Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 33 (16.8.1839)
- Date
- 1839-08-16
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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262 Hierauf brachte Herr Nathan, welchem die Vorsteher folgten, die heiligen Gesetzrollen an die Pforte der Synagoge; als diese geöffnet ward, traten der Geistliche und die Träger der Rollen in Procession herein, und umzogen siebenmal den innern Raum, während der. Vorsänger und die Gemeinde hebräische Gebete, Psalmen und Response sangen. Die Wirkung war ergreifend, Gesang und Musik waren vortrefflich, und den größten Dank verdienen die Herren, welche den Chor bildeten, für die hierbei entwickelte Kunstfertigkeit. Die Rollen wurden nunmehr in die Labe gestellt, ein feierliches Gebet für unsre geliebte Königin und das königliche Haus wurde gesprochen, während dessen die ganze Versammlung stand. Ein unbeschreibliches Gefühl durchdrang alle Classen der Anwesenden bei dieser Ceremonie. — Herr Lopes, Vorbetcr der portugiesischen Gemeinde, trug das Abend-Gebet mit großer Andacht vor. Hierauf sprach Herr Nathan eine sehr beredte und ergreifende Rebe über den Tept 2. Chron. VI. 18. „Denn mag wohl in Wahrheit Gott wohnen bei den Menschen auf der Erde, die Himmel und der Himmel Himmel können dich nicht fassen, wie viel weniger dies Haus, welches ich gebaut habe." Wir finden es nicht angemessen, hier eine Skizze der trefflichen Rede des ehrw. Hrn. Nathan zu liefern, sie würde diese nicht in ihrem vollen Werthe darstellen; doch können wir nicht umhin, diejenigen Stellen in Erinnerung zu bringen, in denen er die Wichtigkeit und Nothwendigkeit der öffentlichen Gottesverehrung mit so siegreichen Gründen barlegte. M:l den gelungensten Ausdrücken wies er auf die Betrachtungen hin, welche die Gebote und Inschriften im Herzen der Andächtigen erwecken, und welche fromme Gefühle sie anregen müßten. Sehr eindringlich empfahl er die Unterstützung der religiösen Anstalten, und mit überzeugender Kraft zeigte er die Wichtigkeit der Beisteuer zu den allgemeinen religiösen Bedürfnissen, wie zu der Armen Versorgung. Sein Vortrag, eine ganze Reihe kräftiger Anregungen enthaltend, dauerte über eine Stunde, und aus der ehrfurchtsvollen und gespannten Aufmerksamkeit der Zuhörer läßt sich schließen, daß er einen tiefen und hoffentlich bleibenden Eindruck gemacht hat. (Forts, folgt.) Literatur. Allgemeines Gebetbuch der Israeliten. Die sämmrlichen Gebete an den Wochen-, Sabbat- und Ncumondstagen. Zum Gebrauche in der Synagoge für das weibliche Geschlecht, deutsch bearcheitct. ^Mt einem Anhänge der Tisch- und NaAgebete. Von vr. I. Heinemann. Leipzig, dei I. I. Weber. 1838. VUIu.298S in 8. Zn dieser, übrigens recht splendiden Ausgabe findet sich eine zweckmäßige Auswahl der wichtigsten Stücke aus dem allgemeinen Gebetbuche. Bekanntlich war dieses bereits in mehrern Uebersetzungen vorhanden. Der Herausgeber hat an den bisherigen gefeilt, und von einigen Stücken die schon anderweitig bekannten metrischen Paraphrasen vvrgezogcn. Das Werkchen hat in der gegenwärtigen Form viel Ansprechendes, und obgleich der hebräische Ausdruck in den Gebctformeln mehr Kraft und Weihe hat, als derselbe Inhalt in moderner Sprache, so dürfte doch das Büchlein seinen Zweck, mit Andacht dem Vorbeter nachzufolgcn und dessen Vorträge sinnig und nicht, wie cs gewöhnlich geschieht, gedankenlos, zu begleiten, sehr wohl erfüllen. Hie und da konnte die Feile noch besser geübt werden. Einen unangenehmen Eindruck macht die Formel S. 49, No. 12, welche allen gerechten Anforderungen, die man an ein Gebet machen darf, widerspricht. Niemals darf ein Gebet den Untergang der Sünder erflehen, sondern nur der Sünde. Ist auch das Original, wie das ja längst genugsam besprochen worden, so tadelnswerth abgefaßt, so konnte die Uebersetzung, welche ohnehin nicht wörtlich sein will, den Ausdruck im Deutschen angemessener wählen! -~ mir riny Catechismus der mosaischen Religionslehre, von vr. E. Kley, dritte, völlig umgearbeitete Auflage. Leipzig bei K. Rudel. 1839. XU und 190 S. 8. Ein recht empfehlenswürdiges Buch für Vorbereitung zu einer hinlänglichen Sachkenntnis und zu fortschreitender Berichtigung der Begriffe. Der Vf. spricht sich in dem Vorworte recht gut darüber aus. Seine Auffassung vermeidet alles Schwanken, und nickt ohne Anregung werden die Worte bleiben: (S. VII) „Vielleicht kommt sie (diese neuere Auflage, die zweite war von 1814) trotz der 25 Jahre später, noch immer zu früh; indeß ist dieser Tadel mein Ruhm. Wer hat je für die Zeit gewirkt, ohne daß er selbst der Zeit vorausgeeilt wäre? Am meisten der Zeit voraus rst ja noch immer das Wort Gottes selbst, das, in seinen Wahrheiten, Lehren und Verheißungen so alt schon, bis auf diese Stunde noch nicht allgemein erkannt, erfüllt und verwirklicht ist. Ein zweites Vielleicht ist: diese Arbeit könnte mit so manchen andern in das Gebiet der Neologie (Neuerungslehre) und ihr Verfasser, an dem jedoch nichts gelegen ist, in die Reihe der Neologen verwiesen werden. Dies fremde Wort wird jetzt häufig im Munde wie in der Feder geführt, um die reinsten Bestrebungen und die achtungswerlhesten Persönlichkeiten zu verdächtigen; cs ist em Schreckbilb auf religiösem Boden, wie in anderen Gebieten ähnliche, durch welche man die unwissende Menge zu schrecken und zu verwirren sucht." — „Hätte doch die Vorzeit nur immer solche Furcht und ähnlichen Abscheu vor der Neologie gehabt, wahrlich, wir wären heute besser daran, wir brauchten jetzt nickt fortzuschaffen, was damals wirkliche Neologie und Neologen gegen das Gebot der Schrift Neues und Fremdartiges eingeschwärzt haben, und das, weil es ziemlich alt geworden, so vielen Widerstand verursacht." — „ Nach dem, was man jetzt mit dem Namen Neologen belegt, möchten Moscheh und die Propheten, falls sie heute zur Erde wiederkehrten, als die ärgsten Neologen erscheinen, und — es ist erschrecklich zu sagen, aber es ist so — sie würden nach den jüngsten Verordnungen in einem süddeutschen Königreiche, so wie in vielen andern Gemeinden, vergeblich eine Anstellung als israelitische Religionslehrer nachsuchen!" Dies Lehrbuch beschränkt sich eigentlich auf die positlve Religion sichre nach den drei Grundartikeln: Gott, Offenbarung, Vergeltung, so weit solche der Jugend und dem Volke überhaupt faßlich ist. Der Ausdruck ist überall klar und deutlich. Ue'oer Einzelnes hier zu rechten, — z.,B. Frage u. A. 10 mit dem folgenden, ferner 26, 42 ff. möchten nicht überall befriedigen — ist hier nicht der Ort. Uebrigens weiß ein tüchtiger Lehrer, welcher sich des Buckes bedient, kleine Schwierigkeiten auszuglcichen. So müßte auch bei der Lehre von den Festtagen (176) die Reihenfolge der kirchlichen Monate angegeben werden. Die Aussprache der Festtagsnamen könnte billig bei der herkömmlichen Weise (nickt: Schavuugotli, Ngazereth) verbleiben, zumal die der hebräischen Consvnanten immer unsicher ist. Dock wir wollen nicht durch Ausstellungen den Werth eines Werkes verringern, das des Guten so viel enthält und verbreitete Aufnahme verdient. — t— j tidk mm Lehrbuch der israelitischen Religion, nach den Quellen bearbeitet, zum Gebrauche in den obersten Klassen der Religionsschulen, mit sehr wichtigen erläuternden Anmerkungen für Eltern, Lehrer, angehende Theologen rc., von vr. B. H. Auerbach, Grßhz. Hess. Stadt- und Landrabbiner zu Darmstadt. (Approbirt von den Grßhz. Hess. RR. zu Bingen, Friedberg, Mainz, Michelstadt, Offenbach, Worms, v. d. königl. Preuß. israelitischen Consiftorien (?) zu Bonn und Crefelv, und von 35 andern isr. Geistlichen