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Israelitische Annalen · 1839-11-01 · Heft 44 (1.11.1839) · p. Seite 345

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 44 (1.11.1839)
Date
1839-11-01
Page
Seite 345 (sequence 1)
Language
German
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I. November. 1839 Nro 44. Israelitische Annalen. @;i ti Cenlralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Heraus gegeben von vr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr.; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen soliden Buchhandlungen. Schreiben aus Gallizien. — Die neuesten Gesetze betreffend die Prüfung israelitischer Schulamtscandidaten in den Niederlanden, von Dr. Oppenheim (Schluß). — Literarische und historische Analekten, von vr. Carmoly. — Nachrichten und Correspondenzen: Gallizien; Wien: München; Frankfurt am Main. — Literatur — Anzeigen. Schreiben aus Gallizien*) (K. October.) Joseph Perl. Die letzten Festtage sind uns in Trauertage verwandelt worden, denn der Tod entriß uns den edeln Joseph Perl, Direktor der von ihm gestifteten Schule zu Tarnopol, sein Lebensfaden ward abgeschnitten und seine Seele hat ihren irdischen Wohnsitz verlassen, und ist zum Himmel zurückgekehrt. Wir aber sehen ihr nach und seufzen! Groß ist unser Verlust! Die kommenden Tage werden es uns immer fühlbarer machen, welch ein hartes Loos uns betroffen hat, und wie sehr durch sein Hinscheiden Israel in unserm Lande verwaist ist; durch das Hinscheiden dieses allgemein hochgeachteten Mannes, welcher bei Fürsten und Großen der Erde in Ansehen stand, von ihnen mit Orden decorirt war, aber darum seine Glaubensgenossen nicht verließ, sondern sich ihrer vielmehr jeder Zeit annahm; dieses Joseph Perl, welcher für die Bildung seiner Glaubensbrüder unermüdlich arbeitete, und auf alle Weise bemüht war, die Schmach und Verachtung von ihnen abzuwälzcn; welchem es gelang, eine vortreffliche Schule zu errichten, wo die israelitische Jugend in gemeinnützigen Kenntnissen unterrichtet wird, und welcher unablässig darnach strebte, *) Aus dem Hebräischen übertragen. . auch eine Handwerks - und Kunstschule herzuftellen, was leider nicht zu Stande gekommen ist; dieses Joseph Perl, welcher immerfort leichte und einfache Volksschriften verfaßte, um den Unwissenden die Augen zu öffnen und sie insbesondere gegen den überhand nehmenden Pietismus der Chasidim zu beschützen, und vor der Verführung derselben zu warnen; und welcher endlich, als ihm von Seiten des Guberniums das Rabbinat von Tarnopol angetragen ward, dasselbe ablehnte, um die Stelle dem berühmten Rapaport übertragen zu lassen, auch diesem, auf seine Verwendung eingesetzten Rabbinen mit Rath und That zur Seite blieb, und die Jntriguen und Angriffe böswilliger Menschen zu vereiteln wußte. — Wahrlich, wir haben jetzt keinen, der, wie er, sich unsre Angelegenheiten zu Herzen nähme; der so, wie er, bereit wäre, immer mit gleichem Eifer unser Wohlsein zu befördern; der so, wie er, unerschrocken und muthig unsre Sache bei den Großen zu vertreten wagte! Mit ihm ist die That erstorben, denn es fehlt an Männern, die mit dem Willen die rechte Energie verbinden! Eine Lebensbeschreibung*) dieses seltenen Mannes zu liefern, muß ich andern überlassen, welche näher *) Wir vernehmen, daß er bereits in den Siebenzig war. Sein Geburtsjahr ist uns bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Er starb am 1. d. — D. H.

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