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Israelitische Annalen · 1839-08-02 · Heft 31 (2.8.1839) · p. Seite 247

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 31 (2.8.1839)
Date
1839-08-02
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 Eidels in seinen Bemerkungen zu Sanhedrin 7. läßt sich darüder aus. — Solche Volkslehrer bringen sich selbst um alle Achtung. Die dritte Classe umfaßt wahrhaft erleuchtete Männer, voll von richtiger Erkenntniß und sehr wohl wissend, wo und wie der Sittlichkeit aufgeholfen werben könnte und sollte. Aber der Ehrgeiz hält sie ab, sich des Allgemeinen anzunehmen und öffentlich die Wahrheit auszusprechen. Sie fürchten von den beiden andern verketzert oder gar durch deren Intriguen ihrer Stellen beraubt zu werben. Daher suchen sie absichtlich den Schein zu verbreiten, als billigten sie alle Thorheiten und Verirrungen, welche andere aus Unwissenheit begehen, und sind geradezu scheinheilig, so daß selbst dieCbasidim durch sie in ihrer Verkehrtheit bestärkt werden. Was solche Leute der Sittlichkeit schaden, ist leicht zu begreifen. Die alte Zeit kannte schon dergleichen, wie denn (Sota 25) schon der sterbende König Iannai zu seiner Gemahlin sprach: Fürchte nicht die Pharisäer, und nickt ihre Gegner, wohl aber ihre Gefärbten, welche den Schein der Pharisäer annehmen! — Auf diese Weise ist durchschnittlich das Radbinat beschaffen, und das Schlimmste dabei ist, daß die Menge unbekümmert um Wahrheit, sich demselben in allen Formen anschließt und darum um so mehr darin bestärkt wird, als die Reichen sich's zur Ehre rechnen, mit Rabbinen in enger Verwandtschaft zu stehen, und folglich Geld und Einfluß sich mit dem Amte verbindet. In kleinern Städten sind die Rabbinen geradezu Untcrthanen des Oberhauptes der Chasidim, welcher nach Belieben die Stellen besetzt; fast lauter Unwissende und seine Creaturen. In der Tbat wäre es besser, über diese traurigen Verhältnisse ein tiefes Stillschweigen zu beobachten, da sie keinem zur Ehre gereichen. Allein täglich vergrößert sich der Uebelstand, und die Gesittung leikel dabei auf alle Weise; da ist es doch wohl an der Zeit, die öffentliche Aufmerksamkeit darauf hinzulenken. Was Hesekiel über die schlechten Hirten ausspricht, findet ganz und gar seine Anwendung hier. Auch wirb die Strafe nicht ausbleiden! Sie schwebt vielmehr bereits über den Häuptern derer, welche nicht an Besserung denken. (Schluß f.) Literatur. Schulbücher. 1. Lese- und Lehrbuch für israelitische Elementarschulen. Herausgegeben von M. Mannheim, Lehrer an der israelu. Elementarschule in Köln. Mit einem Vorworte des Consistorial-Rabbiners, Herrn I)r. A. Auerbach jun. in Bonn. Bei F. C. Eisen in Bonn. IV. 152 S. gr. 8. (36 kr.) Dem Vorworte, welches sich dahin äußert, baß bisher die meisten Lehrer, in Ermangelung eines Elementarbuches, welches zugleich die konfessionellen Grundideen der iraelitischrn Religion auf entsprechende Weise dem jugendlichen Gemüthe zuführe, sich genötbigt sehen, christliche Elementarbücher zu benutzen, in denen sie offenbar manches für ihren Zweck Ungeeignete übergehen, wo nicht gar als der eigenen Religion widersprechend, zu neutralisiren suchen müssen, — pflichten wir gänzlich bei. Fast in allen israelitischen Schulen hat man dies empfunden, und die bisherigen Versuche haben, so weit sie uns bekannt sind, die Aufgabe nicht gelöst. — Das vorliegende Werkchen ist offenbar die Arbeit eines Schulmannes, welcher feine Aufgabe erkannt hat, und sie praktisch zu lösen versteht. Wir erwarten daher von der Einführung dieses Buches, welches sich gewiß reckt bald seinen Weg nach vielen Seiten hin bahnen wird, die Verwirklichung einer in der That sehr wichtigen Idee, wenn auch die vorliegende erste Anlage noch manches zu wünschen übrig lassen dürfte. Wir halten cs für wichtig, hierüber unsre Ansicht auszusprechen; vielleicht dient es dazu, dem nützlichen Werke in der Folge noch größere Vollkommenheit zu verschaffen. Dasselbe hat 6 Abtheilungen: 1. Moralische Sätze und Erzählungen (51 Seiten); 2. Gedichte, Lieder, Fabeln, Denksprüche und Räthsel (22 Seiten); 3. Aufgaben aus der Satzlehre (? Seiten); 4. Beschreibungen und Briefe (14 Seiten); 5. der Mensch (24 Seiten). 6. Abriß der Geschichte der Israeliten. (20 S.) — Im Allgemeinen nun ist, namentlich in der ersten Rubrik, Ton und Ausdruck recht angemessen, und der Inhalt sehr gut gewählt. Einzelne kleine Mängel wirb die folgende Auflage leicht berichtigen, z. B. S. 3 ließ dem frommen Akiba.verbieten," (nicht ihm, sondern allen Juden); das. unten: N. „wurde geschickt.... um die Gunst zu erwerben." S. 5. R. M. saß in der Lehrschule, während seine Söhne starben, (umgekehrt, sie starben, während u. s. w.) S. 6 unten: „der sich .... . durch s. Abtrünnigkeit auszeichnete (wohl nicht gut möglich, zumal nachher steht, daß er allgemein verachtet ward.) Auch ist „mystische Studien" kein Ausdruck für die Elementar-Jugend. S. 12. Als I. seinen nahen Tod fühlte, st. s. T. nahe, ober, die Nähe s. Todes fühlte. S. 16. König Monbas, st. Monobaz. S 46. Doch der Arzt verbrauchte, st. d. A. wandte .... an; schmolzen, statt erweichten. S. 40. Wer sich Wohlwollen durch Mittel erlangt (statt erwirbt), welche nur der Zeit und den Umständen nach schmeicheln u. s. w. S. 54. Der s. Schüler liebte, und wenn . . . ., so gab er Verweise. — Wir wollen diese kleinen Ausstellungen nicht vermehren, sondern nur auf die Nothwendigkeit einer strengen Durchsicht des Einzelnen bei folgender Auflage Hinweisen. Dann möchte auch die mitunter etwas zu schroffe Vermengung der jüdischen Legenden mit gewöhnlichen Kinderhistörchen, und der Biblischen mit modernen Namen Abänderung verdienen. Die allzuarge Schilderung der Folgen körperlicher Unsauberkeit (S. 21) ist vielleicht nickt zu billigen. Das Stück Nr. 45 ist zu sehr spielend und in sich selbst widersprechend, um einen klaren Begriff zu geben, cs bedarf einer Umarbeitung. — An der zweiten Rubrik ist gar nichts auszusetzen, sie ist recht gut gewählt. Die dritte konnte wegbleiben, sie gehört nickt hieher und leistet auch in so dürftiger Gestalt gar nichts. Die Vierte giebt eine allgemeine Ansicht von der Naturgeschichte; bann aber folgt Nr. 5. Jerusalem, Nr. 6 die Beschreibung des Adlers und? die des Oelbaumes; — dies ist ein völliger Mißgriff. Zu der Auszeichnung dieser zwei Naturgegenstände ist eben so wenig genügender Grund, wie zur Einschiebung der Beschreibung Jerusalems. Die Paar „Aufgaben," S. 103, sind ganz und gar eilfertig und ungeordnet hingestellt; einige für Elementarscküler viel zu schwer. Die „Briefe," S. 103 ff., die als Muster bienen sollen, erfüllen im Ganzen ihren Zweck; 12 Aufgaben zu Briefen reckt gut. In der 5ten Rubrik, welche sehr gut gehalten ist, wird verhällnißmäßig dem Preußischen Staat zu viel Raum gegeben, 8'/, Seiten. Besser wäre es gewesen, die Darstellung des Menschen im Staate weiter auszuführen, und das Vaterländische einem Anhänge zu überweisen; indem so, wie es jetzt steht, das Buck für Israeliten anderer Staaten offenbar mangelhaft erscheint. Die sechste Abtheilung endlich leistet unter Anleitung des Lehrers, was sie soll. Doch ist der Ausdruck hier mitunter allzu kurz, oder auch unklar, besonders in dem letzten Stück. „ Nachdem man (?) bas furchtbarste Niedcrmetzeln derselben veranlaßt hatte, befahl man (?) eine ungeheure Menge als Sklaven zu verkaufen," u. s. w. bietet in dem Zusammenhänge, so wie an sick, kaum einen Sinn dar. Wir erachteten es für nöthig, auf den Inhalt dieses Büchleins etwas näher einzugehen, weil es in Form und Stoff der Elementarbildung der Jugend zum Grunde gelegt werden soll und daher möglichst sorgfältig gefeilt werden mußte. Dies erwarten wir von der näwstcn Auflage, während wir nicht anstehen, zu bekennen, daß bas Buch alle bisher erschienenen bei weitem übertrifft, und folglich eine verbreitete Aufnahme und Einführung eher verdient. Möge der Herr Vers, fortfahren, zum Nutzen der israelitischen Jugend zu arbeiten. Er besitzt den Beruf wie das Talent dazu, und man hat von ihm Gediegenes zu erwarten.

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