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Israelitische Annalen · 1839-10-04 · Heft 40 (4.10.1839) · p. Seite 318

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 40 (4.10.1839)
Date
1839-10-04
Page
Seite 318 (sequence 6)
Language
German
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318 Gemara commentirt habe. In seinem Gesehbuche (l. IS.) Mrt er an, daß er die Comm. in arabischer Sprache verfaßt habe; und im Maor, Tamid V. 1. zieht er die aus dem hieros. Thalmud gesammelten Gesetze an. Vergl. auch die Vorrede des Uebersetzers Jacob b. Achsai, zu Naschim. — Alle diese Werke muß er sehr früh begonnen haben, da sie schon fertig waren, als er in seinem 23sten Jahre die Mischna zu commentiren anfing. Verschiedene andere Schriften legte er an, ließ aber wieder davon ab, wie weiter unten berichtet werden soll. In der Bibi. Boy. zu Paris, hebr. W.W. Nr. 447 findet sich eine Schrift des M. über den Kalender, welche er im I. 4918 (d. i. 1158) verfaßt hat, wie dort im zweiten Theil i. und n. .erwähnt ist. Das Schriftchen zerfällt sin zwei Abtheilungen, nämlich über Molad (Neumond) und Thekupha (Jahreszeiten); die erste hat sieben Abschnitte: 1) Grundsätze, 2) über den Cyclus, 3) die Neu. monde jedes Cyclus, 4) die jedes Jahres, 5) die jedes Monates, 6) Bestimmung der Feiertage, 7) Bestimmung der Zahl der Monatstage; die zweite hat drei Abschnitte, 1) Berechnung der Wendepunkte in Betreff des Wochentages und der Tageszeit, 2) wie dies tabellarisch (? I2yß")t£n) zu ermitteln? 3) in Betreff des Monatstages. — Mir bleibt es jedoch noch zweifelhaft, ob dieses Werk von M. ist. Denn im Comm. zur Mischna (8ucca in.) schreibt er, er werde vielleicht über die Mondphase und den Kalender eine besondere Schrift verfassen, und darin vieles, was die meisten Menschen nicht wissen, erklären. (Vergl. Bo§ch hasch, ii. 6) Vielleicht indeß meint er damit sein größeres Werk Kiddusch hachodesch, welches seinem Mischna Thora einverleibt ist; wofern man nicht annehmen will, daß jene Erläuterung zu Succa noch vor dem erwähnten Werkchen verfaßt war. Letzteres ist denkbar, obwohl er auch diesen Commentar erst im 1.1158 begann; denn da er dabei nicht die Ordnung des Thalmuds beobachtete, wie sich aus seinen Beziehungen (z. B. Challa II. Nasir V. 2) ergiebt, so mag 8ncca zu den ersten Arbeiten gehört haben. Wir mögen daher nicht entscheiden. Bis zum Jahre 1160 machte dieser Studienkreis seine Hauptbeschäftigung aus, und wäre es auch wahrscheinlich für immer verblieben, wären nicht plötzlich in seinem Vaterlande Verhältnisse eingetreten, welche seinen Studien eine andere Richtung gaben, und ihn in andere Gegenden versetzten. (Fortsetzung folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Wien. (Schluß). — In Bezug auf Ungarn können wir nur wiederholt den Wunsch äußern, baß endlich das Verlangen nach Errichtung eines Rabbinatscollegiums (Rabbinen- und Lehrer-Seminars) bei den Erleuchtetern unserer Nation Berücksichtigung fände. Religion und Sittlichkeit sind dabei gleich betheiligt. Der gegenwärtige Zustand gefährdet beide. Schon sind mehrere und bedeutende Gemeinden Ungarns ohne Rabbinen oder Dolkslehrer; seit lange vernimmt man im Gotteshause keine Stimme eines geweiheten Hirten; wie es da in der Heerde um die Sittlichkeit, wie um religiösen Sinn stehe, welche Aussicht die ohne Führer Heranwachsende Jugend gewähre, ist leicht zu erachten. Es ist Zeit, dem einreißenden Verderben einen Damm entgegen zu stellen. Daß dieß noch nicht geschehen, liegt in dem auch hier hervortretenden Zwiespalt der Meinungen. Fast in jeder Gemeinde ist bereits mindestens der dritte Theil von der neuern Schulbildung berührt, geht von bessern und klarern Ansichten aus und ist von dem Streben »ach wahrer Erkenntniß und inniger Herzensfrömmigkeit dermaßen beseelt, daß hiernach sich seine Anforderungen an die anzustellenden Volkslehrer richten. Kann man es ihnen verdenken, wenn sie thalmudische Gelehrsamkeit allein nicht als genügende Qualification anerkennen? Wenn sie in dem zur Erbauung und zur inner» religiösen Weihe bestimmten Golteshause nicht Reden hören wollen, die durch verkrüppelte Sprache das Ohr verletzen, und in ihrem Inhalte nur gehaltlose Spitzfindigkeiten barbieten; sondern vielmehr das reine Wort Gottes in verständlicher klarer Rede und eindringlichem Vortrage? Denn unter tausend Rabbinern findet sich kaum ein Moses Schreiber, der cs versteht, wenn auch in alterthümlicher Form, durch seine exegetischen Vorträge den religiösen Geist mit Wärme anzuregen und ächte Gottesfurcht im Herzen seiner Zuhörer zu erwecken! Der größte Theil der Rabbinen vertreibt durch schaales Gerede, durch finnverbrchende Verunstaltungen der Worte der Propheten, so wie durch den Mißton des Jargons, alle Besserfühlenben aus der Synagoge. Freilich stellen sich diesen gegenüber viele, denen selbst der Hefensatz des Herkommens heilig ist, und welche durchaus von keiner Verbesserung etwa bören wollen, ja sogar, scheinbar von Erfahrungen unterstützt, einwenden, daß die auf anderweitige Studien verwendete Zeit, und die Hebung in der Beredsamkeit, von den thalmudische» Studien abziehe, daß dergleichen Subjekte auch häufig manche an und für sich unbedeutende, aber in den Augen des Volkes hochwichtige Ceremonialgesetze vernachlässigen, und dadurch Anstoß und Aergerniß geben, wodurch sie denn sich selbst unfähig machen, ihre Autorität zu behaupten und das Religionswesen einer Gemeinde zu leiten. Dieser Vorwurf hat einen Schein von Wahrheit, und unsere im Reformiren voreiligen Vertreter haben sich's beizumessen, daß unter solchen Vorwänden der Keim so vieler guten Anstalten, welche jetzt entstehen könnten, nicht gedeihet. Die hübsche thalmudische Anekdote von dem bejahrten Manne, welcher zugleich eine alte und eine junge Frau ehelichte, von denen die jüngere ihm die grauen, die ältere ihm die schwarzen Haare ausrupfte, so daß er als vollendeter Glatzkopf da stand — findet hier nur zu wahre Bedeutung und Anwendung. Der Eine verwirft dieses, der Andere jenes, und das Gemeinwesen steht ohne Annehmer, ohne Führer. Nur solche Männer, welche beide Qualitäten in sich vereinigen, können diesem Zustande abhelfen, und zur Erziehung solcher Volkslehrer dient am Besten eine wvhlorganisirte Schule, wie solche anderswo zu Israels Heil schon eingerichtet sind, und die schönsten Früchte getragen haben. M — n. Amsterdam. — Festlichkeiten in der Armencolonie Veenhuizen. (Vergl. Annalen S. 182). — Ohne lange bei Betrachtung der ausgezeichneten Gnade, womit S. M. der König den israelitischen Untertbanen zur Verbesserung ihrer Verhältnisse Beistand gewährt, und der vielen unzweideutigen Beweise einer gesetzlich festgestellten und in's Volksleben eingedrungencn cdeln (nicht indifferenten) Toleranz, zu verweilen, geben wir Hier einige kurze Berichte von THatsachen, welche, wenn auch an und für sich von keiner großen Bedeutung, doch würdig sind, einem weitern Kreise bekannt zu werben. Ueber die Armencolonieen und die Zulassung der Juden zu denselben hat ein anderer Correspondcnt der Annalen bereits genügend berichtet. Hier folgen einige Nachrichten über deren innere Verhältnisse. In Veenhuizen ward im vorigen Monate die Synagoge feierlich eingeweiht. Freilag den 23sten August, Nachmittags 4 Uhr, setzte sich der wohlgeordnete Zug aus der Wohnung des protestantischen Predigers in Bewegung. Ihn eröffnete ein Detachement Militär mit Trommeln und Musik, darauf folgten 6 weißgekleidete Mädchen mit Blumenkördchen; dann ein von vier Jünglingen getragener Baldachin, worunter der Oberrabbiner *

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