Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 34 (23.8.1839)
- Date
- 1839-08-23
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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267 die Juden behaftet ist, die Stimmung sich bereits ändert und eine bessere Würdigung der Fähigkeiten und Gesinnungen hervortritt und Bedürfniß wird. Jean Czynski gibt in dem 1838 zu Paris in 2 Bd. erschienenen Gemälde der Vorzeit: „Lc roi des Paysaus” einen Beitrag zu denselben Bestrebungen unserer Zeit. Er sagt dies unumwunden in dem Vorworte. Einen Blick werfend auf die traurigen Verhältnisse der Israeliten, welche nur in einigen wenigen Ländern sich bürgerlicher Freiheit in vollem Sinne zu erfreuen haben, während „ eines Shakespeare Vaterland und eines Schiller Vaterland die Israeliten als der gemeinsamen Menschenrechte unwerth betrachten," setzt er hinzu: Dies vormals so tapfere, so mächtige, nachher so niedergedrückte, so zurückgesetzte Volk ist wenig bekannt; um dessen Geist, Eigenheit und Glauben zu ergründen, muß man es da ftudiren, wo es am zahlreichsten ist, und wo es am stärksten unterdrückt worden" u. s. w. Zu diesem Ende nun vereinigt er in dem vorliegenden Roman eine Menge zerstreuter Charakterzüge in einen romantischen Helden, welcher gleichsam ein Repräsentant des Ganzen bildet, und knüpft dessen Geschichte an Esther, die Geliebte Kasimirs den Großen, auf eine recht interessante Weise. Die Geschichte spielt also in der Mitte des 14. Jahrhunderts in Polen, und vornämlich in Cracow, wo damals der König residirte. Ohne hier den Faden dieser historischen Erzählung, welche an lebhaften Scenen sehr reich ist, verfolgen zu wollen, bemerken wir nur, daß er hauptsächlich sich um den traurigen Wahn des polnischen Volkes, daß die Juden zu ihren Religionsgebräuchen Menschenblut haben müssen, windet; einen Wahn, der leider noch in unserm Jahrhunderte, ja rheilweise noch bis in das Jahrzehend hinein, in welchem wir leben, vielen Unschuldigen Freiheit, Vermögen und Leben gekostet hat, und durch die Verkehrtheit mancher Gelehrten noch immer neuen Grund gewonnen hätte, wofern nicht der erleuchtete Geist des gegenwärtigen Kaisers von Rußland die Nebel zerstreute und bösliche Einflüsterungen dieser Art vernichtete. Es war ein ganz guter Gedanke, diesen entsetzlichen Volkswahn zum Mittelpunkte einer Handlung zu machen, aus welcher sich das merkwürdige Schicksal jener polnischen Esther entwickelt, die übrigens ihrer Glorie nicht lange genoß. Die meisten Charaktere sind poetisch gehalten, und überall tritt eine gewisse Kraft der Gesinnung heraus , welche selbst in der Niedrigkeit -er Gewerbe und sogar in den Schattenseiten der jüdischen Eigenheiten, einige Achtung fordert. Die Sitten der Juden, als solcher, sind minder geschildert; alles hält sich einig an die Begebenheit, welche den Gegengenftand des Romanes ausmachr. Somit bildet dieses Werk einen Ring in der Kette der Bestrebungen, welche, wenn auch nicht völlige Befreiung von allem Drucke erzielen, doch den denkenden Geist auf die Wirkungen einer Unterdrückung so vieler gediegenen Kräfte Hinweisen, und in ihm Gedanken erregen müssen, deren humane Folgen nicht ausbleiben. Uebrigens wäre uns eine kurze und klare Charakteristik aller oder der wichtigsten Judencharakrere in den Dichtungen der neuern Zeit sehr willkommen. Briefwechsel über religiöse Zustände. «. I. R. an S. D. L. 29. Mai 1839. Ihre Unterscheidung zwischen der Lehre Mosis und Abrahams gründet sich nicht blos ganz schulgerecht auf den buchstäblichen Sinn der h. Schr., sondern scheint mir auch im Allgemeinen mit den von mir in meinem letzten Schreiben auseinandergesetzten Ideen zusammenzutreffen. Sobald zugegeben wird, daß eine wahre Offenbarung keine Dogmen enthalten kann, welche über die Gränzen der menschlichen Vernunft hinausgehen, so konnte auch durch Mose nichts weiter offenbart werden, als die Grundsätze der natürlichen Religion und der Sittenlehre; Grundsätze, von denen der Mensch auch durch die bloße Forschung mittelst seiner Denkkrast, wenn gleich nur mit großer Schwierigkeit, sich überzeugen könnte. Diese Schwierigkeiten waren schon früher von einem einzelnen Mann überwunden, nämlich unserm Stammvater Abraham, welcher durch die Ueberlegenheit seines Geistes und Vortrefflichkeit seines Gemüthes sich ein vollkommenes rationales System der Religion und Sittlichkeit geschaffen hat, und alle seine Handlungen nach den angenommenen Grundsätzen einrichtete. Es war also natürlich, daß die spätere mosaische Offenbarung sich nicht als Gründung neuer Lehrsätze ankündigte, sondern als Bestätigung der Religion der Patriarchen, welche dieselbe zu entwickeln, deren Gränzen auszudehnen, deren Regeln im Einzelnen festzustellen bezwecke. Es ist sogar wahrscheinlich, daß die Erscheinung jenes Vorläufers des Moses beigetragen hat, dem Mosaismus den Charakter der Abhängigkeit und der Abstammung vom Abrahamismus aufzudrücken, welchen wir darin erkennen; indeß darf man doch annehmen, daß auch ohne diesen, wenn nämlich ein solcher Vorläufer auch niemals gekommen wäre, es dennoch der göttlichen Weisheit 34»