Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 41 (11.10.1839)
- Date
- 1839-10-11
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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327 In Tunis unterhält ein reicher Mann, das Oberhaupt der jüdischen Goldschmiede, eine thalmudische Schule auf eigene Kosten. In derselben sind stets zehn junge Männer, welche ganz und gar ihren Bedarf aus der Anstalt beziehen, und wenn sie sich verheirathen, auch für ihre Familie Unterhalt empfangen. — Wahrlich, eine Warme für religiöse und wissenschaftliche Interessen, wie man sie in Europa fast nicht mehr findet. Zur 56sten Secularfeier der israelitischen Aera der Welt ist in Cöln ein recht sinnvolles Tableau in großem Format bei I. E. Renard erschienen, entworfen und lithographirt von v. Levy El kan daselbst, auf welches wir unsre Leser hiemit aufmerksam machen. Das Ganze giebt eine Ansicht der wichtigsten Momente der biblischen und israelitischen Geschichte, welche in den untergesetzten, antik gehaltenen Versen mit Worten ausgedrückt werden. Diese Ansicht wird oberhalb von einem Halbbogen begränzt, über welchem eine Tafel sich befindet, auf derem oberstem auf zwei Säulen ruhendem Sims die Iahrzahl 5600 in hebräischer Sprache steht, und in deren Felde mit Lapidarschrift die Worte: Gedenktafel zur Sechs und fünfzigsten Secularfeier der Erschaffung der Welt. Am ersten Tischri Allen Israelitischen Gemeinden gewidmet. Zu beiden Seiten der Tafel sieht man die Figuren Davids (rechts) und Salomo's (links) und in den Winkeln zu beiden Seiten des Halbbogens, je ein Bibelvers, in welchem ein Wort in Buchstabenzahlen die Iahrzahl 600 ausdrückt. Die deutschen Verse unter dem Ganzen beschreiben den Inhalt in angemessenem Styl. Ungarn. — Ein anderes Schreiben, aus Ungarn vom j 15. Sept. beweist uns, daß in diesem Lande, wie seit einem hal-! den Jahrhunderte in Oesterreich überhaupt, die wichtigsten Der-! besserungen aus dem bessern Erziehungswesen hervorgehen. > DieNormalschulen haben ungemein viel geleistet, und mit Recht verwenden die einsichtsvollen Vorstände weit mehr Aufmerksamkeit auf die Anstalten, als auf die Radbinate, welche selbst erst eine Frucht des zweckmäßigem Unterrichts sein werden. | Außer den großem Schulen zu Pesth und Preßburg werden! immer mehr gute Schulen eingerichtet. In steigender Blüthe I steht jetzt die zu Gr. Canischa, wo vor 80 Jahren nur wenige Familien gewohnt hatten, jetzt aber die Gemeinde 220 Familien zählt. Ehemals und insbefvnbere ums Jahr 1760, waren die wenigen Hausväter unter sich in vielen Beziehungen uneinig; das Band der Religion sogar muß sehr locker gewesen sein, wie aus der einen Thatsache zu entnehmen ist, daß der mit der Gemeinde zerfallene Rabbiner, den unerhörten Schritt that, daß er zur christlichen Kirche übertrat. Vielleicht war dies jedoch Wirkung oder Ursache einer nicht allzustärken Absonderung der dasigen israelitischen Familien von der übrigen civilisirten Welt, mindestens ist so viel gewiß, baß man hier im Allgemeinen klarer denkt, und keinem Aberglauben Raum gestattet. Selbst die strengsten Anhänger der Formen wissen Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Die hiesige Normalschule für Knaben, welche 1832 in's Leben trat, besteht aus einer Elementarklasse und drei höheren Elassen. Die Schülerzahl beträgt 112, welche von 5 Lehrern unterrichtet werden. Geleitet wird das Ganze von einer Schuleommission, an deren Spitze Herr Dr. Horschetzgy, ein äußerst gebildeter und geachteter Mann steht. Der Unterricht erstreckt sich über Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen, Deutsche Sprache und Styl, Geographie, Geschichte; Hebräische Bibel; — in der ersten (untern) Classe wird das Peter-Beer'sche Toldoth Israel (ein Auszug aus der Bibel, hebräisch und deutsch) gelesen. Man geht bereits damit um, eine vierte Classe für Buchhalten, Geometrie, Physik, Naturgeschichte und Zeichnen zu errichten. — Vom 11. bis 15. September c. fand die öffentliche Prüfung statt, welcher der Gymnasial-Direetor und zwei Professoren beiwohnten. Die Leistungen entsprachen allen gerechten Anforderungen, zum Theil diese übertreffend. Sehr zu bedauern ist, daß es noch nicht gelingt, an demselben Orte eine Mädcben-Schule zu errichten. Bei dem vortrefflichen Sinn der Gemeinde, und der allgemeinen Empfänglichkeit für bessere Erkenntniß und zeitgemäße Bildung ist jedoch nicht zu bezweifeln, daß dieselbe auch hierin andern mit schönem Beispiele vorangehen werde. Literatur. ITYPn rßltf Sapha berura, oder die geläuterte Sprache, von R. Abraham Ebn Esra. — Nach einem handschriftlichen Ex. in d. K. Hof- und Staatsbibliothek zu München, kritisch bearbeitet und mit einem Commentar nebft Einleitung versehen von Dr. Gabriel Lippmann. Fürth. 1839. (Müller'sche Buchhandl. zu Fulda) 45 Bl. in 8., nebft 5 Bl. Anhang, eine Abhandlung über die Unächtheit des Targum Jonathan zum Pentateuch, und 2 Bl. Erklärung eines Rathsels des E. E. auf die Buchstaben p* — Der Herausgeber dieses Werkes hat bereits seinen Beruf zu dergleichen Arbeiten durch die Herausgabe zweier andern Schriften desselben Verfassers; nämlich 1837 und 5 qtyn (welches früher nie gedruckt war) 1831; auf's Ruhm- I Uchfte beurkundet; beide sind durch die öffentlichen Blätter i genügend bekannt. Die Einleitung giebt erst eine Uebersicht ' der grammatischen Schriften des E. E., deren kritische Beleuchtung sich indeß Herr L. für eine Gesammtarbeit über E. E. vorbehält; dann folgt eine Erörterung über Namen, Aechtheit, Zeit der Abfassung; (dieser Paragraph ist nicht gehörig revidirt; es heißt da: Nach Angabe der (des) Herren (rn) de Rossi — der unser Werk handschriftlich besitzt (?), soll heißen: welches sich in der Bibliothek des de R. zu Parma befindet — und Carmuly " i. e. Carmoly, so auch schon tz. 2 — §.4 Editionen (auch hier ist einiges am Schluffe unklar.) tz.5. erwähnt noch 5 gleichbetitelte Werke zur Verhütung eines Irrthums. §. 6. giebt eine Uebersicht des Inhaltes. Zu Anfänge wäre auch hier mehr Deutlichkeit zu wünschen; denn erst heißt es: der Vf. läßt bei allen seinen Werken ein Einleitungsgedichtchen vorangehen, in welchem, wie gewöhnlich" u. s. w., und in der Anm. dazu, „welches E.E. bei vielen s. Schr. beobachtete;" auch sind die Anmerkungen S. 16 u. 18 alle sehr übereilt hingeschrieben, und incorrect; sonst aber ist die Uebersicht klar. Die Charakteristik in §. 7 konnte etwas bestimmter angegeben werden; sie ist zu kurz, um mehr zu sagen, als daß das Werk Fehler und Widersprüche enthält, doch aber seine Verdienste hat. Wir bemerken hier, daß der Herausgeber dem hebräischen Style weit mehr Fleiß gewidmet hat, als dem Deutschen, und man ihm die Mängel des letztem Nachsehen muß. Zu verlangen ist indeß die möglichste Sorgfalt im Ausdruck. Den hebräischen Tert des Originals begleitet der Herausgeber mit einem hebräischen, große .Gelehrsamkeit und Belesenheit entwickelnden Commentar, in welchem er auch den Tert kritisch beleuchtet, und die Fehler des Dfs. aufdeckt, z. B. Bl. 7. 2 und 8. 2, 9. 10 u. s. w. — In das Einzelne einzugehen, erlaubt uns der Raum hier nicht. So viel aber dürfen wir versichern, daß der Commentar überaus lehrreich ist, und nicht bloß den Tert erklärt, sondern sehr viel Interessantes und neuere Irrlhümer Berichtigendes hinzufügt. (Z. B. S. 16.) Gänzlich unangemessen