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Israelitische Annalen · 1839-08-30 · Heft 35 (30.8.1839) · p. Seite 278

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 35 (30.8.1839)
Date
1839-08-30
Page
Seite 278 (sequence 6)
Language
German
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278 so betrübender ist es dagegen, daß einerseits die großen und wohlhabenden Gemeinden, wie Koblenz und Kreuznach, hierin jener kleinern nachstehen, (gut eingerichtete christliche Schulen nnd Gymnasien können doch — wie dieses hinreichend in neuerer Zeit nachgewiesen wurde — die speziell jüdischen, und besonders den Religionsunterricht nicht entbehrlich machen —) andrerseits in den meisten kleinen Gemeinden, besonders auf dem Lande, der Religionsunterricht noch von den unwissendsten und ungebildetsten, ja öfters von höchst unmoralischen Subjekten ertheilt wird. — Der Grund der erwähnten Uebelstande liegt, bei der Empfänglichkeit des größten Theiles unserer jüdischen Mitbrüder für zeitgemäße religiöse Bildung, hauptsächlich in dem Mangel eines gebildeten und aufrichtigen Rabbinen und in der Gleichgültigkeit einzelner Gemeindevorsteher. Bekanntlich bildete Koblenz früher ein besonderes Rabbinat, welches aber seit der Berufung des Rabbiners Emanuel Deutz nach Paris nicht mehr besetzt und zu dem Konsistorialrabbinat zu Bonn geschlagen wurde. — So mißlich nun die Entfernung von dem Rabbinatssitze für ein besseres Einwirken auf unsere Religionsverhältnisse sein mußte, so hätte doch in vieler Beziehung manches Gute hervorgerufen werden können, wenn der Konsistorialrabbiner Fähigkeit mit gutem Willen verbindet. Daß nun aber die jüngste Wahl, oder vielmehr Ueberraschung der Wahlmänner, alle bessern Erwartungen niederhält, ist aus einem frühern Berichte der Annalen bekannt. Es kommt jetzt darauf an, welchen Erfolg die dagegen eingeleiteten Schritte haben werden, denn eine Bestätigung derselben ist von oben herab noch nicht erfolgt. 3) Die socialen Verhältnisse sind im Allgemeinen gut, obwohl Ausnahmen Vorkommen, und Spuren von Intoleranz sich zeigen. Unsere hohe Regierung schützt uns jedoch in unfern Rechten, wie das hier in treuer Abschrift mitgetheilte Rescript, welches in Folge gewisser Reibungen, die in Rheinböllen (Kreis Simmern) zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Bürgermeister vorfielen, erlassen wurde, beweisen mag. Derselbe hatte der israelitischen Gemeinde ihren Antheil an Gemeinde-Nutzungen streitig gemacht; er ward aber auf die bestehenden Rechte verwiesen. (Abschrift.) „Da die auf dem linken Rheinufer in Kraft bestehenden Gesetze gleich denen, welche in den meisten übrigen Thcilen des Staates gelten, in Bezug auf die Rechte und Pflichten der Unterthanen als Gemeindegenvssen keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Konfessionsverwandten zulassen, so können auch die dortigen jüdischen Einwohner (sofern sie bereits ein volles Jahr in der Gemeinde gewohnt und zu den Gemeindelasten beigetragen haben) eben so wenig von der Theilnahme an den Gemeinde-Nutzungen ausgeschlossen, als von der fernern Heranziehung zu den Kvmmunallasten entbunden werden. „Aus diesem Grunde hat Ihrem, von dem Königl. Hohen Ministerio des Innern und der Polizei an mich zur Verfügung abgegebenen Gesuche vom 8. Nov. v. I., dessen Anlagen hierbei zurück erfolgen, nicht entsprochen werben können. — Koblenz, den 11. Jan. L838. Der Oberpräsident der Rh. P. (gez.) v. Bodelscheving." Aus Schwaben (im August). — Wenn die jüd. Angelegenheiten in Baiern besprochen werden, ist von unserm Kreise fast nie die Rede, und das mit Recht, wie ich glaube. Was soll man da berichten, wo das ewige Einerlei so selten unterbrochen, ein kräftiges Zeichen inneren Lebens so selten bemerkt wird? Man darf unseren religiösen Zustand im Allgemeinen noch als den der Bewußtlosigkeit (freilich auch der Rathlosigkeil) bezeichnen, und gibt es bei uns keine eigentlich fortschreitende Partei, obwohl die alte Gläubigkeit und Gesetzlichkeit keineswegs durchaus vorherrschend sind. Meines Bedünkens ist dies den Rabbinern beizumessen (deren unser Kreis (8) im Verhältniß zu der jüd. Bevölkerung mehr hat als alle andere), bei denen man (mit Ausnahme des Hrn. Gunzenhäuser in Bieswangen, der zu den streng Conservativen gehört) ein Streben nach einem bestimmten Ziele, Eifer und feste Haltung ganz vermißt, obwohl sie sämmtlich ihre Prüfung bestanden haben und im kräftigsten Mannesalter stehen. Es herrscht zwar mehr Stille und Ordnung beim Gottesdienste (an dem außer der Abstellung der Mizwothversteigerung nichts geändert worben), auch predigen die Rabbiner fleißiger, als ihnen in Geiger's Zeitschr. 1. B. S. 437 — 40 vorgeworfen wird, jedoch ohne dadurch mehr Licht und Wärme zu verbreiten, und bleiben die andern Klagen, die dort gegen sie erhoben werden, namentlich über ein „schwankendes zweideutiges Benehmen" in voller Kraft. Diese vermeintliche Klugheit straft sich jedoch selbst, und Diejenigen, die nach dem Beifalle Aller streben, ernten zuletzt die Unzufriedenheit Aller ein (Maleachi 2, 9). Der Wankelmuth der geistlichen Führer ist aber auch von höchst nachtheiligem Einfluß auf die religiöse Bildung des Volkes, das in seinen Ansichten, Grundsätzen und Hoffnungen immer mehr irre gemacht wird, und am Ende nicht weiß, wem es trauen, wo es seine frommen Regungen hintragen soll, und so müssen Werkheiligkeit auf der einen Seite und Indifferentismus, der bei Unwissenheit am gefährlichsten, auf der andern überhand nehmen. Es mag dies anderswo auch so sein; aber desto schlimmer! So lange wir keine kirchliche Oberbehörde bekommen, wird es auch schwerlich besser werden. Denn noch schwieriger als die Stellung des Rabbiners in unsern Tagen, von dem in einer schlichten Landgemeinde am Ende doch nur volle Hingebung für seinen Beruf gefordert wird, ist in einer solchen die Wahl desselben, besonders wenn er, wie das hier Landes meistens der Fall ist, aus der Ferne geholt werden muß. Es ist traurig zu beobachten, was für Gründe und Empfehlungen oft bei dem redlichsten Willen der Wähler den Ausschlag geben. — Hürben, die reichste und angesehenste Gemeinde, die sich durch freigebige Unterstützung der Verunglückten in Palästina, für die noch fortwährend gesammelt wird, ausgezeichnet, spielt hier zu Lande gewissermaßen die Rolle der heiligen Stadt. Es bestehet da für das Talmudstudium nicht nur ein Beth Hammidrasch, das jedoch zusehends in Verfall geräth, sondern auch mehrere verheirathete junge Männer beschäftigen sich damit in ihren Freistunden und kommen deßhalb zusammen. Hirsch's Mittheilungen haben da starken Absatz gefunden, und bei

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