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Israelitische Annalen · 1839-07-26 · Heft 30 (26.7.1839) · p. Seite 239

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 30 (26.7.1839)
Date
1839-07-26
Page
Seite 239 (sequence 7)
Language
German
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239 gröbliche Erceffe, die ihren Grund in der Chasidischen Denk» weise haben, den Feinden geradezu Anlaß gegeben, die alten Dorurlheile zu erneuen. Ein Vorfall in Berditschew (uns unbekannt!) giebt hinlänglichen Beleg von dem Über» muthe dieser Sekte, deren vornehmste Häupter dort ihren Sitz haben! Ein Urenkel des Stifters, auch Israel genannt, ein Mann, dessen moralische Eigenschaften, nach allgemeinen Grundsätzen beurtheilt, ihn keineswegs zu solchem Amte befähigen, steht jetzt an der Spitze so vieler Tausende und sein Wort wird wie ein Orakel befolgt! Dieser Chasilusmus hat reißende Fortschritte gemacht, und bethört die meisten Juden Rußlands, Galliziens und Ungarns, und kein Ort ist jetzt ohne Chasidim. *) Gegen dieses schleichende Übel thun die Rabbinen nicht allein gar nichts, und lassen so das unwissende Volk, welches gerne der Geheimnißkrämerei anhängt, und von jeder Wunderthäterei sich täuschen läßt, eine Beute des Betruges werden, sondern selbst diejenigen, welche die ganze Größe des Verderbens erkennen, treten nicht offen dagegen auf, und unterstützen es fast durch gute Aufnahme, die sie den durchreisenden Oberhäuptern der Sekte gewähren, oder durch Besuche, die sie ihnen abstatten, — augenscheinlich aus Furcht. Wagt es auch einmal einer, aus seinem Schlafe erwachend, bei den Wissenschaften anzuklopfen, so fallen sie alle, wie! arabische Horden, den Unglücklichen an und machen ihn zu Schanden! Vor einigen Jahren sprach der Lemberger Rabbiner Jakob Arnstein über mehrere andere Männer, welche dem Unfug zu steuern und die Geblendeten zu beleh-, rcn suchten, den Bannfluch aus. Geschähe dies alles übrigens stets aus Glaubenseifer und aus der Überzeugung, daß die Wissenschaft zum Unglauben und der Mysticismus zur Befestigung der Religion hinführte, so wäre es verzeihlich, denn man müßte die gute Absicht ehren. Allein diese weiß nur der Eine, welcher die Kammern des Herzens erforscht und die Nieren prüft! — (Schluß f.) Israelitische Schulen und Bildung in Rußland. — Wir haben in Nr. 5 der Annalen aus den vom Ministerium des öffentlichen Unterrichts veröffentlichten Tabellen die wichtigsten Angaben, betreffend die Unterrichtsverhältnisse der Israeliten in Rußland, mitgetheilt. Neueren Nachrichten zufolge sind aber in letzterer Beziehung jene Tabellen nicht vollständig, indem nach dem Bericht des Ministeriums des Innern die Israeliten 3668 hebräische Schulen zählen, die dort nicht mit aufgeführt sind, weil deren Schülerzahl noch nicht ermittelt worden. Bemerkt muß indeß werden, daß diese Schulen nur für die männliche Jugend vorhanden sind; Mädchen werden durchschnittlich, wenn überhaupt, nur privatim unterrichtet. Im Allgemeinen darf man mit Bestimmtheit sagen, daß die israelitische Bevölkerung in so fern die unterrichtetere sei, als jeder mindestens *) Wir vernehmen aus zuverlässigen Nachrichten, daß ihre Wacht selbst in Warschau sehr groß sei. und daß man es ihrem Einflüsse zuzuschreiben habe, wenn man die ' Wahl eines Rabbinen für die 33,000 Seelen zählende Gemeinde, ja selbst die Erbauung einer Synagoge (deren W. nicht eine hat) verschiede! D. H. hebräisch lesen und die hebräischen Charaktere schreiben lernt; auch lesen die meisten, selbst in den dürftigsten Claffen, deutsche, oder doch mit hebräischen Charakteren gedruckte, deutsche Gebet- und andere Ducker. Die Wohlhadendern verwenden seit dem Beginne dieses Jahrhunderts sehr viel auf eine umfassendere und sehr gediegene Bildung ihrer Kinder beiderlei Geschlechts. Mannheim, den 14. Juli 1839. — Wenn die jüdischen Angelegenheiten Badens in öffentlichen Blättern nur selten zur Sprache kommen, so dürfte dies leicht zu dem Schluffe verleiten, als seien unsere politischen und kirchlichen Verhältnisse schon so weit gediehen, daß sie nur wenig zu wünschen übrig lassen. Daß und warum dies nicht so ist, werden wir nächstens in den israelit. Annalen darzuthun suchen. Für jetzt haben wir nur folgendes zu berichten: Die Emanzipationsfrage prognostizirt sich diesmal ziemlich günstig in unserer zweiten Kammer der Landstände. Nicht allein daß die Majorität der Commission sich für unbedingte Emanzipation ausgesprochen hat, auch eine bedeutende Anzahl der Angesehensten unserer christlichen Mitbürger hier hat der Kammer eine Petition eingereicht, die Gleichstellung der Israeliten mit den christlichen Staatsbürgern bezweckend. Die Vorurtheile sinken bereits in den Augen eines aufgeklärten Volkes, und vergebens bemühen sich die philosophischen Historiker, wahrend sie selbst den Ungrund so vieler Bevorrcchlungen zu erweisen streben, hier das separirende Prinzip fest zu halten. Gerade in unsrer Zeit, inmitten eines langen Friedens und in einem Lande, wo von Aufregung keine Spur vorhanden, und welche auch des religiösen Indifferenlismus nicht wohl beschuldigt werden kann, bient ein solcher Schritt als Beweis, daß die engherzigen Besorgnisse so mancher Pudlicisten keinesweges überall Anklang finden, und vielmehr die Bevölkerung einer bedeutenden und gebildeten Stadt dieselben öffentlich verleugnet, um den reinen Prinzipien der Gerechtigkeit zu huldigen. Berlin. — Es darf in den israelitischen Annalen nicht übergangen werben, daß der leider zu früh verstorbene, allgemein betrauerte Eduard Gans, beständig seinen Ansichten über die staatsrechtliche Behandlung der ISraeliten — wovon einige aus seiner Jugendzeit gedruckt vorliegen — treu geblieben, sich noch kurz vor seinem Tode um die Israeliten in Preußen dadurch verdient gemacht hat, daß auf seinen Antrag deren Zulässigkeit zur Promotion als Doctores juris an Preußischen Universitäten ausgesprochen worden. Literatur. Moses ben Esra aus Granada. Darstellung seines Lebens und literarischen Wirkens, nebst hebräischen Beilagen und deutschen Uebersetzungen, von Leopold Dukes. Altona (ohneJahrzahl). Bei Gebr. Bonn. VI. 115 S. 8. Einige Vorerinnerungen geben Auskunft über die reichen. Hülfsmittel, deren sich der Vf. bei Ausarbeitung dieses Werkchens bedient hat, und empfehlen' dasselbe dem Publikum, mit dem Versprechen einer umfassenden Literaturgeschichte, wozu bereits große Vorräthe gesammelt seien. — Unsre Leser kennen den Herr Vf. bereits, und werden gern den seltsamen, fast burlesken Ton des Vorworts, der zu dem Ernst des Gegenstandes nicht stimmt, übersehen, um seinen Leistungen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden. — Diese betreffen diesmal wieder einen Dichter aus der spanisch-

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