Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 33 (16.8.1839)
- Date
- 1839-08-16
- Page
- Seite 259 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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259 Schrift zugeschrieben, und 89 (der 3ten Auflage) des Johlson'schen, wo derselbe Begriff etwas bedächtiger beschrieben wird. 2. In Betreff der antithalmudischen Lehren, auf Frage 206 des Erster« und 209 des Letztem über N ä chft e n p fl i chten, — welche übrigens ganz vortrefflich sind, — aber mit dem Thalmud nicht übereinstimmen, t>CV Avoda Sara fol. 6. 1. und nach M a imonides an vielen Stellen durchaus anders lehrt. „Nun, welcher von beiden Lehren soll das aufblühendc Geschlecht folgen? Soll es den Verfassern der Katechismen glauben, das alle Menschen Brüder sind? oder soll es nach dem mündlichen Gesetz, welches jene selbst für göttlich erklären, die Christen für Götzendiener halten, und demnach von den Pflichten der Nächstenliebe ausschließen?" ./Der Baierische Katechismus erlaubt sich sogar, Fr. 180, über die Pflicht, des Lebens Anderer zu schonen, Maimonides Rozeach I. 4 ganz falsch zu citiren, und zu verschweigen, welche harte Lehren M. hinzufügt; so daß ein nachschlagender Schüler sehr bald sehen muß, wie der Katechismus das sogenannte mündliche Gesetz umgeht und abändert. Der Johlson'sche beruft sich seltener und vorsichtiger auf den Thalmud, doch citirr er zu Frage 216 den Traktat Gittin 61, welche Stelle durchaus nicht die ächten Grundsätze der Menschenliebe darbietet. Man will es jedem recht machen, und muß daher auf die Unwissenheit der Leser rechnen." — „Ich muß hinzusetzen, daß solch ein Verhalten, solche Entstellung und Unterdrückung der Wahrheit, zu jeder Zeit unheilbringend ist und auf die Gesinnung der jüdischen Jugend die nachtheilichsten Einflüsse üben muß." „Die jüdischen Reformatoren müssen entweder dem Thalmud geradezu entsagen, oder für eben so unaufgeklärt und intolerant wie ihre Väter zu gelten, sich gefallen lassen!" Nach einigen ähnlichen und noch empfindlichem Auslassungen kommt der Vf. auf den 1820 unter Autorität des Consistoriums zu Paris erschienenen israelitischen Katechismus, worin die göttliche Autorität des Thalmuds, seinem ganzen, ungetheilten Inhalte nach, als Glaubensartikel gelehrt wird, während dennoch darin die allgemeinste Menschenliebe als Grundsatz gilt, welches ein offenbarer Widerspruch ist, da das System des Thalmuds unumwunden starke Unterschiede ftatuirtt Demnach bleibt seine Aufforderung, sich offen und ohne Umschweif über diese Punkte auszusprechen, auch hier noch unerledigt. — Was nun hierbei wesentlich erscheint, ist etwa dieses, daß alle, auch die streng rabbinischcn Israeliten wohl von der Ungerechtigkeit und Ungöttlichkcit vieler Aussprüche in den thalmudischen Werken überzeugt sind; aber doch andrerseits diese Werke für die Schatzkammern des mündlichen Gesetzes ansehen. Es fragt sich also: Welche Lehren und Gesetze in diesen Werken tragen die Spur menschlicher Irrungen an sich, und welche sind in ihnen als offenbartes Gesetz zu betrachten? Es müssen zur gründlichen Scheidung bestimmte Prinzipien ermittelt werden, und es wäre vielleicht wünschenswerth, diese Prinzipien in die Katechismen mit einzurücken.*) Forschungen, die Spuren alter Buchstaben - Vertauschung, von I. Kahn, Candidat (a. d. Trierschen). Ein bekanntes Mittel zur Anknüpfung hagadischer Lehren an Bibelterte ist die Buchstaben-Vertauschung nach verschiedenen Systemen und Schematen: wie v/2 ax 102 > JJi22 Dh8 > H2 28 und andern. Man nannte dies jvas-ft grammatische Sprache oder Andeutung (Hieros. Taan. 3,10 steht zwar |VnE2:i, es ist jedoch dasselbe Wort, wie aus dem Commcnt. zu ersehen;) ebenso das in Pestkta Rabba vorkomkommende pp"i££:;). Diese Buchstabenvertauschung ist nicht, wie Gesenus (IV». 8. sagt: „ die hebr. Ausleger und Hieronymus nehmen es für eine nach Art der Kabbalisten gebildete Form für ^22, nach der geheimen Schreibart Atbasch," ebenso Burtorf, etwa nur den Kabbalisten eigen, sondern schon sehr alt, wie folgende Stellen beweisen. Succa52, 2; Pestkta, Abschn. Ehana, PesachimS; Schab. 104, 1. Das älteste Schema ist wahrscheinlich das E'2 H8 als das einfachste, was auch die zuletzt angeführte Stelle, nach welcher man sogar an dessen Reihenfolge — gleich der des gewöhnlichen Alphabets selbst — hagadische Lehren anknüpfte, darthut. — Es muß nun die Frage entstehen: dürfen wir den Propheten — wenigstens den später» — die Bekanntschaft mit dieser Buchstaben-Vertauschung *) Zu bemerken ist, daß Dr. (f. Kley in seinem Katechismus der Mosaischen Religionslehre (1839 3te Auflage) entschiedener auftritt, indem er S. 16 sagt: „Auch diese Bücher — Mischua und Gemarah — enthalten des Trefflichen zur Belehrung viel, können aber nicht mehr als das geoffenbarte Wort Gottes betrachtet und zur heiligen Schrift gezählt werden." — „In den 24 Büchern der heiligen Schrift erkenne ich das einfache, unverfälschte, lautere Wort Gottes vom Anbeginn der Offenbarung bis zu ihrem Schluffe." — 33*