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Israelitische Annalen · 1839-10-25 · Heft 43 (25.10.1839) · p. Seite 341

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 43 (25.10.1839)
Date
1839-10-25
Page
Seite 341 (sequence 5)
Language
German
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341 Literarische Bemerkungen. Die in den Israel. Annalen Nr. 35. S. 186 erwähnte Rothschild'sche Handschrift ist ohne Zweifel ein Machsor aus Avignon. Die oberflächliche Vocalsetzung findet fich gleicherweise in einem Manuscript des 16ten Jahrhunderts, das in der gedachten Stadt geschrieben ist, und alle den Inhalt betreffende Angaben stimmen zu den Mittheilungen in meinem Aufsatze „Ritus der Synagoge von Avignon" (Allgem. Zeitung d. Iudenthums 1838. Nr. 144.147.151; 1839. Nr. 3. 12. 18. 20. 21. 30. 72. 75. u. ff.) äNose b. Jakob ist M. b. Esra: Das aramäische Gedicht zum Wochcnfeste ist NjnK, Kipn wovon ich die ersten Verse mitgetheilt; die Asharot sind die des R. Isaac Kimchi, genannt Petit aus Nions. Der Ortname 2X^12 ist Milhau, und außer dem erwähnten Immanuel b. Gab, nennen sich nach selbigem: R. Joseph, Gerichtsbeisitzer in Carpentras A. 1751, und der Dichter Mose b. Michael A. 1786. Zu unterscheiden ist 2N‘tas‘, Amilhau; daher: Saul 2nbl2Xl (ausAmilhau) A. 1305, s. n\s:p nmQ S. 66. Auch gehört unstreitig dorthin der Autor Abraham A. 1391, den de Rosst (ad cod. 623) Amilabi nennt. — Eine weitere Untersuchung über jenes geschriebene Machsor wäre immer zu wünschen. _ Zunz. Nachrichten und Correspondenzen. Paris. — Hier wird eine Zeitschrift vorbereitet, die unter dem Titel Aieliive d68 Fran^-ais Israelites herauskommen soll. Man will durch gediegene Belehrung auf die Bildung der Israeliten und Belebung des Gemeingeistes hsnwirken. — Gallizien, 13. Septemb. — Von jeher finde ich den größten Genuß im Studium der Geschichte und um so dankbarer erkenne ick die Verdienste der israelitischen Gelehrten, welche sich abmühen, so manche verlorene Notiz wieder auszuspüren, Männer, die man völlig vergessen hatte, der Geschichte wieder geben, und dadurch nicht bloß den Todten die ihnen gebührende Ehre verschaffen, sondern auch den Lebenden fruchtbare Beispiele und anregende Vorbilder aufstellen, und gleichzeitig auch den Nicht-Israeliten darthun, daß selbst das schrecklichste Elend und dle bittersten Verfolgungen uns doch nicht aus dem Gebiete der Wissenschaft verdrängen konnten, vielmehr jede Zeit noch immer tüchtige Geister aufzuweisen hat, welche Kenntniß und tugendhafte Gesinnung aufrecht zu halten wußten. Heil daher allen denen, welche sich um die Israelitische Gesammt-Geschichte verdient gemacht haben, und Heil auch denen, welche fortwährend merkwürdige Einzelheiten aus dem Staube heraufwühlen, alte Handschriften entziffern, und den Schatz unsrer Kenntnisse bereichernd, in die dunkelsten Theile der Geschichte immer mehr Licht bringen; ihr Verdienst ist um so größer, als nur wenige dasselbe recht zu würdigen wissen. Dies Lob trifft besonders die Analekten des Herrn vr. Carmoly, welche schon jetzt ungemein viel Interessantes geliefert haben. Die einzige Notiz über den Pseudo-Iosephus ist schon von hohem Werthe. Haben wir doch bisher darüber so wenig Gediegenes vernommen, daß selbst der Verf. des Werkes nTiyri (S. 44) noch wie aus dem Schlafe über den Iosippon ipricht. Bei aller Anerkennung aber kann ich doch nicht umhin, einiges zu bemerken, was Herrn vr. Carmoly's Aufmerksamkeit entgangen zu sein scheint. Bei der Darstellung der Familie Saken (Nr. 28. der Annalen) war Rapaport's Kalir Anmerkung 19 und Zusatz mit beachtenswerth, zumal beide Forscher % mehreren Stücken übereinstimmen. Nachrichten über die Israeli (Nr. 23) finden sich schon in Jedidja II. Heft 3, auch in obigem Werke S. 129 im Auszuge. Auch wäre der Fehler des Schalsch. hakk. zu erinnern gewesen, daß nämlich im Jesod Olarn IV. 18 ein Comm. von ihm auf niDO '02 erwähnt sei, was durchaus nicht wahr ist; während andrerseits der Brief des Bedrassi erzählt, Israeli habe einen Commentar zum Buche Iezira verfaßt. (Die andern Erinnerungen hat Herr vr. Carmoly bereits selbst in Annalen 39 berichtigt.) Uebngens möge Gottes Segen das Wirken solcher Forscher belohnen rc. Wien, 28. September. — Auch der hier nächst dem neuen Bethause für sich bestehende sogenannte polnische Ritus, der sich hauptsächlich in der Hinsicht von jenem unterscheidet, daß er alle dem grauen orthodoren Aktenhume angehörenden, der Weihe des Owtes und dessen Bestimmung schädlichen Mißbräuche und Abnormitäten beibehalrend, jenem zum Folio, zur Schattenseite dienet, hat auf die Anregung und das Ansehen des schon um die Begründung und Organisation des deutschen Bethauses und der damit verbundenen Religionsschule so hochverdienten Herrn K. K. Hofjuweliers M. L. Biedermann, erstem Vertreter der Israelitengemeinde zu Wien, einer zeitgemäßen Reform fich unterziehen müssen, welche bereits mit dem lüngst eingetretenen neuen Jahre ihren Anfang genommen. Ueber die wegen dieses so hoch an der Zeit gewesenen Schrittes erhobenen Klagen und das Zeterschreien einiger obscuranten, meistens zur ChaßidimSecte sich zählenden Polen, über die frühere empörende Unordnung und irreguläre Mißgestaltungen, über die bisherige eigenmächtige rechnungslose pecuniäre Verwaltung jener Synagoge wollen wir anmit ohne fernere Anregung den Mantel der Menschenliebe und den Schleier nachsichtiger Diskretion gezogen haben! Genug, seitdem der würdige Herr M. L- Biedermann dieses Bethaus unter sein Protektorat genommen — mit der feierlichen Angelobung, Falls die Ausgaben die Einkünfte übersteigen sollten, das Deficit und den Zuschuß, so viel der Betrag auch übrigens sein möge, aus eigenen Mitteln zuzusteuern — hat das ganze Getriebe dieses Bethausks, sowohl dem Innern als dem Aeußern nach, einen erfreulichen Umschwung genommen, der für die Folge das gänzliche Hiuschwinden und Auflösen der Scheidewand zu bewirken verspricht und mit begründeter Hoffnung erwarten läßt. Manches Verworrene, Feier und Andacht Störende ist bereits — versteht sich, nicht ohne Kampf — abgeschafft worden, und sogar manche der streitsüchtigsten Rabbulisten sind schon zu beycrer Einsicht und zu dankbarer Anerkennung des geschehenen Guten gelangt und zurückgekehrt. Zu Vorstehern dieses Bethauses sind der würdige Rabbiner Herr L. Horowitz und Herr Herrmann Dukes (Vater des bekannten Literaten L. Dukes) ernannt und eingesetzt, ein Mann, der nächst dem bekannten Hrn. Rabbiner, mit voller Energie, rüstiger Thatkraft und 'selbstaufopferndem Eifer sich verdienstlich dieses heiligen Geschäftes annimmt und von dem man in diesem Gebiete in jeder Hinsicht Leistungen erwarten darf, die den Anforderungen der Zeit völlig entsprechen. Auch hat der benannte hochverdiente Herr M. L. Biedermann durch ein, an seinem jüngst gefeierten siebzigsten Geburtstage erlassenes Circulär ausss Neue einen schönen Beweis seines edeln Herzens und seiner, bas allgemeine Wohl väterlich befördernden Gesinnung an den Tag gelegt, durch welches er die Stiftung einer Waisenversorgungsanstalt für die Israelitengemeinde zu Wien beabsichtiget und zu deren Urfondation er 7000 fl. Conv. Münze nicderlegte. Wir theilen dasselbe wörtlich mit: „ An die hier tolerirten israelitischen Einwohner und die hier domicilirenden israelitischen Fabrik-Inbaber! „ Bei Gelegenheit der Feier meines 70jährigen Geburtstages fühlte ich mich nebst der innigsten Verpflichtung gegen Gott auch zu einem Rückblicke auf meine Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde, der ich seit 34 Jahren als „„Vertreter und Repräsentant"" vorzustehen die Ehre habe, veranlaßt und verpflichtet.

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