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Israelitische Annalen · 1839-08-09 · Heft 32 (9.8.1839) · p. Seite 253

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 32 (9.8.1839)
Date
1839-08-09
Page
Seite 253 (sequence 5)
Language
German
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253 die Anstellung eines Lehrers meistentheils nur von einer Prüfung der erforderlichen Kenntnisse und einigen nöthigen Ausweisen abhängig ist, der Erfolg aber eine Menge Eigenschaften voraussetzt, die sich bei jüdischen, nicht in Seminarien gebildeten Individuen, selten beisammen finden. Daher überwachen sorgfältige Eltern sowohl die Fortschritte ihrer Kinder, als auch insbesondere die disciplinarische Seite mit so größerer Strenge, als die Lehrer selbst bisweilen nicht klar genug sehen, wie viel zu leisten sei, wenn sie eine verwahrlosete Jugend bilden sollen, und mit Vertheilung der Stunden und Einprägung einiger positiven Kenntnisse alles Mögliche gethan zu haben glauben. Aeußerlich ist das oft genug, aber die innere Durchbildung der Gesinnung erfordert weit mehr, und Nachsicht ist hierbei an Unrechtem Orte. Je fester die israelitischen Hausväter auf bestimmte Leistungen, namentlich in Beziehung aus Disciplin, Ordnung und Begriffsklarheit bestehen, desto mehr leisten die Schulen! Man sollte da, wo die Erziehung bisher nur wenig gethan hat, in gegenwärtiger Zeit recht viel fordern, minder in Betreff der Kenntnisse, als vielmehr, der genauen Schul- Mäßigkeit und Gesittung. Die Gallizischen Rabbinen. (Schluß.) Schon im Jahre 1836 veroronete eine Kaiserliche Verfügung , daß vom Jahre 1846 an Niemand als Rabbiner angestellt werden soll, welcher nicht Philosophie und Pädagogik regelmäßig studirt hat, und darüber Universitätszeugnisse aufweiset. Jeder Wohldenkende freuete sich innigst über diese Verordnung, und dankte dem Herrn für diese väterliche Sorgfalt einer weisen Regierung. Ja, es stand zu erwarten, daß nunmehr eifriger Fleiß auf die nölhige Vorbereitung zu solchen Veränderungen verwendet werden würde. Leider aber sind schon drei Jahre verstrichen, ohne daß bis jetzt etwas geschehen ist. Von selbst wird auch wohl nichts gethan werden. Aller Augen sind auf die kräftige Einwirkung des hoben Guberniums gerichtet, welches ohne Zweifel die weisen Zwecke jener Verfügung in's Werk sezzen wird. Das Jahr 1845 wird wahrscheinlich verstreichen, und was wird geschehen? Sämmtliche Rabbinen, welche den gerechten Anforderungen nicht genügen können, werden ihr Amt verlassen müssen! Die Größern werden in Rußland Stellen suchen, und die Kleinen von Almosen leben, um nur nicht wegen Philosophie der Ketzerei beschuldigt zu werden. Es ist nur gar zu gewiß, daß selbst drei bereits anderswo genannte Rabbinen, deren Anerkennung man erwarten dürfte, ebenfalls aus diesen Gründen ihr Amt verlassen werden. Was wird bann weiter werden? Ganz erledigt können die Stellen überall nicht bleiben, (obwohl in Einigen Kreisen eS schon seit einiger Zeit der Fall ist); man hat daher abermals eine unzulängliche Besetzung derselben zu gewärtigen, so daß die edle Absicht der menschenfreundlichen Kaiserlichen Regierung nicht erreicht wird, wofern nicht zweckmäßige Anstalten getroffen werden, um der Zukunft vorzuarbeiten. Vielleicht ist es gestattet, hier in dieser Hinsicht einen Wunsch auszusprechen, welcher höhern Ortes einer nähern Erwägung nicht unwürdig befunden werden möchte. Wir möchten nämlich vermeinen, daß dem ganzen Uebel durch Errichtung eines rabbinischen Collegiums (Seminars) nach dem Muster der vortrefflichen Anstalt zu Padua abgeholfen wäre. Denn von einer Vorbereitung der gegenwärtig fungirenden Männer zu der 1846 eintretenden Prüfung ist nun einmal nichts zu erwarten. Wunder geschehen jetzt nickt mehr, kein Engel Gabriel flößt mehr in einer Nacht einem Lieblinge die 70 Sprachen ein, und kein Dämonium steht dem Unwissenden zur Seile, um in der Eile ihm alle Wissenschaften zuzuflüstern! Diese fordern Zeit und Fleiß und ernste Beschäftigung! — Was die Schule zu Padua betrifft, so kann sie denen in andern Ländern nicht genüge». Abgesehen von der Entfernung braucht auch der Gallizier und Pole nicht die i ta liä n i sch e Sprache zu erlernen, welche dort angewendet wird, und das dortige Thalmudstudium hat er in derHeimath bereits vollständiger und gründlicher. Einer Anstalt für wissenschaftliche Bildung und Durchdringung ihres Materials bedürfen die Rabbinen Galliziens, und die wirkt am Besten in ihrer Mitte, etwa in Lemberg, Brody, oder Tarnopol. Das Wichtigste bei dieser Angelegenheit wäre dann allerdings die Wahl tüchtiger Lehrer, welche nicht bloß recht ausgezeichnet in ihrem Fache, Thalmud und was dazu gehört, bewandert sein müssen — denn bloß wissenschaftlich gebildete Männer würden kein Zutrauen gewinnen — sondern daneben Männer von anderweitiger Bildung und philosophischem Geiste, anerkannt religiös und wegen ihrer Liebe zur Religion und ihres Eifers für das Wohl Israels in Verehrung stehend. Wo diese Bedingungen fehlen, wirb eine solche Anstalt dasnicht leisten, was sie soll, wie die Rabbinen - Schule zu W . . . hinlänglich beweist. Der Unterricht müßte nach Zeit und Ordnung durch reifliche Erwägung der Verhältnisse festgestellt werden, so daß er sich nachmals regelmäßig bewegen kann. Das Uebrige ergiebt sich aus der Erfahrung. — Endlich aber wäre es zweckmäßig, den aus solcher Anstalt hervorgehenden Volkslehrern durch höhern Orts zu erlassende Verfügungen einen genauen Wirkungskreis zu überweisen und bestimmte Gehalte zu sichern, damit sie weder durch eigene Willkühr ihre Befugnisse überschreiten können, noch andrerseits von milden Gaben abhängig und dadurch in ihrem Wirken behindert werden mögen. — Auf diese Weise könnten wir mit der Hülfe Gotes in wenigen Jahren dahin gelangen, auch hier einen bessern Geist in Polen und Gallizien aufblühen zu sehen, einen Geist der Erkenntniß und Weisheit, der Tugend und Sittlichkeit, der den Israeliten selbst und dem Staate, welchem sie angehören, zum wahren Heile gereiche! — Aus Unterfranken. (Schluß.) — Es giedt nämlich Männer in unserm Kreise, denen es nicht genügt, einen Rabbiner zu erhalten, der durch seinen bisherigen Lebenswandel zu der Hoffnung berechtigt, daß er das ganze Gebäude des Radbinismus in seiner bisherigen, wenn auch noch so baufälligen Form und Gestalt belassen werde; sie wollen hiefür auch eine sichere Bürgschaft haben, und diese Bürgschaft glauben sie nur darin finden zu können, daß er in allen andern Kenntnissen, außer den thalmudischen, so unwissend als möglich sei. Demgemäß wendeten sie bisher, da sie keine Hoffnung hatten, solche Rabbiner wählen zu dürfen, alle möglichen Mittel an, die Anstellung junger Rabbiner überhaupt zu hintertreiben; und jetzt, da ihnen dieses nach der freiwilligen Abdankung des Herrn Oberrabbiners nicht mehr möglich ist, geht ihr Streben dahin, daß Männer mit der oben bezeichneten Qualität des Nichtwissens zu Rabbinern gewählt werden. Auch haben sie für alle Distrikte solche Kandidaten in Bereitschaft; ihr Hauptaugenmerk ist aber auf die Besetzung der Rabbinatsstelle in der Kreishauptstadt gerichtet. Da sie jedoch daran verzweifeln, für diesen Distrikt, wie sie es wohl gern möchten, einen Rabbiner aus Polen verschreiben zu dürfen: so haben sie sich ganz aus der Nähe einen Mann ausersehen, welcher sich ohne Scheu für einen Polen ausgeben könnte. Dieser hatte sich vor 12—15 Jahren zu Fürth mit großem Fleiße dem Studium des Thalmuds und der Kasuisten ergeben, war bann, da er es für Sünde hielt, ein deutsches Buch zu lesen, geschweige denn sich zum Studium unheiliger Wissenschaften zu wen-

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