabbalistisch-mysteriösen Auslegungen, in welche zugleich alle altern Legenden sich fügen müssen. Wir wollen darüber nickt mit ihm reckten, es sind Ansichten. Man muß dem Verfasser die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er S. xxm. ff. für die Pflege der religiösen Eigenthümlichkeiten sich auf eine sehr beherzigenswerthe Weise ausspricht, und selbst-in Hinsicht der Lehrweise gute Winke giebt. Dagegen wimmelt es von überladenen poetischen Redensarten und wiederum von Verstößen gegen die Elementarschule, z. B. m. Catechismen. IV. Chatechisiren. IX. Katechismus u. s. f. Solche Kleinigkeiten schaden dem Werke nicht geradezu, aber sie sollten in Büchern, die zum Unterrichte der Jugend verfaßt sind, sorgfältig vermieden werden. Völlig unbefriedigend erscheinen aber sogleich im ersten Abschnitte alle Fragen, sowohl der innern Wahrheit, als der Darstellung und Form nach. Da wird gelehrt, die Hauptabsicht Gottes bei der Schöpfung sei, den Menschen glückselig zu machen, und Gott habe dies bewiesen, (man sehe die Beweise), demnach ist Glückseligkeit der Zustand einer vollkommenen Zufriedenheit rc. Auch nicht ein Fünkchen Logik ist hier und in der ganzen Reihe der Fragen wahrzunehmen. Mitten in der Discussion wird auch Religion halb aus religare und halb aus religere („ überdenken, in sich gehen"?) hergcleitet. S. 6 und 7 sind wieder die Antworten auf 28 und die Frage 30 völlig uudeutsch. Der zweite Abschnitt, der Israelit, enthält die aus des Verfassers Ansichten folgenden Lehren genügend. Im dritten Abschnitt, die Zehngebote, finden fich wieder seltsame Erklärungen zu Fr. «1. In Fr. 64 wird Kip falsch, und in 66 vergeblich übertragen, und doch soll beides verschieden sein: Sehr zu tadeln ist aber Fr. 82 die Behauptung, daß „die Arbeitstage gleichsam unter dem Fluche liegen von dergleichen Begriffen sollte jeder seine Schüler und das betriebsame Volk ablenken. Der Fluch der Arbeit ist wahrlich ein größerer Segen, als der Segen der Sabbathruhe! Und wo steht denn, daß die 6 Arbeitstage dem Fluche unterliegen? Die Lehren zum siebenten Gebot sind auch mehr schädlich als nützlich. Sonst ist der Inhalt gut. Der vierte Abschnitt ist vollständig traditionell mit einer ungemein starken Lobrede auf den Thalmud (S. 43.44.) freilich unter der Bedingung, daß alles, was sinnlos erscheint, einen tief verborgenen Sinn habe; auch die Kabbalah wird hoch gepriesen. Zm fünften Abschnitt werden die dreizehn Glaubensartikel festgehalten und mit Beweisen, wieder in der eigenthümlichen Logik, gestützt. Uebrigens aber kommen hier sehr viele, mit Belesenheit übermäßig gespickte Lehren vor, welche den innern Kern der Religion recht vielseitig darstellen. Die zweite Hälfte des Buches beschäftigt ffck mit der Pflichtenlehre, sie bietet nicht viel neues dar, außer einer ungemeinen Anzahl gelehrter Noten. Im Allgemeinen hat das Buch den Vorzug einer großen Materialsammlung, deren Nachweise für die, welche die Quellen verstehen, sehr nützlich sein müssen. Alle an der Tradition streng festhaltende Israeliten finden an diesem Buche einen getreuen Führer. Lehrer müssen sich dessen mit Vorsicht bedienen. Zungen Leuten kann man es schwerlich mit Nutzen übergeben. Der Fleiß des Verfassers verdient ehrende Anerkennung; nur den reinern Ausdruck und correctern Periodenbau vermißt man gar zu oft, und Klarheit der Begriffe überall, wo nichts Positives da ist und Erörterungen eintreten. In j e So eben ist erschienen: Beleuchtung des Auerbach'schen Lehrbuches der Jsr. Religion; von Dr. Dt. Creizenach. Auf Kosten des Verfassers, bei welchem Partieen von 6 Exemplaren, zu fl. 1. zu haben sind. Einzelne Exemplare werden nicht abgegeben. Im Verlage von I. D. S a u e r l ä n d e r in Frankfurt a. M. ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu erhalten: Dritte umgearbeitete und vermehrte Auflage der hebräischen Fibel ,-oy. njnp d. i. erster Unterricht im Hebraisch-Lesen undUebersetzen, nach grammatischen Grundsätzen bearbeitet von L. Presburger, Lehrer an der israelitischen Bürgeru. Realschule zu Frankfurt a.M. 6gr. 24kr. Aufforderung. Zu Ostern 1840 ist die Stelle eines Landes- Rabbiners für die israelitischen Gemeinden in Mecklenburg-Schwerin zu besetzen. Diejenigen, welche sich um diese Stelle bewerben i g e n. wollen, haben sich binnen acht Wochen bei den Unterzeichneten Commissarien in portofreien Zuschriften zu melden und sich auszuweisen: 1) über ihren religiös-sittlichen Lebenswandel, 2) darüber, daß sie mit einer Hattorah versehen sind, 3) daß sie ein deutsches Gymnasium besucht, 4) auf der Universität dem Studium der Phylosophie obgelegen haben, 5) mit den Grundsätzen der Pädagogik bekannt sind, und 6) daß sie zum Vortrage geistlicher Reden in deutscher Sprache die erforderliche Tüchtigkeit besitzen, und von sämmtlichcn hierüber sprechenden Zeugnissen beglaubigte Abschriften beizubringen. Den Bewerbern wird, falls sie darauf antragen, ein Exemplar des Statuts für die kirchlichen Verhältnisse der hiesigen israelitischen Gemeinden zugeftcllt werden. Schwerin, den 14. October 1839. Die zur Anordnung der kirchlichen Verhältnisse der israelitischen Gemeinden in Mecklenburg-Schwerin allerhöchst bestellten Commissarien. Fl. F. Müller, Meyer, Dr. L. Marcus, Adv., Canzlciratb. Schutrath. ats Mitglied des israelitischen Oberraths. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.