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Israelitische Annalen · 1839-08-23 · Heft 34 (23.8.1839) · p. Seite 269

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 34 (23.8.1839)
Date
1839-08-23
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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269 Nachrichten und Correspondenzen. Breslau, LI. Juli. — Die Angelegenheit des vr. Geiger ist noch immer ein Gegenstand der Erwartung. Doch glaubt man, daß die Entscheidung sehr nahe sei. Die Akten scheinen, nachdem von neuem über das Wahlverfahren von hier aus ein Bericht gefordert worden, und derselbe nach Berlin abgegangen ist, endlich geschlossen. So viel hat sich bei der ganzen Sache herausgestellt, daß unsre Regierung, bei aller Bedächtigkeit in der Bürgerrechtsertheilung (welche in diesem Falle hauptsächlich nur eine persönliche Frage ist, indem bei der Wahl eines eben so qualificirten Inländers, von oben herab sicherlich keine Einmischung in eine solche reine Communalsache eingetreten wäre), jeden wahren Fortschritt der Civilisation begünstigt, und daß sich diejenigen sehr irren, welche meinen, es herrsche in Preußen das Rückgangssystem vor. Werden vielleicht manche voreilige Wünsche verschoben, so bleibt doch auch zu erwägen, daß die große Masse des Volkes nicht so schnell in der Bildung vorrückt, und folglich nicht im Sturmschritt für große Verbesserungen gewonnen werden kann. Das Recht des Herkommens wurzelt in ihr fester als es scheinen mag, und nur allmählich wird auch der Nicht-Unterrichtete überführt, daß er blos für einen Schatten eingenommen ist. Eine Generation weiter findet den Eifer, womit sich die Väter bei hoher Regierung für ein unhaltbares Wesen verwendet haben, kaum noch begreiflich. Im Uebrigen geschehen jetzt Müncheriei Schritte, um das Volk über das, was in kirchlicher Beziehung noth thut, aufzuklären. (Siehe oben.)-° — Warschau, Ende Juli. — Mit dem neuen Rabbinat ist man hier allgemein zufrieden. Während der Vorgänger in diesem Amte durchaus derjenigen Eigenschaften entbehrte, welche erforderlich sind, um einen so weitläufigen Wirkungskreis gehörig auszufüllen, — womit wir die persönlichen Tugenden des Dahingeschiedenen jedoch nicht in Schatten stellen wollen — entwickelt der nunmehrige Rabbiner, wenn auch nicht eine umfassende Thätigkeit zur Hervorbringung bemerkenswerther Veränderungen, woran selbst ein ziemlich vorgerücktes Alter hindern mag, doch andererseits einen sehr milden^Linn, eine besonnene Umsicht, und einen so richtigen Takt in Behandlung so mancher zartern Frage, inmitten einer zahlreichen, aus den verschiedensten Elementen zusammengesetzten Gemeinde, daß über das nunmehr obwaltende Verhältniß jetzt nur eine Stimme verlautet. — Ohne Zweifel werden auch hier die gewünschten Verbesserungen im Eultus immer mehr Platz greifen. Wahrscheinlich wird der junge Mann (Herr Goldschmidt), welcher im vorigen Jahre bereits in Privat-Synagogen Proben gehaltreicher Vorträge gegeben hat, und sich jetzt behufs seiner Promotion in Berlin befindet, nächstens zurückkehren, und mit desto größerem Eifer und Erfolge seine Belehrungen fortsetzen und zur Ordnung der Cultussachen Mitwirken. Kingston auf Jamaica. (Schluß.) Beschreibung der Synagoge. — Das Gebäude ist das Werk des hiesigen Baumeisters Rob. Hancock und steht auf dem Grundriß der alten Synagoge, im Südwestwinkel der Orange- und Bourdon-Straßen. Das Aeußere gewährt einen überraschenden Anblick. Vor der Fronte befindet sich ein reich verziertes massives Eisengitter mit Thoren, an deren beiden Seiten am Ende des Gitters dorische Steinpfeiler mit Lampen stehen. Die mittlere Abtheilung der nach der Orange-Straße zugekehrten Fronte bildet die Rückwand der heiligen Lade, und tritt bedeutend heraus und zwar bis an die Fenster des obern Flurs; sie besteht aus Stein-Pilastern und Karnieß mit einer Halbkuppel, umgeben von einem hübschen Geländer. Der obere Theil des Gebäudes ist ebenfalls mit einem schönen Geländer umgeben, welche das Dach des Ganzen fast dem Auge entzieht; die Projection hat das Ansehen eines bedeckten Porticus, indem hier Fenster mit Bögen in gleichem Verhältniß wie am Hauptgebäude sich befinden, über welchen je ein vertieftes Feld, deren mittleres eine Marmortafel hat, worauf eine Inschrift die Bestimmung des Gebäudes, und die Tage der Erbauung und des Neubaues angiebt. Der Eingang zum Innern der Synagoge mußte leider im Westen an der Rückseite angebracht werden. Es ist ein viersäuliger dorischer Porticus, dessen Fußboden mit schwarzem und weißem Marmor, in diagonal gelegten Quadraten gepflastert ist. In dessen Innern sind drei sehr schöne Thüren von Mahagoni-Holz, die mittlere, gewölbt, führt in den Synagogen-Raum. Die Wirkung beim Eintreten ist ungemein stark, nicht bloß durch die Pracht der Gesetzlade gegenüber und den herrlichen Kronleuchter, sondern auch durch die Helligkeit und Schönheit des Ganzen; denn statt daß der Boden mit Sitzen bestellt und überladen wäre, (wie in den meisten Kirchen) reichen hier die Sitze nur bis an die Säulen, welche die Gallerten tragen; auch sind sie nicht umgeben, sondern haben nur Rückwände gleich einfachen Stühlen, so daß sie, wenn Alles besetzt ist, fast gar nicht gesehen werden. — Der Vorlesepult ist mit einem Geländer von kleinen Säulen umgeben, auf deren vier Winkelsäulen massive Candelabres von vergoldetem Metall stehen. (Er steht der Lade gegenüber im Westen.) Die Damen-Gallerien werden von soliden Mahagony- Säulen und Gebälk von korinthischer Ordnung gettagen, welche am Westende einen Halbkreis bilden, mit neun Säulenweiten, nämlich drei zu beiden Seiten, und drei im Halbkreise. — Die obere Säulen-Ordnung ist zusammengesetzter Art. Alle Säulen sind aus massivem Mahagonyholz von schönster Farbe, deren verschiedene Schattirung durch die vortreffliche Politur vortheilhaft heraustritt; die Blätter und Simse der Kapitäler sind durchweg auf asurblauem Grunde vergoldet, welches die natürliche Farbe des Mahagony auf eine sehr anmuthige Weise hebt. Dreißig sehr schöne Armleuchter zu je drei Lichtern sind an den Pfeilern zwischen den Fenstern sowohl unten als oben angebracht. Die Decke ist in der Mitte gewölbt und mit hübschem Blätterwerk verziert, alles reichlich vergoldet; aus dem Mittelpunkt hängt der Kronleuchter herab. Gegen die Westseite des Gebäudes, vor der Gallerte,

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