Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 36 (6.9.1839)
- Date
- 1839-09-06
- Page
- Seite 285 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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285 und dürfte übrigens getrost einzelnen Menschenfreunden überlassen werden. Auch könnten die vielen bestehenden Lese- oder Humanitätsvereine diese Sorge füglick nebenbei übernehmen. Ick habe mir hier die Anschaffung und Verbreitung guter Volks- und Jugendschriften sebr erleichtert durch Errichtung einer kleinen Schulbibliothek (die bald 300 Bände, meist Lesebücher für die reifere Jugend zählt), zu der durch eine Collekte der Grund gelegt ward, und die mittelst kleiner monatlicher Beiträge der wohlhabendem Theilnehmer unterhalten und vermehrt wird; der ärmeren Jugend aber werden die Bücher umsonst geliehen. — (Schl, folgt.) Hungen im Großherzogthum Hessen, 30. Juli. Der Tendenz Ihres weit verbreiteten, auch bei uns gern gelesenen Bl. gemäß, erlaube ich mir. Sie im Interesse der fortschreitenden Humanität um Aufnahme folgenden Berichts zu ersuchen. Die hiesige Stadtgemeinde durch allseitiges Entgegenkommen ein Muster von Eintracht und Liebe, welche keinen konfessionellen Unterschied kennt, hatte am 27. d. M. Gelegenheit, dies wieder thatsächlich zu bekunden. Die Israeliten Hieselbst, nur gering an Zahl, aber in der Bildung mit der Zeit Schritt haltend, feierten dieser Tage die Einweihung einer Gesetzrolle, und wie bei einer solchen Veranlassung gebräuchlich, mit einigem Aufwande und religiösen Ceremonien. Der zufällig in der Nähe sich aufhaltende Prediger, Herr Dr. Adler aus Worms, ward um Anordnung der Feierlichkeit ersucht, und hat sich dieses Auftrags auf eine Geist und Gemüth ansprechende Weise entledigt. — Am Abend zuvor ward in dem angemessen ausgeschmückten Lokale, wo sich die Rolle noch befand, Gottesdienst gehalten, wobei Herr Candidat Joseph Kahn aus Trier, eine kurze und gediegene Rede, welche wahre Andacht und Erbauung bewirkte, hielt. Am folgenden Morgen setzte sich von dem Sammelplätze vor der Synagoge ein wohlgeordneter Zug in Bewegung, nach dem Aufbewahrungsorte hin, nahm dort unter feierlichem Gesang die Thora in Empfang und trug sie durch die mit Zuschauern angefülltcn Straßen nach dem Bestimmungsorte hin, der vor kurzem neuerbaueten schönen Synagoge. Hier ward vom Chore Ps. xix. angestimmt, worauf die feierliche Vorlesung statt fand, nach deren Beendigung die Absingung einiger Formeln auf die Predigt vorbereitete, welche sowohl durch Inhalt wie durch Form alle Gemüther ergriff und einen tiefen Eindruck zurückließ. Alle Anwesenden, Christen wie Israeliten, aus der Nähe und Ferne herbeigekommen, verließen das Gotteshaus mit wahrer Erbauung und Rührung. Wir können schließlich nicht umhin, die lobenswerthe herzliche Theilnahme dankbar hervorzuheben, welche nnsere christlichen Mitbürger, und insbesondere die Städtischen Behörden, Geistlichen des Ortes und der Umgegend und viele achtbare Einwohner unsrer Feierlichkeit bewiesen haben, so wie andrerseits den Bemühungen des israelitischen Vorstandes und der übrigen Israeliten in zweckmäßiger Anordnung und Haltung der ganzen Feier, welche auf's Würdigste begangen wurde, ehrende Anerkennung zu zollen. Amsterdam, 20. August. — Bericht über die jüngst gehaltene Prüfung der angehenden Schullehrer. Bei der Organisation des Nieder!. Israel. Schulwesens 1817 wurden in allen bedeutenden Gemeinden Schulcommissionen ernannt, welche zugleich mit der Prüfung und Anstellung Israel. Religionslehrer beauftragt wurden. In den seitdem verflossenen 20 Jahren sind in der That verschiedene kenntnisreiche und dem Fache gewachsene junge Leute nach bestandener Prüfung admitlirt, wovon einige Privatschulen errichtet haben und andere bei den israelitischen Armenschulen angestellt sind. — Ob nun an einigen Orten die Commissionen von der Strenge der an die Candidaten gestellten Forderungen etwas abgegangen, ober ob sich nicht allenthalben tüchtige und willige Mitglieder für diese Commissionen gefunden, oder vielleicht die Vacaturen in verschiedenen Oberrabbinaten auch Lücken in den Prüfungen gelassen haben, läßt sich nicht mit Gewißheit entscheiden; es scheint indessen, daß diese oder ähnliche Ursachen S. M. bestimmt haben, bei König!. Resolution vom 21. Oktober 1838 zu verordnen, daß die Prüfung der Candidaten und die Admission der Religionslehrer für bas ganze Königreich ferner durch eine einzige, aus acht Mitgliedern bestehende Commissibn, einmal jährlich stattfinden solle. Eine darauf folgende Ministerielle Verfügung ordnet die Lehrer in drei Ränge, welche bei den Prüfungen folgenden Forderungen entsprechen müssen, wobei aber immer vorher die von der eigentlichen Religionslehre abgesonderten allgemeinen Kenntnisse (holländische Sprache, schreiben, rechnen, Geographie, vaterländische Geschichte u. s. w.) durch Admissionsacten von den Königl. Provinzial-Schulcommissionen bewiesen werden müssen. Unterster Rang. Alter des Candidaten wenigstens 16 Jahre. Admissionsacte von der Provinzial-Commission wenigstens im 4ten (untersten) Rang. Hebräisch lesen. Anfangsgründe der hebr. Sprache. Uebersetzung der gebräuchlichsten Gebete und Segensprüche. Hebräische Cursivschrifr. Ueberhaupt einige Fähigkeit im Lehrfache. Mittelster Rang. Alter 18 Jahre. Provinziale Admissionsacte im 3ten Rang. Hebräische Sprachlehre (wenigstens Conjugation der Zeikwörter und Gebrauch der Affixe). Uebersetzung des Pentateuchs und leichter hebr. Werke in's Holländische. Etwas Religionslehre, biblische Geschichte, Ritualia, einige theologische Kenntniß. Ueberhaupt gute Methode im Unterricht. Höchster Rang. Alter 20 Jahre. Admission von der Provinzial-Commission im wissenschaftlichen Fach 2ter Rang (vordersamst ausnahmsweise auch 3ter Rang). Ferner a) Kenntniß der hebr. Sprache, b) Bibelübersetzung in holl. Sprache und Erklärung des Pentateuchs, c. Schwierige hebr. Schriften in's Holl, übersetzen. 6) Israelit. Religionslehre und Geschichte, e) Ritualia. f) Theologische Kenntniß so viel bei'm Unterricht nöthig. g) Fähigkeit und Geübtheit in einsichtsvollem Unterrichtgeben, h) Bekanntheit mit den vorzüglichsten Israel. Schul- und Lehrbüchern. Als Mitglieder der Israelitischen Prüfungs-Commission