Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 30 (26.7.1839)
- Date
- 1839-07-26
- Page
- Seite 238 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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238 967 Joseph Hassaken Moseh I». 997 I Abun in Mainz Jekuthiel (Dichter.) 1027 105? 1 Josua und Isaak 1. I 1 Isaak n. Simon n. | Kalonymus V. wird sehr alt. 1087 | Elieser (Vf. d. Perakim) l Meschallem(gg.Karaiten) 1117 Isaak ui. Tobiah I Jekuthiel v. Speier. 1147 1177 I Kalonymus v. Speier. I Samuel Chasid. I Moseh (der Vormund in ob. Proceß.) 131? Jchuda Chasid, st. in Regensburg.! Ahron. Die übrigen Zeitgenossen ergeben sich aus obigem. Nachrichten und Correspondenzen. Die Gallizischen Rabbinen. *) Gern bin ich bereit, über den in Gallizien herrschenden Rabbinismus, und über die Art seines Wirkens und Verfahrens nähere Auskunft zu geben, und die verschiedenen Partheien und Fractionen, welche sich darin bilden, darzu. stellen, damit über die Verhältnisse sich ein Helles Licht verbreite, und aus der Crkenntniß der Sachlage ein besserer Zustand hervorgehe. Vor allem muß ich meine Meinung dahin aussprechen, daß die allmählich den Rabbinen in der Vorzeit zugestanbene Macht über alle ihrem Wirkungskreise angehörigen Individuen, ein Haupt-Hinderniß der ächten Religionserkenntniß war. Seitdem ihre Herrschaft so sehr überhand nahm, strebte das Volk nicht mehr nach Wissen, sondern überließ sich blindlings deren Leitung, und folgte ihren Fußstapfen, ohne zu ahnen, wohin. Wer daher die Geschichte der israelitischen Gemeinden aus jenen Zeiten beschreiben will, hat sein Augenmerk lediglich auf die Rabbinen, ihre Denkart und Handlungsweise zu richten, und er hat zugleich die Geschichte des Volkes. Den Beweis hievon liefern die Werke, welche von Nicht-Rabbinen verfaßt wurden, alle sind gemeinhin nur der Ausdruck der Richtungen ihrer Rabbinate. Die italiänischen Rabbinen waren fast sämmtlich Kabbalisten, (noch jetzt giebt es einige) und sogenannte Darschanim (d. h. Homileten, deren Bemühung dahin ging, allerlei kunstvolle Combinationen biblischer Terte hervorzubringen, die mit rabbinischen Satzungen in Beziehungen gebracht wurden); und das Volk ergab sich ebenfalls der Kabbalah und dem Midrasch, der keinen wissenschaftlichen Inhalt darbietet; die Polnischen trieben beständig Casuistik und erfreueten sich an unnützen Discussionen, — deren erster Erfinder, Jakob Pollak (im löten Jahrh.), wahrscheinlich *) Vom Vf. des Aufsatzes in Nr. 22 und auf gleiche Weise eingesandt. ein Pole war — und hielten Ermahnungsreden, welche eher Lachen erregen, und die Literatur wimmelte von ähnlichen Erzeugnissen. Die deutschen Rabbinen waren ganz unthätig, und von dort sind daher wenig Schriften vorhanden, und auch die sind nur Früchte des polnischen Geistes, da man oft Polen zu Rabbinen berief. Wir danken dies der göttlichen Fügung, welche von Deutschland aus, wo die Wissenschaft ihren Wohnsitz hat, auch den Israeliten schon vor mehr denn 60 Jahren, ein besseres Licht aufgehen ließ, welches denen der östlichen Länder ebenfalls Wärme und Leben gab. — Zwar ist nun in neuerer Zeit den Rabbinen alle Macht genommen, und eine unmittelbare Gewalt können sie nicht üben; aber dennoch hängt von ihrer Bildung und Denkweise sehr viel ab, und man kann nicht den wvhlthätigen Einfluß der deutschen Rabbinen, welche wissenschaftlich vorbereitet in ihr Amt eintreten, verkennen, sobald sie mit Wahrheitsliebe, Uneigennützigkeit und ohne Rücksicht und Menschenfurcht, das Wort Gottes lehren und ihren Beruf erfüllen. Die Rabbinen der Vorzeit sind allerdings zu entschuldigen, wenn sie keinen Fortschritt duldeten, sie beharreten bloß in ihrer trägen Nachahmung, gleich allen orientalischen Völkern, welche sich in starrer Gewohnheit bewegen und Jahrtausende hindurch nicht eitu Haar breit weichen; auch fanden sie von außen keine Anregung, man würdigte sie gar keiner Beachtung; man hielt das Uebele für gut, und so war von Fortschreiten nicht die Rede. In unserer Zeit hingegen, da schon der Tag in ihren Wohnsitzen angebrochen, ist es wahrlich sehr tadelnswerth, daß sie die Fenster zustopfen, und jede Spalte verkitten, damit ja kein Lichtstrahl in Israels Häuser dringen möge. — als ob durchaus Israels Loos sein soll, im Finstern zu verweilen, und als ob sie im Stande wären, der Gesittung die Thüren zu verschließen. Wahrlich ein dreistes Unterfangen, den Lauf der Zeit hemmen zu wollen! Sie geht ihren Gang, die Sonne verhüllt ihretwegen nicht ihre Strahlen, und nur ihre Schuld ist es, wenn sie sich in Dunkelheit verbergen, und dann von der Stärke deS Lichtes geblendet werden! — So ist denn auch schon die nächste Wirkung der gegenwärtigen Zeit die Zersplitterung Israels in viele Partheiungen, und alle Einheit wird vermißt. Fast könnte man mit dem So har ausrufen: „Wehe dem Geschlechte! in welchem die Hirten fehlen und die Lämmer herumlaufen, nicht wissend wohin, rechts oder links!" — Während eine Menge Jünglinge sich genöthigt sieht, ihre Studien in Deutschland zu machen, weil die Rabbinen jeder Wissenschaft den Zugang verwehren, verbreitet sich die Mystik der Chasid im auf eine höchst besorgliche Weise, wiewohl deren traurige Einwirkung bereits wiederholentlich zur Sprache gebracht ist. Die Nachtheile, welche daraus hervorgehen, machen sich, man darf es leider nur offen gestehen, sehr bemerkbar; die Sittlichkeit ist bedeutend gesunken, und mit der brutalen Lebensweise auch die Gesundheit, und natürlich wird gleichzeitig auch die bürg erliche Achtung verscherzt, ja es wird wohl gar durch