Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 33 (16.8.1839)
- Date
- 1839-08-16
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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258 dagegen, an welchen Punkten er die Wahrheit verkannt haben dürfte. Da er die Form der periodischen Publicirung wählt, um seine Ideen in die Welt zu senden, so eignet sich auch die periodische Literatur dazu, ihm entgegen zu treten. Damit dies nun mit Erfolg geschehen könne, wird Einsender dieses alles dasjenige, was dort in englischer Sprache vorgebrachr wird, hier den deutschen Lesern übergeben, ohne sich darüber ein Urtheil anzumaßen, — die Widerlegung muß von solchen Männern erfolgen, welche fähig sind, die Frage in ihrer ganzen Größe zu erfassen, und welche durch das Gewickt ihrer Stimme und ihrer Stellung als Vertreter ihrer Sache allgemein anerkannt werden, — denn mit einzelnen Meinungen, die der Eine annimmt und der Andere verwirft, ist hier nichts gethan. Wir werden alles Uebcrstüssigc und Bekannte nicht weiter berühren, sondern nur das Wichtigste und möglicher Weise mit den Worten des Angreifers wiedergcben, und sehen kräftigen Antworten, insbesondere von Seiten der gelehrten und in Israel geachteten Rabbinen entgegen, damit wahres Licht über die streitigen Punkte verbreitet werde. Schon in den Jahren 1834 — 1838 lieferte vr. A. M'Caul in das British Magazine eine Reihe von Aufsätzen, welche zum Zweck haben, das Judenthum, theils nach den Quellen desselben, theils nach den neuern Entwickelungen, im Leben darzuftellen. Diese Aufsätze erschienen 1838 besonders abgedruckt, unter dem Titel 8ketches (Skizzen). In diesem werden der größeren Lesewelt interessante Aufschlüsse über den Zustand der intellcctuellen Bildung der rabbinischen Juden gegeben, und stellt der Vf. dieselben mit Recht sehr hoch, während er verschiedene Schwächen des Rabbinismus, theils in seiner mystischen Ausartung, theils in seiner Versiegung durch die seit Mendelssohn eingetrctene Reform (meist nach Jo ft's Geschichte der Israeliten aufgefaßt), theils endlich in seiner eigenen Mangelhaftigkeit, namentlich in Betreff der Bildung des weiblichen Geschlechtes, aufzudecken bemüht ist. — In dem 6ten Aufsatze beginnt er eine starke Polemik gegen die Lehrwejse der neuern Katechismen, und fordert sie zur Verantwortung auf, indem er ihnen Zweizüngigkeit (donhlc dealiug) zum Vorwurfe macht. Dies verlangt schon eine bestimmte und klare Beantwortung, nicht sowohl seitens der Betheiligten, als vielmehr der sämmtlichen Schulen, welche dieselben oder ähnliche Katechismen eingeführt haben. Denn er greift die Systeme an, nicht die einzelnen Darstellungen derselben. — Des Vf. Ausdruck lautet also: „Der erste Ausbruch (paroxysm) der jüdischen Reformation war sehr heftig. So lange er dauerte, entsagten die Juden, wie Jost zugesteht, dem Thalmud und seinen Observanzen ganz und gar. Sie dachten nur auf Gewissensfreiheit und athmeten die reinste Menschenliebe. Einige Wirkungen davon sind noch sichtbar. Die reformirten Juden sind äußerlich, und viele gewiß auch von Herzen, ganz verschieden von den altgläubigen Bekennern des Rabbinismus. Allein, was hat diese Reformation, welche in den letzten dreißig Jahren so viel Aufhebens in Deutschland gemacht hat, für den religiös moralischen Unterricht der jüdischen Nation wirklich bezweckt? Hat sie sie von den Abgeschmacktheiten und anti-socialen Lehren des Thalmud befreiet? Hat sie sie dazu verholfen, offen und entschieden gegen alle traditionellen Verfälschungen des reinen und heiligen Gesetzes Mosis zu protestiren? Hat sie dieselben angeregt, ein freies und ehrliches Bekennrniß ihres Glaubens abzulegen, welches die Verschiedenheit zwischen ihnen und den alten Thalmudiften darthäte? Von allem dem ist nichts geschehen. — Dies schließe ich aus den neuern jüdischen Katechismen." Angeführt werden nun die beiden von Alex. Behr und von Johlson, crftercr unter rabbinischer Autorität und auf öffentliche Kosten gedruckt und in Baiern eingeführt, letzterer sehr beliebt und allgemein empfohlen (1839 schon in 4r verb. Auflage). „Diese Katechismen also geben uns einen Begriff von den Grundsätzen, in welchen die jüdische Jugend eines bedeutenden Theiles von Deutschland unterrichtet wird, und laßt auf die Denkweise der nächsten Generation einen Schluß ziehen." — „Diese Katechismen behaupten erst die göttliche Autorität des Thalmud; dann lehren sie relative Pflichten nach anti-thalmudischen Grundsätzen, und bekräftigen letztere sogar mit verstümmelten thalmudischen Belegen, welche in ihrem Zusammenhänge gerade das Gegentheil von dem besagen, was sie in den angeführten Stellen bestätigen sollen!" Diese harre Anklage wird, begründet auf p. 13 und 16 des Baierischen Katechismus, wo ausdrücklich dem Thalmud gleiche Autorität mit der heil.