Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 42 (17.10.1839)
- Date
- 1839-10-17
- Page
- Seite 332 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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332 wären, die Offenbarung als einen theoretischen Unterricht anstatt als eine practische Disciplin zu betrachten) macht auch deutlich, daß Gott den Israeliten nicht offenbaren konnte, ihre Erwählung sei nur Mittel, nickt Selbstzweck. Wie hätte sich der so nothwendige Nationalstolz bilden und erhalten können, wenn Gott ihnen sogleich erklärt hätte, er erwähle sie nur zum Wohl des ganzen Menschengeschlechts'^ Es ergiebt sich schon hieraus, daß es gar nicht nöthig sei, daß wir überall begreifen, auf welche Weise die von Gott über das hebräische Volk verfügten Bestimmungen zur Verwirklichung des letzten Zweckes derselben dienen mögen. Die Ceremonialgesetze waren, sind und werden stets sein Maßregeln, welche dahin Mitwirken, daß die Lehre Abrahams auf Erden erhalten werde, und daß diese stets ein priesterliches Volk habe. Auf welche Weise einst diese Lehre sich verallgemeinern werde, und welchen Antheil das priesterliche Volk bei Hervorbringung dieser Wirkung haben werbe, das weiß die Vorsehung. Wozu brauchen wir das auch zu wissen? Ich bin rc. Marmonides und feine Zeitgenoffen. Von vr. Carmoly. (Fortsetzung.) Dritter Abschnitt. Maimonides zum Islam gezwungen. (Schluß.) Der weitere Inhalt des Briefes, welcher nickt wohl in's Deutsche zu übertragen ist, erinnert an die weit billigere Denkart der ältern Lehrer, welche unter andern sagen, es sei an Mose strafbar befunden worden, daß er die Gläubigkeit der Israeliten (obwohl diese nicht einmal im Abrahamitischen Bunde erzogen waren) zu bezweifeln gewagt hatte (Exod. IV. 1), und daß er darüber den Verweis (Num. x 12) erhalten habe, indem man nicht berechtigt fei. Andere zu verdächtigen. Eben so sei es am Eliah, dessen Zeitgenossen bis auf wenige (7000) sich ganz und gar dem Götzendienst ergeben hatten, gerügt worden, daß er Israel der Ausartung beschuldigt habe, die nur durch das Beispiel der Umgebung so sehr um sich gegriffen hatte (cf. Medr. Chasitli.). Nicht minder habe Iesaiah sich Strafe zugezogen, weil er die in seiner Zeit wirklich weit eingerissene Unsittlichkeit und Derderbniß aller Art öfters dem Volke als Ganzem zur Last legte. Selbst der Engel, welcher dl.» Iosua B. Jvzadak deßwegen, weil seine Söhne Frauen gebeirathet hatten, durch welche sie zum Priesterbienste unfähig wurden, an klagte, habe (Zach. III. 1) sich einen starken Tadel zugezogen. „Wenn nun, fährt er fort, die größten Geister der Vorzeit, Mose, Eliah, Jesaja und selbst Engel über einige gegen Israel erhobene Anklagen strafbar befunden worden, wie vielmehr muß ein unbedeutender Mann, welcher sich herausnimmt, ganze Gemeinden Israels, Weise und Schüler, Priester und Leviten, so schwer zu beschuldigen, und sie Me Abtrünnige und Bösewichte zu nennen, als Heiden, zu Zeugniß Ungültige und Gottesläugner zu bezeichnen, und alles das niederzuschreiben, strafbar erscheinen? Zumal alle diese nicht wegen Vergnügen und Lebensgenuß sich von Gott adgewendet, und nicht um irdischer Würden und zeitlicher Güter willen das Gesetz verlassen haben, sondern nur wegen des blitzenden Schwertes, des gespannten Bogens, der unausweichlichen Verfolgung? Weiß dieser Mensch etwa nickt, daß sie keinesweges aus freien Stücken abgefallen sind und Gott nicht verlassen haben? — Es ist bekannt, daß R. Meir (einer der größten Lehrer im Thalmud) in der Verfolgungszeit einst ergriffen und von seinen Bekannten nach seinem Namen befragt, sich verläugnete, und auf ihr Andringen sogar Schweinefleisch in den Mund nahm. Demnach ist wohl R. Meir bei diesem Frömmler, der allein das Gesetz versteht, ein Heide; denn er schreibt ja: wer öffentlich ein Heide ist und im Geheimen ein Israelit, der gilt für einen Heiden! — Ja R. Elieser wurde sogar für einen Ketzer (Heretiker) gehalten, was weit ärger ist, als Götzendiener; denn die Ketzer spotten über die Gesetze, und halten Jeden für thöricht und verrückt, der sich damit abgiedt, und erklären die Propheten für unwahr; dennoch stand R. E. bei den Sectirern in höchster Achtung, wegen seiner großen Gelehrsamkeit, und ließ ne in der Meinung, daß er ihren Glauben billige (Medr. Koheleth). Ohne Zweifel ist diesem Heiligen auch R. E. zu jedem Zeugniß ungültig. „In der jetzt herrschenden Verfolgung übrigens stellen wir uns gar nicht, als wären wir Götzendiener, sondern bloß, als nähmen wir ihre (der Moslemen) Behauptung an, obwohl sie alle wohl wissen, daß wir ihren Glauben nicht anerkennen. Wir thun, was ganz Israel, mit Ausnahme der drei Männer unter Nebucadnezar zu Babylon thatcn; und doch sagt Gott von Israel: „„Noch wird Jakob nicht zu Schanden und sein Angesicht nicht düster!"" — Obgleich selbst die Vornehmsten in Israel, wenn sie damals in Babylon waren, sich vor dem Bilde beugten, so hat doch Niemand sie damals Bösewichte, ober Heiden, oder zu Zeugniß Unfähige genannt, und der Herr, gepriesen sei sein Name! hat es ihnen nicht zur Sünde angerechnet, weil sie gezwungen waren.Dieser Mensch beschuldigt wohl gar den Höchsten. Wehe dem, welcher mit seinem Bildner hadert, u. s. w. „ Begannt ist auch, was den Israeliten unter der Griechischen (Seleucidischen) Herrschaft begegnete, wo unter den vielen harten Gesetzen auch verordnet ward, daß keiner seine Hausthüre zuschließen dürfe, damit man sich jeden Augenblick überzeugen könne, baß Niemand sich mit den Gesetzen beschäftige. Darum aber heißen alle jene nicht Heiden und Bösewichte, sondern vielmehr ächt Fromme, für deren Wohlsein gebetet ward, ja sogar ein bestimmtes Gebet eingeschoben wurde (□’Cjn h'fi- „ Wir haben einmal gleich anfangs uns dahin erklärt, nicht alle die Ungebührlichkeiten jenes Schreibers zu erwähnen, sonst würbe ich sie dir hersetzen, und du solltest dich wundern, wie Jemand sich so sehr vergessen kann, dergleichen niederzuschreiben, und zwar als Antwort auf eine Frage von ganz anderm Inhalt; denn er spricht darum von hunderterlei Gesetzen, als ob der Fragende ihn um ein Eompendium der Gesetze gebeten hätte. Unter andern erzählt er auch, daß die Ismaeliten (Moslemen) einen Götzen in Mecea haben, als ob jener ihn gefragt hätte, ob er nach Mecca wallfahrten dürfe? auch daß der Verrückte (Mubammed) 52,000 Juden erschlagen habe, als ob der Fragende von ihm zu wissen begehrte, ob er am andern Leben Antheil haben werde? „ In Wahrheit hätte der Mensch erst Salomo's Worte: „„Uebcreile deinen Mund nicht, und dein Herz eile nickt Worte vor Gott auszusprechen re."" erwägen sollen; denn in diesem Fall hätte er wohl eingesehcn, daß er mit seinem Urthcile in so wichtigen Dingen vor Gott stehe, und hätte nicht solche Fehlgriffe gethan. Der Höchste aber weiß, baß wir noch weit ärgere Lästerungen und heftigere Reben nicht berichtigt haben würden, wir auch auf keine Art von Andern Beistand verlangen; wir hätten vielmehr die Schmähung hingenommen und gedacht, wir haben dies verdient, denn wir haben gegen Gott gesündigt; und ihn hätte es in unfern Augen höher gestellt, denn wir hätten gedacht: Seine Absicht ist edel. Wir verkennen uns selbst nicht, und hätten uns gar nicht verletzt gefühlt, hätte er nicht ein Buch geschrieben; so aber dürfen wir nicht nachlässig schweigen, sondern es ist Pflicht, seine Irrungen und Lügen aufzudecken. Und jeder Denkende möge selbst lesen und urtheilen!"