Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 33 (16.8.1839)
- Date
- 1839-08-16
- Page
- Seite 260 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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260 (wenigstens der einfachsten) zuschreiben und sie daher als exegetisches Hülfsmittel gebrauchen? Hengstenberg (Christologie II. S. 101) bejaht unbedingt diese Frage, wegen folgender nur dadurch leicht zu erklärender zwei Stellen beim Jerem. „ die erste ist das bekannte Cap. 25, 26 u. 51,41 für das in den Parallelstellen heraustretende ^22; die zweite, noch viel wichtigere, ist Cap. 51, 1: iftp 2b r welches auf gleiche Weise aus das in der Parallelstelle V. Z5 ausdrücklich stehet, entstanden sei. Und so werden auch diese Stellen von den Raddinen, denen einige christliche Ausleger beistimmen, erklärt. Zu diesen kann vorläufig noch Zach.*) 1, 8 welches den Erklärern so viele Schwierigkeiten macht, binzugefügt werden, indem es für □'H'Q Cap. 6, 3, in welchem jedoch das gemeinsame -> nicht vertauscht wurde, zu nehmen wäre. Bevor aber diese Anwendung des ^nns von Seiten der Propheten, auch nur als Vermuthung ausgestellt werden kann, muß vor Allem ermittelt werden: 1) weßhalb sie solche Vertauschung angewendet und nicht lieber das einfache Wort gebraucht haben? und 2) was die dadurch entstandenen Wörter bedeuten? Die Lösung der crstern Frage wird durch ähnliche Verwandlung bekannter Namen in unbekannte, welche einen mystisch prophetischen Sinn ausdrücken sollen, erleichtert. Vergl. Ies. XXI. 1, 11; XXH. 1; XXIX. 1; Ez. XXIII. 4, u. a. S. Gesen. u. Hitzig Comm. Schwieriger ist die der zweiten, zumal bei der Abneigung gegen sogenannte rabbinische Spitzfindigkeiten. Inzwischen mag Hengstenberg Recht haben (a. a. O. 11. S. 10) von -pti», wie ^22 von ^2 (wohl besser von “jiiGitf und ^n^n) abzuleiten und als Niedersenkung (vergl. Ier. kl. 64) zu erklären, welches zugleich den baldigen Untergang Babylons andeuten soll. Das iq? 2^ ist noch leichter zu erläutern, durch die Beziehung des rplT^ß ITH auf -py£, wozu 2^ zu passen scheint; es soll die Chaldäer als die furchtbarsten Feinde Israels bezeichnen. Eben so mochte □'tppiy von der Bedeutung herbeilocken (s. Zach. 10, 8 u. a. St.) einen symbolischen Sinn haben (wie die Rosse an dieser Stelle überhaupt). — Obgleich nun die angeführten drei Beispiele eine Buchstaben-Vertauschung bei den jüngern Propheten darzuthun scheinen, so halten wir dies noch nicht mit Hengstenberg für zuverlässig, sondern wünschen, daß noch andere Beweise gefunden werden mochten, damit wir hierin zu einiger Sicherheit gelangen. *) Der Herr Vf. dieses Aufsatzes ist mit einer ausführlichen, fast schon druckfertigen Arbeit über den Propheten Zacharia beschäftigt, von der wir etwas Gediegenes erwarten. Sie ward von ihm bereits 1837 in Bonn als Preisfrage behandelt, und fand, obwohl ihr wegen Mängel in der Form, wie dies die veröffentlichten Urtheile über die Coneurrenzschriften ausdrücklich bemerken, der Preis nicht zuerkannt worden, doch wegen ihres Gehaltes gebührende und ehrende Anerkennung. Wir halten es um so mehr für angemessen, darauf aufmerksam zu machen. D. Red. Nachrichten und Correspondenzen. München, 2. August. — In der Augsb. Mg.Zeitung vom 1. August schreibt ein Correspondent von Berlin aus: „Die neuesten Auswanderungen nach Amerika haben nicht dlos in dem Abendmahlsstreite ihren Grund, sondern die Hauptursache dieser Auswanderungen ist die Zeitkrankheit der Auswanderungssucht." Als Beweis hiefür führt er einen Artikel der Allg. Zeitung des Iudenthums von Hamburg datirt an, worin es heißt, daß 88 jüdische Familien sich nach Amerika eingeschifft haben. „Sie sind aus dem Würzburgischen in Bayern, größtentheils Professivnisten aus den Gebieten der Standesherrn." „Nickt wegen der Differenz der Einsetzungsworte," fährt er fort, „kehren diese dem deutschen Vaterlande den Rücken. Gewiß nicht; es müssen hier andere Motive vorherrschen." Ich beschränke mich blos auf das Letztere, und stimme damit völlig überein. Nicht der Hang zur Sektirerei — das Iudenthum kennt keine Sekten —, nicht religiöse Schwärmerei veranlaßt den Juden, sein Vaterland zu verlassen; der Kampf um die bürgerliche Freiheit, dessen Beendigung viele nicht abwarten wollen und können, treibt ihn an, das freie Amerika zu seinem Asyl zu wählen. Es ist das ein Kampf, in welchem sich das Iudenthum seit seinem Entstehen befindet. Im Alterthum hatte es zu kämpfen um sein eigenes Territorium, um einen eigenen Staat zu bilden; nachdem es aufgehört, ein solcher zu sein, drohte das Mittelalter mit seinem fürchterlichen und finstern Fanatismus den von des Römers Schwerte übrig gebliebenen Rest Israels zu verschlingen: Existenz und Religion, körperliche und geistige Freiheit waren stets in Gefahr. Das 18. und 19. Jahrhundert suchten mit ihrem wohlthuenden Lichte wenigstens in einer Beziehung auch in Deutschland das wieder gut zu machen, was die frühem Jahrhunderte verschuldet hatten: sie sicherten dem Iudenthume religiöse Freiheit. Der Jude konnte offen und frei dem Herrn dienen, das Wort Gottes lehren und hören, sein Glaube wurde gleich dem seiner christlichen Mitbrüder beschützt und bewacht. Zwar hat seitdem mancher hochgesinnte deutsche Fürst auch für bas bürgerliche Wohl seiner israelitischen Unterthanen wahrhaft väterlich gesorgt, und ihnen außer der Gewissensfreiheit völlige bürgerliche Gleichstellung mit den christlicken Unterthanen gewährt. Aber noch ist der größte Thcil der deutschen Israeliten ohne diese Gleichstellung, noch ist der größte Theil an gewisse Beschränkungen gebunden, die auf jedes Verhältniß, ja auf das ganze Leben des Israeliten hemmend einwirken. Betrachten wir nur die Verhältnisse der bayrischen Israeliten, so ist schon im Edikt vom 10. Juni 1813 den jüdischen Glaubensgenossen im Königreiche vollkommene Gewissens-Freiheit gesichert. Auch wirb von unserer hochweisen Regierung für gründlich gebildete und religiöse Rabbiner und Volkslehrer gesorgt, und unsere geistige Bildung schreitet immer mehr auf der guten Bahn fort. Die geistigen Verhältnisse bestimmen sonach den bayrischen Israeliten nicht, seinen heimathlichen Boden zu verlassen, und einen fremden und fernen Aufenthalt zu wählen. Es muß also ein anderer Grund hiefür vorhanden sein, und diesen brauchen wir nickt weit herzuholen; er liegt nahe, sehr nahe. Es ist die Beschränkung des Handels und mancher Gewerbe und die der Ansässigmachung. Abgesehen davon, daß manche Gewerbe, wie z. B. Brauereien, Sckenk- und Gastwirthschaften, dem Israeliten nicht gestattet sind, so kann selbst der Profession ist nur dann in einem Orte sich ansässig machen, wenn in demselben Orte ein Matrikel vakant wird. Denn in dem oben besprochenen Edikt heißt es §. 12: „Die Zahl der Iuden-Familien an den Orten, wo sie dermal bestehen, darf in der Regel nicht vermehrt werden, sie soll vielmehr nach und nach vermindert werden, wenn sie zu groß ist." Ich frage nun,' was erwartet den Handwerksmann, wenn er Alles geleistet hat, was zu leisten war, wenn er sich nähren will von seiner Hände Arbeit? Muß er nicht auf den Tod eines seiner Glaubensgenossen harren, wenn die Zahl der Familien durch seine