Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 44 (1.11.1839)
- Date
- 1839-11-01
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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346 mit seiner langen ruhmvollen Laufbahn bekannt sind. Wünschenswerth ist aber eine solche, um seine vielfachen Verdienste zu würdigen, und seinen Ruhm bei der Nachwelt zu erhalten. Von seinen letzten Lebenstagen will ich hier noch einiges melden. Vor etwas mehr als 6 Monaten erkrankte er und mußte das Bette hüten. Im Sommer begab er sich nach Lemberg, um dort ärztliche Hülfe zu finden. Während dieser Leidenszeit vergaß er dennoch nicht, für seine Glaubensgenossen rhätig zu sein, vielmehr gab er sich alle mögliche Mühe, bei'm Gubernium die Genehmigung zu einem Handwerks-Institut zu erlangen. — Mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtete er das Verfahren des nunmehr ebenfalls verstorbenen Rabbiners, Jakob Ornftein, und den offenbaren Mißbrauch seiner Gewalt über die ihm Untergebenen. Da säumte er nicht, sich der Sache anzunehmen und bei'm Gubernium sich dahin zu verwenden, daß dem Rabbiner jede Macht-Uebung genommen ward, und er in der letzten Zeir nur dem Namen nach sein Amt bekleidete, in der Thar aber ganz außer Funktion gesetzt war. Als er sich wieder etwas besser befand, ging er nach Tarnopol zurück, allein bald darauf legte er sich abermals nieder, und sechs Wochen später war er dahin. Kurz vor seinem Tode hatte er die Ehre, daß Se. Kaiserl. Hoheit der Erzherzog Franz Carl, welcher durch Tarnopol reifte, einen aus seinem Gefolge zu ihm sandte, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen. Dieß beweist zugleich, wie sehr er in allgemeiner Achtung stand. Sein Leichenzug gab dies noch deutlicher zu erkennen. Alle Herren vom Kreisamte und vom Magistrat der Stadt erschienen in Galla, und eben so die Schullehrer und die Schüler und Schülerinnen, welche der Leiche bis zur Gruft folgten. Zwölf Männer trugen dieselbe, vor und hinter der Leiche gingen Polizeidiener mit blankem Säbel, um Ordnung zu erhalten, insbesondere aber um jedes Andrängen an die Leiche zu verhüten; — denn es hatte verlautet, daß einige von der Chasidimsekte nichts geringeres beabsichtigten (es ist schauderhaft, wie weit die fanatische Wuth führen kann!) als die Leichenträger zu stören und Unfug anzurichten! — Auf dem Friedhofe sprach Rapaport rührende Worte und alle Zuhörer wurden tief bewegt, und Thränen flössen reichlich. Er war in der That ein vortrefflicher Mann, wiewohl wir uns nicht verhehlen, und zu unserm Schmerze gestehen müssen, daß auch er seine Fehler hatte, und menschliche Unvollkommenheiten an sich trug. Zunächst ist zu bedauern, daß es ihm an geordneter Schulbildung gebräch, und er in keiner Sprache sich eigentlich gut und richtig ausdrückte; *) auch glich er fast in allen Beziehungen dem verewigten Jakobson, dessen Character die Annalen (Nr. 29 ff.) so scharf zeichnen; aber am Meisten ist zu beklagen, daß sein Eifer in den letzten Lebensjahren ihn in der That irre leitete. Seine jüngste Schrift pns jrra verdiente der Vergessenheit übergeben zu werden. In diesem Buche werden zum Theile harmlose und ruhige Personen ohne Grund angegriffen und dem Tadel preisgegeben, auch die Gallizier mit Unrecht öffentlich bloß gestellt, so daß er allgemeinen! Unwillen auf sich zog, und man ihn „haßte wegen seiner Träume und seiner Reden." — Daher hat denn auch sein Tod nicht den erwarteten Eindruck gemacht, und weniger Trauer erregt, als wir Anfangs vermutheten. Ja, wir haben selbst zu unserm Leidwesen hören müssen, daß seine früheren Verehrer jetzt sein Ableben als ein Glück betrachten. So hat sein Alter manches Werk seiner Jugend verdorben. Ja, seine Schrift hat das Volk um mehrere Stufen zurückgeworfen, indem es danach die Aufklärung beurtheilt und noch stärker zu vermeiden strebt! Nicht bloß das gemeine Gesindel der Chasidim, welche am Abend über seinem Grabe, (!) vom Branntwein berauscht, herumsprangen und in roher Freude über den Tod ihres Feindes, an diesem Ort des Friedens sich tummelten, sondern, wie gesagt, auch viele Beffergesinnte theilen die Ansicht, daß dies Buch besser nicht geschrieben wäre. — Welch eine sprechende Lehre, daß unsere sittliche Veredelung keincsweges durch Herabsetzung unschädlicher und stiller Menschen und gesuchtes Tadeln gewonnen wird! Nicht unbegründet dürfte die Besorgniß sein, *) So weit mag man wohl einverstanden sein. Doch kann man seinem p-ißE 11^2 nicht eine ungemeine schriftstellerische Gewandtheit und besonders den reichen Witz absprechen. Auch hat Herr I. P. uns vor zehn Jahren ein deutsches Mscr. übersandt, um solches zum Druck zu befördern, welches nicht schlecht geschrieben ist, obwohl wir aus Gründen, die er nachgehends billigte, seinem Wunsche nicht entsprachen. D. H.