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Israelitische Annalen · 1839-09-06 · Heft 36 (6.9.1839) · p. Seite 286

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 36 (6.9.1839)
Date
1839-09-06
Page
Seite 286 (sequence 6)
Language
German
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286 (Commissie van Examinatoren) wurden durch S. E. den Minister des Cultus ernannt: Herr D. S. Boas, Mitglied des Criminal-Gerichtshofes in der Provinz Nordholland, Präsident der Israel. Schulcommission in Amsterdam, als Präsident. — H. I. Hertzveld, Oberrabbiner zu Zwolle. — I. v. E. Ferra res, Rabb. Assessor (fungir. Ober. rabb.) bei der portugiesischen Gemeinde in Amsterd. — S. E. Nykerk, Advokat in Amsterdam. — M. I. van Gich, Advokat, Mitglied der Israelit. Schulcommission im Haag. — I. L. Schaap, Advokat, Mitgl. der Israelit. Schulcommission in Groningen. — A. Cohen de Lara, Oberlehrer bei der Israel. Portugiesischen Armenschule in Amsterdam. — S. I. Mulder, pro temp., Inspector der Niederl. Israel. Schulen, als Sekretär. Da Herr Richter Boas die Anstellung als Mitglied dieser Commission aus wichtigen Gründen nicht annahm, so wurde an dessen Stelle als Präsident ernannt : Herr D. Heilbron, Med. vr., Mitglied der Israelitischen Schulcommission in Amsterdam. Die Sitzungen der Commission wurden am 2. Juli 1839 eröffnet, und während einiger Tage beinahe ununterbrochen Vor- und Nachmittags fortgesetzt. Es hatten sich zur Prüfung angemeldet 6 Candidaten mr den untersten Rang, 12 für den Mittlern und 1 für den Höchsten. Nach regelmäßigem Examen wurden als Lehrer zugelaffen: 8 in den untersten Rang und nur 10 in den Mittelsten. Im höchsten Rang wurde admittirt I. Waterman, früher Zögling auf der unter Leitung des Herrn Prinsen stehenden König!. Bildungsschule für angehende Lehrer in Haarlem, und schon seit einigen Jahren in wissenschaftlichen Fächern zugelassen. Dieser junge Mann, welcher erst nach seiner Entlassung von der Bildungsschule sich die erforderlichen Kenntnisse im hebräischen und theologischen Fache hatte aneignen können, zeigte jetzt, was anhaltender Fleiß vermag, und gab die befriedigensten Antworten auf die ihm vorgelegten Fragen, z. B. ad. a deutliche Auseinandersetzung vom Unterschiede der hebr. und holl. Sprachen im Gebrauche der Adverbia und Adjectiva. Meinungsverschiedenheiten über das Verhältniß der zum ursprüngl. Stammwort. Erklärung einiger Homonyme rc., d Pred. xii. V. 1 — 14 ohne Vorbereitung in's Holländische zu übersetzen, e) idem einige Stellen aus rfiD'O d) Geschichte und Umstände der Regierung Salomos, Ursachen der Trennung der zehn Stämme, Geschichte der Maccabäer und Zweck ihrer Feldzüge. e) Ritualia so viel nöthig. k) Thalmud, Pesachim ko. 14 nach einer Stunde zum Durchsehen, g) kritische Beantwortung der Frage: „welche unter den bestehenden Lehrbüchern für die Niederl. Israel. Schulen sind die besten, und an welchen ist Bedürfniß? — Uebrigens sind verschiedene wichtige Punkte, das Isr. Schulwesen betreffend, bei der Obercommission (Hoofd Commissei) in Anregung gekommen und durch diese den Examinatoren mitgetheilt, um deren Meinung zu vernehmen. Nachdem die Prüfungscommission ihre Sitzungen geschlossen, sind die ausführlichen, alle in holländischer Sprache gehaltenen Protokolle dem Ministerium eingesandt, und die Namen der admittirten Lehrer durch die Obercommission in der Staatszeitung bekannt gemacht worden. Wien, 24. August. — (Nekrolog.) Am 7. d. M. starb hier Herr Bernhard Freiherr von Eskeles, Vicegouverneur der Kaiser!. König!, österreichischen Nativnalbank, in seinem 87sten Lebensjahre. Ein Mann, allgemein anerkannt und verehrt durch seine Verdienste um Staat und Vaterland, durch seinen in drangschweren sturmbewegten Zeiten an den Tag gelegten Patriotismus. Ein Mann, durch eigenes tief umfassendes Wissen, so in talmudischer wie in literarischer Hinsicht ausgezeichnet. Ein Mann, der es wohl verstand, die Besten seiner Zeit in seinen Krers zu ziehen und mit den hervorragendsten Talenten in Kunst und Wissen die Peripherie seines häuslichen Zirkels auszufüllen. Ein Mann, ein edler Zweig aus einem alten ehrwürdigen Stamme in Israel, dessen letzter Sprößling — für uns aber — in und mit ihm zu Grabe getragen wurde. Ein Mann, dessen Her; und Hand jedem gemeinnützigen wohlthätigen Zwecke offen standen. Ein Mann, in frühern Zeiten ein warmer Verehrer, Gönner und Protektor der Literatur seines Volkes und ihrer Jünger, von der er sich aber leider später — wie es überhaupt bei den modernen Großen und Hochgestellten neuerer Zeit bei uns gang und gebe — mit unbegreiflichem kalten Indifferentismus zurückzvg, und dessen Tod sonach die Communität seines Volkes schon vor drei Decennien hätten beweinen können. Sein Vermächtnis ist folgender Art: 4) Sollen die zur Begründung des neuen Bethauses zu Wien von ihm genommenen Aktien — eine bedeutende Summe — dem Vorstande unentgeldlich saldirt zurückgestellt werden. 2) Sollen 3000 fl. C. M. für ewige Zeiten weggestellt werden und deren Zinsbetrag dem hies. israelitischen Spitale zufallen. 3) Sollen bei seinem Leichenbegängnisse 4»0 fl. C. M. an hiesige und fremde Arme vertheilt werden (zu welcher Summe aber sein Herr Sohn noch 400 fl. C. M. hinzusügte). 4) Und hauptsächlich: hatte der Vater des Verewigten — einst Oberlandesrabbiner zu Nikolsburg in Mähren — einst eine Summe, in damaligem Gelbfuße 50,000 fl., zum Unterstützungsfonds für jüdische dem Rabbinatsberufe sich widmende Theologen für ewige Zeiten bei den mährischen Landständen angelegt, welche Summe aber durch das bald darauf eingetretene Finanzpatent, auf beiüähe kaum 5000 fl. heutigen Geldcourfes herabreducirt ward, dieses Kapital hat er nun, um dem Willen seines ebeln Vaters nachzukommen, durch die neunfache Zulage, zu 50.000 fl. C. M., ergänzt und vervollständigt. Dafür aber den Stivenbiengenuß auch auf jüdische Medizin- und Chirurgiebeflissene erweitert und ausgedehnt. Sämmtliche Stipendien sind aber nur einzig und allein Abkömmlingen seiner Vaterstadt Nikolsburg zugänglich. Sein Leichenbegängniß war, trotz des in Strömen herabstürzenden Regens sehr solenn und feierlich. Von einer großen Menschenmasse, dem Rabbiner B. Horowitz, dem ganzen Chorpersonale, sämmtlich mit brennenden Fackeln, und beinahe 80 Wagen, in welchen sich ein Thcil aus der Elite des ljöhern Adels befand, und mehr als 40 von dem Personale der K. K. österreich. Nationalbank, in Staatslivree, begleitet, fuhr der mit seinem Familienwappen geschmückte Sargwagen dem israel. Friedhöfe zu, allwo der hiesige Religionslehrer Herr Breuer (in Abwesenheit des Herrn Predigers Dr. Mannheimer) eine schöne gelungene Leichenrede hielt, und der vortreffliche Cantor mit seinem Chor ein rührendes Requiem anstimmte. (Forts, s.) Literatur. Rabbinerwahl. Zur Aufklärung über die dabei vertretenen religiösen Interessen, von vr. Jsaac B. Lowositz. Breslau 1839. 20. In dieser Schrift will der Verf. mit Rücksicht auf die bekannte Breslauer Wahl die Wichtigkeit dbr Sache und die überall erforderlichen Rücksichten, sowohl zur Nachachtung für die Wählenden, als auch insbesondere zur Bestimmung der Urtheile seitens übergeordneter Behörden, entwickeln. Er faßt seine Frage im Allgemeinen richtig auf, und entfernt daraus alle niedern Beweggründe und Einmischung tadelnswerther Partheisucht. Er schreibt auch' besonnener und gediegener als viele andere Wortführer der strengern Conservativen; obwohl man an dem pretiösen Ausdruck, wie an den gesuchten Hülfsmitteln zur Unterstützung seiner Sache, deutlich erkennt, daß seine eigene Geistesbildung sich gegen die hier geäußerten Grundsätze sträubt, und einer kunstmäßigen Haltung bedarf, um das Paradoxon durchzuführen. — Er behauptet nämlich, in neuerer Zeit seien verschiedene Fragen über Religionsangelegenheiten, einem fremdem Prinzipe, nämlich der christlich germanischen.

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