Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 41 (11.10.1839)
- Date
- 1839-10-11
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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325 genstände auf unsre Sinne hervorgehen; moralische hingegen die Gefühle, welche aus Gedanken und Vorstellungen unseres Geistes, der Grund sei welcher er wolle, entstehen. Ich esse eine Fracht, die Art der Berührung erzeugt sogleich das Gefühl des Geschmacks, ich gehe an's Feuer, dessen Thätigkeit erzeugt in mir sogleich das Gefühl der Wärme; das ist physisch. Ich höre das Geschrei eines Menschen, welcher herbe Schmerzen empfindet, und ich habe durch das Gehör eine Empfindung, in so weit ist sie physisch; aber das Geschrei erregt in mir die Vorstellung, daß jemand leidet, und diese Vorstellung afficirt mich unwillkührlich; das ist moralische Empfindung! Ich höre einen reden, das ist physisch, aber er spricht eine Sprache, die ich verstehe, und feine Worte beweisen, daß er mich achtet; diese Vorstellung, daß ich von ihm (den ich vielleicht nicht kenne) geachtet bin, afficirt mich angenehm. Das ist moralische Empfindung.— Uebrigens können die Gefühle auch ohne unmittelbaren Eindruck der äußern Gegenstände angeregt werden, nämlich bloß durch Gedächtniß und Ideenverbinduug. Denn Vergnügen und Schmerzen, erzeugt durch die Erinnerung eines schon früher gehabten Gefühles, oder durch die Einbildung eines kommenden, werden von uns so gedacht, wie sie entstehen, nämlich als physische. Ich nenne diese: geistige Reproductionen der Gefühle, und glaube, daß man sie, obwohl sie geistiger Natur sind, doch von den moralischen unterscheiden müsse, welche niemals physische Gefühle waren. Die moralischen Gefühle sind zweierlei: Ehrgefühl und Mitleid (Sympathie, Pietät, Wohlwollen.) Der Instinkte sind zwei: Antrieb zum Thun und zum Begehren (Lieben.) Sowohl jene beiden, wie diese, machen, daß der Mensch sein Vergnügen in dem Vergnügen anderer findet, und leiten ihn zu uneigennützigen Handlungen. Dies ist das Ergebniß meiner langen Untersuchungen über den Menschen, welche ich in einem noch ungedruckten Saggio d’Antropologia näher entwickelt habe. Mit Ihrem Grundsätze- (s. oben) huldigen Sie dem Egoismus. Denken wir uns einen Reichen, welcher die Wissenschaft liebt; wendet all seinen Ueberfluß, seine Zeit und Mühen auf Entwickelung und Vervollkommnung seiner Seelenkräfte an; wird nun nicht jedes zu Gunsten seiner Pflichten und für die Unglücklichen verwendete Theilchen seines Vermögens, seiner Zeit und Mühen, seiner Vervollkommnung geraubt sein? Freilich, fügen Sie scheinbar hinzu: „Sich selbst zu veredeln!" Aber wie soll ich denn wissen, was mich adelt? Kann die Thorheit mich veredeln? Und ist es — nach diesem System — nicht eine Thorheit, Gutes zu thun ohne Lohn, um fremde Vervollkommnung zum Nachtheil der eignen sich zu bekümmern? Wahrlich, ohne Gott, Vorsehung und künftiges Leben (d. h. ohne Vergelter und Vergeltung) ist die Menschenliebe nur eine Schwachheit (wie Mendelssohn im ersten Theil seines Jerusalem sagt), und homo qui ex dicfcanime rationis vivit, conatur, quantum potent, efficere, ne commiseratione tangatur, sagt Spinoza (Ethices P. IV. Propos. L. coroll.) Das ist die schöne Frucht der griechischen Philosophie! Ich sage griechisch, weil besonders die Stoiker lehrten, alle Affekte des Gemüthes zu verachten, und fordern, daß der Weise nicht fühle und den Verstand über die Empfindungen herrschen lasse. Urtheilen Sie nun, ob ich in meinem hebräischen Gedichtchen |*-\\‘ *yn, Recht tjatte, ben Attizismus (die athenischen Lehren) zu bestreiteu, und das Iudenthum über dieselben zu stellen. (Schluß folgt.) Maimonidps und feirreZeLtgerroffen. Von vr. Carmoly. (Fortsetzung.) Dritter Abschnitt. Maimonides zum Islam gezwungen. Eine entsetzliche Verfolgung trat nämlich ein: Mohamed ben Tomrut, genannt Abd Al Mumen, König über Afrika und Spanien, erließ den Befehl, daß alle Bewohner seines Reiches sich zum Islam bekennen sollten; mit Androhung, jeden Widerstrebenden aus dem Lande zu jagen. Dieser Regent war ein Fanatiker. Schon im I. 91)4 (1144) als er in Spanien eindrang und das Reich der Mohadier gründete, hatte er den Vorsatz gefaßt, um dadurch seinem Gott wohlgefällig zu sein, alle Israeliten mit Gewalt zu bekehren, und gegen die Widerspenstigen mit dem Schwerte zu wüthen. Damals entflohen viele in die christlichen Länder; nach Toledo begaben sich die beiden Meir hallevi ben M e g a s, nämlich der Sohn und der Brudersohn des Joseph, nach Narbonne und Lünel zogen R. Juda b. Saül Ebn T i b b o n, und Joseph b. Isaak b. K i m ch i u. s. f. Im I. 1169 aber erließ der Tyrann von neuem einen Befehl an alle Israeliten, sich unverzüglich zum Islam zu bekennen, oder binnen Monatsfrist alle unter seiner Herrschaft stehenden Länder zu räumen; wer alsdann noch dem Iudenthume anhinge, sollte getödtet und seine Kinder in die Knechtschaft verkauft werden. In Folge dieses Befehls nahmen viele israelitische Gemeinden und darunter auch die zu Eordova, auch das ganze Haus des R. Maimon den Islam äußerlich an. Als einer der Rabbinen jener Zeit*) vernahm, was mehrere Gemeinden um der entsetzlichen Verfolgung zu entgehen, gethan hatten, ereiferte er sich für die väterliche Religion, und erließ ein sehr herbes und bitteres Schreiben gegen diese gezwungenen Moslemen, erklärte sie für Abgesallene, mit denen man nicht beten, und deren Zeugniß man nicht annehmen dürfe u. s. w. Darüber ward unser *) Wir wünschten, daß die Namen ebenfalls ermittelt und die Aechtheit der Schriften etwas bestimmter nachgewiesen würden; und wäre §s uns erfteulich, dies nachträglich hinzufügen zu können. Der Styl des maimonidischen Briefes sieht aus, wie aus dem Arabischen in's Hebräische übersetzt, auch finden wir nicht alles, was der vor uns liegende Auszug enthält, übersetzbar. D. H.