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Israelitische Annalen · 1839-09-27 · Heft 39 (27.9.1839) · p. Seite 308

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 39 (27.9.1839)
Date
1839-09-27
Page
Seite 308 (sequence 4)
Language
German
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308 zu erfahren wohl interessant, besonders da unsers Wissens anderswo dergleichen nicht vorkommt. — Die Gebräuche bei der Bestattung sind folgendermaßen vorgeschrieben: „Bei Anlaugung der Leiche auf dem Gottesacker wird selbe gleich in das Abwaschungszimmer gebracht, und die Begleiter, welche bei dieser Verrichtung nicht zugegen sein wollen, verfügen sich in das zum Warten bestimmte Local. „Nach beendigter rrrss, Abwaschung, Bekleidung und Einsargung der Leiche ist dies den Begleitenden anzuzeigen, welche paarweise das Zimmer verlassen, und sich den leidtragenden Verwandten des Verewigten, die unmittelbar hinter der Leiche zu gehen haben, anschließen, und bis zum Grabe in Ordnung und Stille folgen. „Einer der Vorbeter spricht dann das Gebet cmi nsn und die Chorknaben des Bethauses, wenn sie dazu gefordert werden, tragen während des Leichenzuges den Psalm (XCI.) -ihm 2WY» vor. „Sobald der Sarg in's Grab niedergelassen ist, tritt der Religionslehrer, oder in seiner Verhinderung, ein Vorbeter zum Grabe, und spricht das im Bethause bei der Andacht für die Abgeschiedenen mowa rrotn eingeführte Gebet: ruiDJ nrwo, in welchem der Verstorbene namentlich angeführt wird. Wenn der Religionslehrer dieses Gebet vorträgt, verbindet er auch eines in deutscher Sprache damit. „Leichenreden kann letzterer nur mit jedesmaliger Zustimmung der Vertreter halten, die bei der Ertheilung, den sittlichen Ruf der Verstorbenen und deren wohlthätige, gemeinnützige Wirksamkeit berücksichtigen werden. Ueberhaupt' ist es, ohne ausdrückliche Genehmigung der Vertreter, Niemanden gestattet, bei Leichenbegängnissen ein öffentliches Gebet oder eine Rede zu halten. „Nach Beendigung des Gebetes, und beziehungsweise der Rede, wirft der Religionslehrer oder Vorbeter eine Sckaufel Erde auf den Sarg und spricht die hierauf Bezug habenden Verse aus der heiligen Schr.: Gen. in. 19...... nnx icy "o (denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.) Kohel. XII. 7..... (und zurück kehrt der Staub zur Erde, so wie er gewesen, der Geist aber kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben.), und vsn. XII. 13 .... ypb -]b nn*o (Du aber gehe dem Ende zu, und du wirst ruhen und wieder auferftehen zu deinem Loose am Ende der Tage.) „Hierauf treten die Leidtragenden der Reihe nach hinzu. „Das Zurückgehen voni Grabe geschieht gleichfalls in aller Ordnung, und bei'm Ausgange aus dem Friedhofe wird, wie gewöhnlich, die Reihe (mw) gebildet, und das Gebet gesprochen. Die seit einiger Zeit gebräuchlich gewordene Almosenverthcilung auf dem Gottesacker ist ganz einzustellen, und die Vorsteher haben eine solche vorkommende Vertheilung auf geeignete Weise und in einem dazu schicklichen Locale vorzunehmen." Das Gebet für die Verstorbenen, sowohl in der Trauerzeit, als nachher alljährlich am Sterbetage wird, wo keine Verwandten sind, durch ein Mitglied des Beerdigungsvereines abgehalten. Das dort noch allgemein übliche.Durchlesen verschiedener Thalmudstücke, für die Seele des Verstorbenen, soll «icht mehr im Privathause, sondern nur in der Synagoge und zwar nur vom Rabbiner-Stellvertrerer verrichtet werden. (Schluß folgt.) Maimonides und seine Zeitgenoffen. Von Dr. Carmoly. *) Einleitung. Unter allen Gelehrten Israels, die je sich ausgezeichnet haben, behauptet Maimonides noch bis auf den heutigen Tag, durch ausgebreitete Sachkenntniß, Scharfsinn und unermüdliches Bestreben, über die Lehre und das Gesetz ein Helles Licht zu verbreiten, die dunkelsten Gänge der israelitischen Gelehrsamkeit zu erforschen und seinen Glaubensbrüdern zugänglich zu machen, den ersten Rang. Ueber sechshundert Zahre ist er nunmehr der Führer und Rathgeber der Gelehrten, immer noch pilgern sie zu derselben nie versiegbaren Quelle des Wissens, immer noch laben sie sich an dem Wein seiner Weisheit; alle später» Männer von Ruf verdanken ihm einen großen Theil ihrer Erfolge, und diejenigen, welche ihn zum Führer nahmen, waren sicher, des Weges nicht zu verfehlen. Wenn er als Schriftsteller durch Umfang und Zahl seiner Werke, wie durch gründliches Forschen überall in Ehren steht, so verdient noch besonders sein vortrefflicher Charakter Anerkennung; denn er war ein Manu von edler Gesinnung und herrlichen Eigenschaften, und hat sich auch um seine damals häufig sehr verfolgten Glaubensgenossen durch glückliche Gegenwirkungen großes Verdienst erworben. Wahrlich, es lohnt wohl der Mühe, eines solchen Mannes Leben mit allen Nebenverhältnissen genauer zu kennen. Ich habe mir aber vvrgenommen. Alles, was dahin gehört, sorgfältig zu erforschen, Ort und Zeit seiner Geburt, Namen seiner Vorfahren und Lehrer, seine Zugendjahre und Erziehung, seine Fortschritte, seine Schicksale und Le- *) Aus der trefflichen hebräischen Handschrift möglichst sinngetreu übertragen vom Herausgeber.

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