Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 31 (2.8.1839)
- Date
- 1839-08-02
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 hoffen, daß, so lange der Herr Oberrabbiner lebe ober in Funktion bleibe, eine solche Organisation stattfinden werde. Als bei demselben jedoch in einem Alter von mehr als acht, zig Jahren die bisherige Kraft seines Geistes nachließ, so daß er zur Amtsführung völlig unfähig wurde, trugen vor zwei Jahren mehrere Kandidaten bei den königl. Behörden auf seine Quiescirung und auf die Errichtung mehrerer Rabdinate im Kreise an. Die Folge dieser Anträge war, daß vorerst die Errichtung des Rabbinats Burgpreppach angeordnet wurde, das zwar nicht seine frühere Ausdehnung, aber immer noch einen fast zu großen Distrikt von mehr als 400 Familien erhielt. Zum Rabbiner wurde vor einem Jahre Herr Adler gewählt und bestätigt. Als endlich auch die Familie deS Herrn Oberrabbiner die unpassende und unwirksame Stellung einsah, in welcher ihr greiser Vater sich befand, und in seinem Namen auf seine Entlassung antrug; stand einer völligen Organisation der Rabbinats-Angelegenheiten nichts mehr im Wege. Demzufolge erging auch vor einigen Monaten die Weisung vom Ministerium an die Kreisregierung, Distrikte zu bilden und deren Besetzung zu veranstalten. Die erste Frage, welche nun berücksichtigt werden muß, ist die, wie viele Familien jedem Distrikte zugetheilt, und wie viele Distrikte demgemäß gebildet werden sollen; denn es wohnen außer den Rabbinaten Aschaffenburg und Burgpreppach, deren jedes bei 400 Familien enthält, noch über 2400 Familien im Kreise. Es könnten also, besonders wenn wir eine Parallele mit dem Kreise Oberfranken ziehen, der bei einer Anzahl von 6000 Israeliten 7 Rabbinate enthält, auch bei uns wenigstens noch 8—10 Distrikte gebildet werden. Doch sind die Gemeinden gegen eine so große Anzahl der Distrikte, weil sie die dadurch vermehrten Kosten scheuen, indem vom Staate zur Besoldung der Rabbinen noch kein Beitrag geliefert wirb. So ersprießlich also auch kleinere Distrikte wären, indem der Geistliche in ihnen eine bedeutendere Wirksamkeit als in größern äußern kann, werden wir uns wohl dennoch mit größern und wenigern Radbinaren begnügen müssen. Die Hauptsache ist es indessen, wie dieselben beseht, oder welchen Männern die geistliche Amtsführung anvertraut werden soll. Hier aber zeigen sich eben die Versuche zu Rückschritten, deren ich am Anfänge dieses Artikels erwähnt. (Schluß f.) Rheinpreußen. — Zu unserem Berichte in Nr. 24 muß ergänzend bemerkt werden, daß in der Schule auch am Sabbath 1 — 2 Stunden Vormittags Unterricht ertheilt wird. Uebrigens ist der dort erwähnte Unfug von Seiten der Geistlichkeit und der Schulbehörde des Ortes ernstlich geahndet worden, und hat sich hierin die Humanität und Gerechtigkeit derselben aufs Unzweideutigste kund gegeben, wie denn preußische Behörden in der That sicherlich nirgend eine Störung religiöser Feierlichkeiten ungestraft lassen. Wenn wir öffentlich vorhandene Uebelstände rügen, so ist es billig, die geschehene Abbülfe ebenfalls zu melden, wäre es auch nur um darzulhun, daß der Geist der Obern durchaus versöhnlich wirkt und auf alle Weise ein friedliches Verhältniß zwischen den verschiedenen Confessionen und Religionspartheien zu erhalten sich bemüht. Die Gallizischen Rabbinen. (Fortsetzung.) Wir können nicht umhin, hierbei eines andern, fast noch größern Übels zu gedenken, das sich wicderhvlentlich gezeigr hat. So oft nämlich aus den Familien, wo einige Wissenschaft zu Hause ist, meist reichen Leuten, ein Sohn von tüchtiger Bildung, dessen Geist und Gesinnung etwas Gediegenes hat erwarten lassen, ein Rabbinat erhält, so ist er augenblicklich umgewandelt, kennt weder seine Mutter, die Wissenschaft, noch seine Freunde und Brüder, durch deren Liebe er emporgekommen, mehr! und legt ab seine einfachen Gewänder, und seine einfache Gesinnung, und im hochmüthigen Gewände zeigt er Gesinnungen, die demselben entsprechen, verleugnet wohl gar öffentlich das, wozu er sich früher offen bekannte! Die Beispiele liegen nicht fern! — Ist es ein Wunder, wenn unter solcher Leitung der Gemeinden die Civilisation mit den größten Hindernissen zu kämpfen hat, bevor sie cindringen kann! Schreiber dieses hat sich bemüht, die Quellen aufzusuchen, woher es denn komme, baß diejenigen, deren Beruf es ist, Israel den rechten Weg zu führen, gerade die Irreleitung des Volkes theils zulassen, theils begünstigen? daß sie insbesondere nicht gegen dre Seklirerei und den Unfug des Chasidismus ihr Haupt erheben, und mittelst eines bessern Unterrichts ihn aus dem Felde schlagen? — Die Rabbinen in Gavizien lassen sich füglich in drei Gassen bringen, kleinere Fractionen nicht zu rechnen. Die erste Classe besteht aus den Hochbejahrten, im Ganzen nur gering an Zahl, welche durchaus jedes Nachdenken und jede wissenschaftliche Prüfung scheuen, weil ihnen der kleinste und unbedeutendste Gebrauch gleich steht den von Gott geoffenbarten Gesetzen. Diese Leute kennen das Wesen ihres Berufes gar nicht, und wissen nickt, daß ihnen obliegt, übele Gewohnheiten abzustellen und die Religion in ihrer vollen Reinheit zu lehren. Sie sehen gar nicht, baß ihr Amt sie beauftrage, zur richtigen Erkenntniß einen festen Grund zu legen, und das Gebäude der Religion, gestützt auf die beiden Grundpfeiler: Offenbarung und Wissenschaft, regelrechtaufzuführen, alle Quellen der Thorheit und des Aberglaubens zu verstopfen und die reinen Gewässer der Weisheit in alle Kanäle hereinzuziehen. Übrigens sind sie sich selbst getreu, halten am Tbalmud fest, sind uneigennützig, entsagen den weltlichen Freuden und überwachen stets ihr Gebiet, machen täglich neue Gesetze, Anordnungen und Verfügungen und suchen alles hervor, um, ihrer Ansicht nach, konsequent bas Volk streng im Herkommen zu erhalten, und in keiner Art auch nur die qermgste Abweichung vom Thalmud zu gestatten. Sie sind freilich in einem argen Jrrthum, denn gerade die Ueberbäufung der Gebräuche erzeugt zuletzt den Abfall, wie dies schon im Thatmud selbst R. Hija andeutet, indem er sagt: Mache nicht den Zaun hoher, als der Grund erfordert, sonst stürzt er ein und zerstört die Pflanzung! Allem sie handeln nach ihrer Ueberzeugung. und zeigen auch offen und ohne Hehl ihren Haß gegen jede Heuchelei und Scheinheiligkeit, wie einst Jakob Emden, Eliah Willna, Joseph Steinhardt; nur sind sie zu schwach und fürchten sich, geradezu auf die Unterdrückung des Mysticismus hinzuwirkcn. Eine zweite, etwas zahlreichere Classe besteht aus solchen, welche allerdings die Zustände sehr wohl erkennen, die Nothwendigkeit mancher Verbesserung einsehen, und unter andern Verhältnissen gern die Hand dazu bieten würden; aber ihr Eigennutz tritt hier mit ins Spiel, und zeichnet ihnen andere Wege vor. Ihnen ist das Zeitliche wichtiger als bas Ewige. Die meisten verdanken ihr Amt nur dem Mammon, den sie anwenbelen, um die Stimmen für sich zu gewinnen, und widmen daher ihre Thätigkeit wiederum nur dem Mammon. Unter ihnen befinden sich auch viele Unwissende und Unfähige, welche schon, um sich selbst keine Blöße zu geben, jede Aufklärung und Beleuchtung fürchten. Diese sind die eifrigsten Feinde der Wissenschaft und verfolgen dieselbe mit aller Macht und Bitterkeit. Dies ist ein altcS Uebel. Schon zur Zeit des zweiten Tempels schadeten diese Gelb-Priester, und zur Zeit der Thalmudistcn wird über ähnlichen Unfug geklagt. (Vergl. Mär. Rabba, Samuel vil,) Auch Samuel