Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1839-10-11 · Heft 41 (11.10.1839) · p. Seite 323

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 41 (11.10.1839)
Date
1839-10-11
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3133765-3133766-3133808--0369-3134503
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

323 derselben Schule angehören, denn in diesem Augenblicke möchte man nur äußerst wenige finden, welche den Erwartungen derselben genügen könnten. „Aber ob denn über die Abnahme dieses scholastischen Unwesens mit Recht getrauert werden dürfe, ist eine andere Frage. Leider ist hierüber im Allgemeinen noch kein Licht verbreitet; vielmehr herrscht noch durchweg die Vorliebe für die casuiftischen Spitzfindigkeiten, womit eine Menge junger Menschen ihre edelsten Jahre verbringen, ohne irgend den gemeinnützigen Kenntnissen und der reinen Menschcnbildung ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden; eine Vorliebe, deren sittlicher und intellcctueller Nachtheil sich in den Wirkungen nur allzudeutlich offenbart. „Nicht das Object des Unterrichts allein muß als verfehlt angesehen werden, sondern die ganze Lehrmethode ist verkehrt und zwecklos. Die meisten Väter treibt ein unbegreiflicher Schwindel, die Söhne zuRabbinen zu erziehen, und da wird jedes Kind, ohne Rücksicht auf Kräfte und Anlagen, in die Rabbinenschule geschickt, selbst gegen die Warnung des sehr verehrten „Buchs der Frommen," worin §. 69 gelehrt wird, „es solle jedes Kind nach Maßgabe seiner Naturanlagen erzogen werden." Selbst der ärmste Vater, welcher, wenn sein Sohn ein Handwerk erlernte, in seinen alten Tagen hoffen dürfte, von ihm ernährt zu werden, giebt diesem allgemeinen Hange nach. Die Lehrer aber, unter keinerlei Aufsicht stehend, verstehen von Erziehungskunst gar nichts, kümmern sich um die Verschiedenheit der Kräfte nicht im Mindesten, behandeln alle Schüler gleich, setzen dieselben um einen Tisch und pfropfen sie voll mit unverdaulichen Speisen und machen dieselben körperlich und geistig krank. Was die minder geistreichen Schüler hier erwerben, ist ein Haschen nach spitzfindigen Erörterungen und eine unüberwindliche Disputirsucht, und die daraus hcrvorgehenden Folgen sind unfehlbar, Jdeen-Verwirruug, Keckheit im Streiten, Verdrehen der Worte der ältern Schriften, Rechthaberei, und nachmals jene Fluth von Schriften voll des schmählichsten Unsinnes, welcher der klarsten Wahrheit Hohn spricht." (Schluß folgt.) Controverfen in Cngland. Wir haben schon berichtet, wie in England die Angriffe gegen die jüdische Lehre eine eigene Gestalt angenommen haben. Sie hat das Erfreuliche, daß sie auf dem Gebiete der Theorie stehen bleibt und nicht, wie in andern Ländern, Anspruch darauf macht, in die Gesetzgebung.einzudringen, um entweder ihr bestimmte Maßregeln vorzuschreiben, oder sie zur Stellung geeigneter Bedingungen zu vermögen; vielmehr gestehen die Gegner selbst zu, daß den Israeliten alle Menschenrechte gebühren; nur auf ihre religiösen Ansichten wollen sie einwirken. Ein solch Verfahren dringt in mancher Beziehung mehr durch, als religiöse Disputationen sonst erwarten lassen. Um so mehr fühlen sich die Betheiligten gedrungen, mit den Waffen des Geistes nach Kräften entgegen zu treten. Seltsam genug tritt diesesmal eine Dame mit in die Schranken. Sie hat nämlich eine Schrift unter dem Titel Israel Delended; er the Jewish Exposition of the Hebrevv prophecies, applied by the Christians to their Messiah. (Das vertheidigte Israel, oder Erklärung der von den Christen auf ihren Messias bezogenen Stellen der Propheten) herausgegeben, und lediglich für die israelitische Jugend als Manuskript drucken lassen, damit solche den christlichen Lesern vorenthalten werde und diesen keinen Anstoß gebe. Sie erklärt sich durch ein Vorwort ausdrücklich darüber, daß ihr Zweck lediglich der sei, ihre Glaubensgenossen in ihrem Glauben zu befestigen, aber durchaus jede Einwirkung auf Mitglieder anderer Kirchen vermieden wissen wolle; zumal der jüdischen Religion jede Proselytenmachern ohnehin ferne liege. — Was sie hier liefert, ist eine Uebersetzung des in London 1770 in französischer Sprache erschienenen Werkes: Israel venge, ou Exposition Naturelle des Propheties Hebraiques que les Chretiens appliquent a Jesus leur preleudu Messie, par Isaak Orobio; ä Londres. 1770. 12. Das Original war spanisch geschrieben, ist aber nie im Druck erschienen, sondern das vorliegende französische Buch von H e n r i q u e z ist eine Uebersetzung, oder vielmehr, wie De Rossi vermmhet, eine Compilation aus verschiedenen Schriften des Orobio. (Vergl. Diz. Stör. 8. v. Auch s. Biblioth. Jud. Antichristiana. Nr. 127. p. 86 &. 87.) 41*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.