Mannheim
Compact Memory

Israelitische Annalen · 1839-09-06 · Heft 36 (6.9.1839) · p. Seite 284

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 36 (6.9.1839)
Date
1839-09-06
Page
Seite 284 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3133765-3133766-3133803--0325-3134454
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

284 von losen Buben unter Spott und Hohn niedergerissen werden, kräftig eingeschritten, und mit besonnener Hand das Schadhafte abgetragen werden muß, damit der unoer* sehrte Theil uns erhalten und auf seinen Grundlagen das Heiligthum schöner und fester aufgebaut werde. Haben sie allerdings ein Recht von uns zu fordern, daß wir auch auf ihre Gegenden einige Rücksicht nehmen, damit keine unheilbare Spaltung in Israel sich bilde — so schwer dies auch consequent durchzuführen wäre, da dort das Reinigen der Synagoge von alten Spinngeweben schon als ein Sacrilegium, als ein namenloser Frevel erscheinen dürfte; — so werden sic doch nicht verlangen können, daß wir, um in der Ferne keinen Anstoß zu geben, bei uns den Zwiespalt immer größer werden, den Krebsschaden des Indifferentismus immer weiter um sich greifen lassen, bis der ganze Körper dem schmählichsten Tode verfallen. Wie schön, wie erwünscht und heilsam wäre es, wenn sie offen und gerade austreten, und ihre mit Gründen belegten Meinungen frei aussprechen wollten! Aus der gegenseitigen Bekämpfung und endlichen Vereinigung und Durchdringung der — weil von keiner äußern Nöthigung getriebenen — ruhig besonnenen Wissenschaft des Zudenthums einerseits und der etwas stürmischen aus der europäischen Eivilisation in's jüdische Leben eingedrungenen Ideen andrerseits, müßte dieses unfehlbar sicher leitende Prinzipien gewinnen, und kräftiger und herrlicher als je aufblühen. Nachrichten und Correspondenzen. Trier. — Die Züge freundlicher Bruderliebe und Theilnahme unter verschiedenen Religionsgenossen mehren sich jetzt zusehends. Auch aus unsrer Gegend haben wir ein lobenswcrthes Beispiel zu berichten. Kürzlich starb zu Thalfangen der würdige Gemeinde-Lehrer Mayer, ein allgemein geachteter Mann. Mit seinen christlichen Eollegen stand er so freundschaftlich, daß der evangelische Lehrer während der langen Krankheit desselben für ihn den Unterricht erlheilte. Bei der Bestattung folgte dieser edle Freund unmittelbar nach der Leiche, dann die Kinder, hierauf der Verein zur Unterst, der Verunglückten und Nothleid., den der Verstorbene geleitet hatte; nach diesem die beiden evangelischen HH. Geistlichen, mit dem herbeigerufencn Hrn. Rabbinen I. Frank aus Asann in ihrer Mitte; dann die christlichen Schulmänner, die Herren Beamten und »;ele angesehene Einwohner beider christlichen Confcssionen, hierauf die Gemeinde. Am Grabe sprach der Rabbiner eine feierliche Rede. Darauf nahm der erste Pfarrer und Schul- Inspector, Hr. Schreiber, das Wort und schilderte in kräftiger Rede das amtliche Wirken des Verstorbenen und dessen Tugenden, und richtete tröstende Worte an die Wittwe. — Solche Beweise herzlicher Eintracht verdienen in andern Kreisen bekannt zu werden. — Hohenems. (Aus einem Briefe.) — Der in Nr. 24 Ihrer Annalen ausgesprochene Wunsch, daß ein Verein zur Verbreitung nützlicher, besonders religiös-sittlicher Schriften unter das Volk, gegründet werde, war auch mir aus der Seele geschrieben, und es würde wahrlich unsern Zeitgenossen wenig Ehre machen, wenn er unerfüllt bleiben sollte. Es bedarf zur Realisirung desselben nur des guten Willens, nur einigen Gemeinsinns, und die im Iudenthume herrschenden streitigen Ansichten, die eine Vereinigung der Kräfte in unserer Zeit so sehr erschweren, sollten und könnten kein Hinderniß abgeben, da man sich jedenfalls darauf beschränken müßte, einen gesunden, religiösen Sinn im Volke zu wecken und den von Unwissenheit und (bei alter Gewohnheit verharrenden) Trägheit herrührenden Vorurtheilen und Mißgriffen entgegenzuarbeiten, ohne Partheiansichten zu verbreiten. Von einer Propaganda, in welchem Sinne immer, würde ich nur Schlimmes erwarten. Nichts wäre daher der Sache förderlicher, als wenn achtbare Männer von verschiedenen religiösen Ansichten sich an die Spitze stellten und hierin einander die Hand böten, was gewiß zu Frankfurt am Main leichter als irgendwo möglich wäre. — Es sollte ferner meines Erachtens darauf gesehen werden, daß die zu verbreitenden Schriften unterhaltend belehren, und durch Inhalt und Form anziehend genug seien, um zum Lesen zu locken. Wie dürften wir uns von trocknen, wenig ansprechenden Schriften, z. B. von gedruckten Predigten und Abhandlungen einen bedeutenden Erfolg versprechen, so lange selbst die bessern Prediger selten der Belehrung und Erbauung wegen gehört werden? Zweckmäßige Schilderungen aus dem Bereiche des jüdischen Lebens wären aber vor allen andern Werken zu empfehlen, weil sie für den Juden sowohl die lehrreichsten als interessantesten sind. — Freilich fehlt es uns zur Zeit noch an Schriften der Art, und müßte die erste Sorge des Vereins dahin gehen, durch Aussetzung von Preisen zur Abfassung derselben zu ermuntern, wozu ich bereits in der wiss. Zeitschr. f. jyd. Thevl. 4 Bd. S. 26-35, und zwar nicht ohne allen Erfolg, aufgefordert habe. — Die zweite Hauptaufgabe wäre, dahin zu wirken, daß solche und allenfalls auch andere Volksschriften überall zu einem sehr niedrigen, auch für die unbemittelte Klasse erschwingbaren Preise zu haben seien, was vielleicht ohne alle Kosten zu bewerkstelligen wäre, da sich wohl in jeder bedeutenden Gemeinde ein Mann finden dürfte, der den Absatz und die Verbreitung der vom Verein herausgegebenen Schriften in uneigennütziger Weise sich wird angelegen sein lassen. Ich selbst getrauete mich das Versprechen abzugeben, von jedem derartigen Buche — das nur die österreichische Zensur passirt — eine sehr ansehnliche Eremplarenanzahl theils hier, theils und weit mehrere durch meine Freunde in Böhmen und andern Provinzen der österreichischen Monarchie abzusetzen. — Die ganz unentgeltiche Vertheilung unter Arme wäre schon mit Schwierigkeit verbunden, die mit dem Wirkungskreise des Instituts — auf dessen größtmögliche Ausdehnung man doch bedacht sein müßte — wachsen würden, wäre vielleicht nicht einmal rathsam — weil was man umsonst haben kann, selten nach Gebühr gewürdigt wird —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.