Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 37 (13.9.1839)
- Date
- 1839-09-13
- Page
- Seite 295 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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295 Literatur. Betrachtunqen und Widerlegungen, von Vr. A u b, Rabbiner in Bayreuth. Zweites Heft: Widerlegungen, ein Dialog über Herrn Hirsch's Mittheilungen aus Naphtali's Briefwechsel. 1839. VII. und 75 S. 8. (In Commission bei Riegel und Wiesner in Nürnberg.) Wie wir schon vor einiger Zeit bei Berichterstattung über die von Oldenburg aus begonnene Fehde erwarteten, treten allmählich die Entgegnungen an'sLicht. Hr. vr. Creize nach hat in dem Nr. 35 angezeigten Werke, es versteht sich, ohne in den unangemessenen Ton des Angreifers zu verfallen, ihn mit aller Schärfe der Dialektik zurückgewiesen, und in vorliegendem Hefte vollendet Herr vr. Aub die Abwehr aller der ungebührlichen Angriffe, indem er zugleich darthut, daß dieser theils aus falschem Selbstvertrauen auf eine sehr mangelhafte Vorbereitung und höchst oberflächlicher Sachkunde hervorgehend, bei näherer Beleuchtung von selbst entkräftet wird, theils durch kecke Verleugnung der offenkundigen Wahrheit nur einen Augenblick täuschen konnte, so daß die Aufdeckung der Quellen genügt, um die Gehaltlosigkeit des begonnenen Geschrei's zu beweisen. Die eigentlichen Streitpunkte dürften an sich wenig Interesse darbieten, sie gewinnen dies nur durch Zurückführung der oft sehr kleinlichen Gegenstände auf eigentliche Prinzipien, und theilweise durch die Form, welche die Fehde angenommen hatte. Herr vr. Aub weiß aber dem Streite auch noch durch das Salz sokratischerGesprächsmanier einengewissen Reiz zu geben, welcher das hier angezeigte Heft zur geistreichen Unterhaltung anempfiehlt, und wir hegen die Ueberzeugung, daß die edle Haltung dieses ganz nach platonischem Geiste abgefaßten Dialogs, welcher den Scherz und selbst den Sarkasm nicht. scheuet, aber dabei sehr wohl das Maaß beobachtet, allen Lefern gefallen werde. — Die Wissenschaft gewinnt durch diese Fehde in so weit, als dadurch der Vorwurf, daß die jüngeren und nach den Forderungen der Gegenwart gebildeten Rabbinen sich mit ihren theologischen Quellen vertraut genug zu machen nicht Zeit hätten, seine völlige Abfertigung findet, und als im Gegentheile der Sieg der methodischen Wissenschaft über die verworrene und einseitige ältere Studienform sogar in der Casuistik entschieden anerkannt werden muß. — Inzwischen wäre es gut, wenn die Fehde nunmehr ruhete, und man sich lieber wissenschaftlich verständigte. — dieses (von uns bereits beurtheilte)Buch, der Jugend, und gar der Jugend beiderlei Geschlechts in die Hände zu geben! Abgesehen von den Mängeln, welche theilweise nur dazu dienen können, das Werk und seinen Inhalt lächerlich zu machen, und von dem Umfange, der das Bedürfniß der Schul- und Volksbildung weit überschreitet, finden sich auch in dem Buche Nuditäten, wie sie selbst in der Bibel mit Euphemismen verdeckt werden, auf eine Skandal erregende Weise mit deutschen Worten dahin gestellt, worüber jeder Vater und jede Mütter, so wie jeder Lehrer, der einiges Gefühl für Anstand hat, erröthen müßte, Erläuterungen zu geben. Naturalia non sunt turpia, ist wohl wahr; aber in Lehrbüchern über Religion und Sittlich, keit für die Jugend, giebt es doch Themata, welche sehr wohl vermieden werden müssen. Schwerlich dürfte ein wahrer Freund der guten Erziehung — und das sind unsers Wissens alle israelitischen Eltern, welcher religiösen Ansicht auch sie zugethan seien, — das Buch des Herrn vr. Auerbach in den Händen seiner Kinder lassen. Es wäre daher dessen Einführung ein Mißgriff, den der Verfasser selbst hinterher zu beklagen haben würde. Man sehe S. 71. S. 118 Mitte. S. 144 Anm. und 155 Mitte, wobei lächerliche Anmerkungen; eben so S. 15? Anm. S. 125 Anm. S. 158 Mitte, u. Anmerkung! 159. Z. 8! und Anmerkung! Wahrlich diese Lehren in einem Buche sind nur Mittel zu dem, was sie hindern sollen! I. '-iron 'd Chosari, aus dem Arabischen des Jehuda hallevi, im Jahr 1167 von Jehuda ebn Tibbon aus Granada in Lünel in's Hebräische übertragen, herausgegeben und mit einem neuen hebräischen Comm. begleitet von G. Brecher, vr. med. in Proßnitz. Prag 1838 — 9. Bei M. I. Landau. Heft I. 86 Bl. II. 48 Bl. in 8. (Alles Hebräisch.) Das Werk, durch dessen neue Edition die Offizin des Herrn Landau sich abermals um die Literatur verdient macht, ist in der Gelehrtenwelt genugsam bekannt, und hat in der israelitischen Welt eine hinlängliche Clasficität gewonnen, um schon deshalb die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sein innerer Gehalt, eine Apologie des Iudenthums gegen äußere Angriffe und innere Zweifel, umfaßt ziemlich erschöpfend alles, was sich darüber von dem Standpunkt der allgemeinen Bildung aus sagen läßt, und empfiehlt sich dadurch einer nähern Beachtung. Um so mehr ist zu bedauern, daß es nicht ursprünglich in der schönen hebräischen Sprache, wie sie dem Verfasser zu Gebote stand, sondern in der damals populären arabischen verfaßt ist, und daß die Uebersetzung dadurch an vielen Härten leidet, die schon frühzeitig Commentare nöthig machten. Der gelehrte Commentator, welcher die vorliegende Ausgabe veranstaltet hat, giebt in der Vorrede über Verf. und Werk folgende Notizen, welche theilweise frühere Angaben berichtigen. Der Verfasser des Chosari ist der durch seine schönen Hymnen und Dichtungen bekannte Jehuda hallevi b. Samuel, welcher zwischen 4855 und 4919 (1095—1159) lebte. Letzteres erweist sich aus Aden Esra, der seiner im vooal. als verstorben gedenkt, und zwar im Jahr 1153. (Juch, setzt irrig seinen Tod in's I. 1178). Aus seinem Leben ist nichts Interessantes bekannt, als die Art seiner Bekanntschaft mit Aben Esra, und fein Tod unter den Mauern Jerusalems, wo ein übermüthiger Saracene ihn überritt. (S. Gesch. d. Isr.) Das hier in Rede stehende Werk, welches die Gespräche über Iudenthum zwifchen einem Chazarenkönig und einem Gelehrten halten läßt, wird von den ältern Bibliographen und Kritikern theils als eine Dichtung unsers Verfassers, theils als eine Uebertragung aus einem chazarischen Werke, theils als eine Sammlung aus ältern Quellen u. s. w. angesehen. Unser Commentator entscheidet sich für die erste Ansicht, daß nämlich Jehuda hallevi der einzige Verfasser ist, und die Einkleidung selbst gewählt hat, weil die bekannte Geschichte der jüdischen Regierung im Chazarenlande ihm dazu angemessen schien. Die Beweise findet er erstens in der das ganze Buch durchdringenden griechischen Philosophie und der Erwähnung arabischer Dichtungen, welche erst in der Zeit unsers Verfassers bekannt waren; zweitens in dem Kampfe gegen die Karaiten, deren älteste Lehrer als längst da gewesen aufgeführt werben. — Er führt Hierauf die frühern Commentatoren an, und bemerkt, daß sie zum Verständniß des Werkes nicht genügen; daher ein neuer Commentar nicht unwillkommen sein werde. Dieser setzt sich zur Aufgabe, theils das Buch nach seinem innern Gehalte zu erläutern, theils auch hie und da die Schwäche der ältern philosophischen Argumente nachzuweisen, und richtigere Begriffe zu geben. Nach diesem Vorwort finden wir den bekannten Brief des R. Ch isd ai b. Isaak an den Chazarenkönig Joseph, und dessen Antwort. Wir bedauern sehr, daß der Herausgeber eS nicht auch hier für gut fand, über die Aechtheit dieser Correspondenz und über deren geographischen und historischen Inhalt einiges Licht zu verbreiten. Sie bedarf noch der kritischen Beleuchtung, und wir möchten dieß hier als eine gewiß interessante Aufgabe bezeichnen. Außerdem giebt der Commentator eine Einleitung zum Lobe der Philosophie, als eines zur richtigen Erkenntniß der heiligen Schrift und zum Schutz gegen Aberglauben unentbehrlichen Studiums, dessen Verfall allein die häufige Vernachlässigung der Religion zugeschrieben werden müsse. Was nun den Text anbelangt, so ist derselbe correct und deutlich gedruckt und die verschiedenen Lesearten sind