Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 33 (16.8.1839)
- Date
- 1839-08-16
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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261 Aufnahme nicht vermehrt werden soll? Was soll der Kaufmann thun, der nach jahrelangen Bemühungen kein Unterkommen finden kann? Was soll der Familienvater, den Zeit und Verhältnisse zum Handel bestimmten, thun, wenn ihm nun fern einziger Nahrungszweig entzogen wird? Soll er seine Familie darben lassen? Die bürgerliche Stellung also ist das Motiv, das den bayrischen Israeliten bewegt, seinem Vaterlande den Rücken zu kehren, das den Jüngling aus seiner Eltern und Verwandten Mitte treibt, um sich jenseits des Meeres ein anderes Vaterland zu suchen; die bürgerliche Stellung ist es, die den greisen Familienvater nöthigt, seine Lieben um sich zu versammeln, und aus zärtlicher Sorge für diese seinen väterlichen Herd verlassend und vielen Gefahren und Mühseligkeiten sich aussetzend, nach Amerika auszuwandern. -th. — Der Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Fürth legte erst vor Kurzem bei dem königlichen Ministerium Einwendungen ein gegen die Beschuldigungen, welche ihrem Rabbiner vr. Löwi von seiner Gegenpartei gemacht wurden, mit der Bitte: das königl. Ministerium möchte den über Dr. Löwi gefaßten Beschluß moberircn. Der Vorstand wurde aber abgewiesen, mit dem Bemerken: es habe in Dr. Löwi's Prozeß sein Verbleiben bei dem vom königl. Ministerium ausgesprochenen Urlheile. — — th. Berlin. — Das von B. Auerbach im I. *832 gegründete Waisenhaus hat mit dem Beginne dieses Jahres ein bestimmtes Statut erhalten, nachdem dasselbe von Sr. Maj. unterm 22. April 1838 genehmigt und zugleich die Rechte einer moralischen Person zu dem Zwecke erlangt hat, daß diese Anstalt als solche befähigt sei, Grundstücke und Capitalien auf ihren Namen zu erwerben. Dasselbe ist erschienen unter dem Titel: Statuten des von Baruch Auerbach gegründeten Jüdischen Waisen-Erzie- Hungs-Jnstituts zu Berlin. Diese Statuten sind mit großer Umsicht und Sachkenntnis' bearbeitet, und lassen bei der sorgfältigsten Bestimmtheit im Allgemeinen doch Freiheit genug, um jede engherzige Beschränkung zu vermeiden, und insbesondere nicht der Berufswahl der Zöglinge hemmende Schranken zu setzen. Wir wünschen diese Statuten in recht viele Hände, und es leidet keinen Zweifel, daß sie segenreich wirken werden. Nach dem 1839 erschienenen 6. Jahresbericht sind nunmehr 15 Waisen darin ausgenommen. Das Capital des Instituts ist in erfreulichem Zunehmen, und die Theilnahme für dasselbe unter allen Classen der Einwohner Berlins rege. Auch von oben herab ist dasselbe mit Gaben bedacht worden. Nach so kurzer Zeit, welche seit dem Entstehen der Anstalt verstrichen ist, hat sie einen bewundernswürdigen Aufschwung genommen, und wird sicherlich mit der Zeit als eine wahrhafte Musteranstalt dastehen. — Alle Thätigkeit der hiesigen Gemeinde eoncentrirt sich auf die wohllhätigen Anstalten, und für Arme und Nothleidende wird nach Kräften gesorgt. Was hingegen die kirchlichen Verbesserungen betrifft, so erfreuen sich diese kaum einiger Aufmerksamkeit, geschweige eines gehörigen Fortganges. Bei denen, die mindestens die äußere Seite zu i verschönern wünschen möchten, findet sich nicht Energie i genug, um für einen im Ganzen so geringen Fortschritt! einen Kampf zu beginnen, dessen Vorthcilc kaum die Mühe;j des Kämpsens belohnen; und Größeres durchzuführen ist beim Mangel aller Unterstützung nicht zu hoffen. Haben ja! doch die wenigen, kleinen, fast nicht einer öffentlichen Erwähnung werthen Veränderungen im Costüm des Vorsängers,! und in der Art, den Gesang vorzutragen, womit ein Corre-! spondent aus Berlin zu Anfang dieses Jahres in einer! Zeitung gleichsam eine neue Aera für den Gottesdienst ver-! kündigte, einen Widerspruch erregt, welcher die Behörden in Anspruch nahm und noch nicht ganz beschwichtigt ist! Die Sache fällt nun allerdings sowohl durch die Geringfügigkeit des Gegenstandes, als noch insbesondere durch die Art und Weise, wie sich die Gegner jener zweckmäßigen Anordnungen geberden, ins Lächerliche, und es wird auch am Ende Alles auf sich beruhend bleiben; denn schwerlich wird man das Verbot einer Neuerung auf solche Aeußerlichkeiten ausdehnen, die mit dem Cultus gar keine Verbindung haben, und überall vom Geschmack der Zeit abhängen; allein diese Plackereien entmuthigen die Besserdenkenden, Zeit und Mühe und Opfer auf die gottesdienstliche Anstalt zu verwenden, welcher die Heranwachsende Jugend ohnehin ganz entfremdet wird, und welche, wenn auch für jetzt noch durch den Eigensinn einer Anzahl von Mitgliedern in der bisherigen Form fortgeführt, doch zuletzt, selbst mit einzelnen Verbesserungen, die nächste Generation nicht mehr anspricht. Die durch solche Verhältnisse sich immer mehr verbreitende Lauheit ist denn auch zugleich die Ursache der wachsenden Unwissenheit, welche gar nichts darin sinder, sich zu einer völligen Unkunde in den eigenen Religionssachen zu bekennen. Ehemals war jeder Hausvater, wofern er nicht in der Jugend völlig vernachlässigt war, mit den wichtigsten Religionsschriften bekannt, und ergötzte sich mindestens an Feiertagen an den leichtern Schriften, welche ihm Aufschluß über manches Undeutliche gaben, oder auch seine Phantasie beschäftigten. Jetzt sind derartige Schriften fast verhaßt, und kaum findet sich noch Jemand, welcher deren relativen Werth genugsam anerkennt, um solche Werke gern zu unterstützen. — Die neuern mehr wissenschaftlichen Beh strebungcn scheinen indessen etwas mehr Anklang zu finden, und es ist wohl möglich, daß die Wahrnehmung des innern Werthes, den die Religionsschriften enthalten, und der durch neuere Leistungen offenbar nach außen hin gewonnenen Achtung, den theologischen Arbeiten bei der jüngern Generation einigen Eingang verschafft. Da mag man denn auch von der Klarheit wissenschaftlicher Untersuchungen endlich Verbeyerungen erwarten, welche bisher unter dem Namen Neuerungen zurückgewicsen worden, weil eben denen, die darüber zu urtheilen haben, die richtige Erkenntnis abgeht. Das ist ein großer Umweg, aber er führt doch noch zum Ziele. Besser wäre es freilich, wenn wir einen energischen Rabbinen erhielten, oder wenn eine mit gehöriger Vollmacht versehene Behörde zur Verbesserung der gvttesi dienstlichen Angelegenheiten und des Religionsunterrichtes eingesetzt würde. Amsterdam, 30. Juli. — Aus unfern Lande kann man stets nur Beweise ächter und thatsächlicher Toleranz berichten. Man darf gewiß nicht behaupten, daß hier im Allge-! meinen Gleichgiltigkeit gegen Religion herrscht, jede Kirche hält vielmehr streng an ihrer positiven Form. Um so erfreulicher ist es, daß die Scheidewände außerhalb des Gottesdienstes nicht wahrgenommen werden, und ein bürgerliches Band alle Confessionen umschließt. Die Israeliten nehmen an allen gemeinnützigen Anstalten des Staates ihren Antheil, so wie sie ihren Antheil zum Staate beitragen, und ihre! Religion erfreuet sich einer gesetzlichen Anerkennung, so daß! sie in Ausübung derselben auf keine Wetse gehindert werden. > Zunächst veranlaßt wird hier diese Betrachtung durch die am j 24. d. statt gehabte feierliche Entlassung der reifen Zöglinge des Taudstummeninstituts zu Groningen. Dort befin-! den sich Schüler aus allen Kirchen, der Unterricht ist gemeinschaftlich, nur in Religion erhält jede Confession ihren besondcrn Unterricht, und den israelitischen Kindern wird gestattet, nur gesetzmäßig erlaubte Speisen zu empfangen. Bei der erwähnten Entlassung wurden 15 Reformirte (Calvinisten), 2 Lutheraner, 8 Katholiken von ihren respecriven Geistlichen confirmirt. Es befanden sich auch zwei israelitiscye Mädchen dabei, welche vor einer kirchlichen Commission geprüft wurden und darthaten, daß sie in der jüdischen Religivnslehre wohl erfahren waren. Kingston auf Jamaica, Juni. Einweihung der neuen Englisch-Deutschen Synagoge. — Mittwoch, den 12. Juni d. I. ward dieses schöne und prachtvolle Gebäude durch Herrn Nathan, Stellvertretenden Rabbinen der Gemeinde, feierlich eingeweiht. Um vier Uhr Nachmittags wurden die Pforten geöffnet, und in weniger j als einer halben stunde waren alle Sitze im untern Raume eingenommen, und die Gallerien der Frauen waren ebenfalls gedrängt voll. Die Weihe begann mit einer einleitenden Symphonie (componirt von Hrn. Cassares hieselbst).