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Israelitische Annalen · 1839-07-26 · Heft 30 (26.7.1839) · p. Seite 234

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 30 (26.7.1839)
Date
1839-07-26
Page
Seite 234 (sequence 2)
Language
German
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234 für Recht und Wahrheit mit den dazu erforderlichen Waffen und genügender Sachkenntniß ausgerüstet sind, so macht doch der Umstand, daß so viele, so tief in die bürgerliche Existenz des Juden eingreifende und oft über sein Schicksal entscheidende Gesetze auf Annahmen sich stützen, die angeblich den Grundsätzen der jüdischen Religion ihren Ursprung zu verdanken haben sollen, es allerdings dem jüdischen Geistlichen zur Pflicht, dieUebereinstimmung solcher Annahmen mit den Grundsätzen der jüdischen Religion, die er zu kennen verpflichtet und zu lehren berufen ist, eben von seinem Standpunkt aus genau zu prüfen, und im Falle er solche Uebereinstimmung als unbegründet, oder gar das Gegenrheil nachzuweisem im Stande ist, gegen die auf sie sich berufende Annahmen und die aus demselben abgeleiteten praktischen Folgerungen im Namen seiner - Glaubensgenossen eine Verwahrung auszusprechen. Daß aber solche Beleuchtung längst bestehender Gesetze erst so spät hat herangebracht werden müssen, ist leider aus dem Umstande erklärlich, daß die Rabbinen bis jetzt auf ihren scharfumgränzten Wirkungskreis eingeschränkt, nur selten zur Kenntniß der Landesgcsetze, und noch seltener ihrer Motivirung gelangen konnten, den Rechtsgelehrten von Beruf aber nicht immer die Kenntniß des jüdischen Gesetzes in bcm erforderlichen Umfange zu Gebote stand. So viel zur Rechtfertigung dieses Aufsatzes; jetzt zur Sache. (Forts, folgt.) Angelegenheiten -es Cultus. Jakobson und die neuern Richtungen. (Bom Herausgeber.) (Fortsetzung.) Ein so eifriges Eingreifen des damaligen Consistorial - Präsidenten in alle kirchlichen Handlungen und Gebräuche konnte allerdings bei den Behörden die Besorgniß Hervorrufen, als gehe Jakobson planmäßig damit um, eine besondere Sekte zu bilden, wenn es ihm etwa nicht gelänge, den lauten Widerspruch zu beschwichtigen und alle seine Glaubensbrüder für sich zu gewinnen. Diese Besorgniß ward denn auch von seinen Widersachern umsichtig benutzt, um ihm sein Wirken zu verleiden. Hierin ward er indessen durchaus irrig beurtheilt. Bei Jakobson gab es keinen klar berechneten Plan, keinen weithinaussehenden Entwurf. All sein Schaffen war nur die Eingebung des Augenblicks. In ihm tobte eine unruhige Flamme, die bald hier, bald dorr sich Auswege suchte; eine mächtige Sehnsucht nach einem gemüthlichern Leben, als welches er in der Kälte und Dürre rund umher sah, trieb ihn unaufhörlich zu neuen Versuchen; es drängte ihn fortwährend, Lebenssäfte nach allen Richtungen Hinauszuströmen, seine ungezügelte Phantasie schweifte umher, um immer neue Gestalten zu erblicken, und sich daran zu erfreuen; es fiel ihm nicht ein, deren Werth und Dauer zu prüfen. Eine besonnene Leitung und ruhige Vorsicht, ihm beigesellt, hätten ihn vielleicht gemäßigt, und seiner Wirksamkeit entschiedener» Einfluß auf die Zukunft verliehen. So aber kam es nicht. Sein Einfluß blieb nur der eines erschütternden Ereignisses, das unbewußt die Folgen bestimmt. Man hat ihn mit einem ungeschliffenen Edelstein verglichen; wir möchten lieber sagen, er war eine üppige Pflanze von strotzendem Wüchse mit blendend feuriger Blüthengluth, in einer Lebensfülle treibend, welche zehn andere Leben in sich vereinigte, die alle sich zugleich entfalten wollten und die Kräfte des einzigen Stammes desto früher verzehrten. Eine solche überaus reiche Natur, eine fo anziehende Farbenfrische, eine so regsame innere Thätigkeit, waren wohl geeignet, aufstrebende Jünglinge zu begeistern und Bewunderer um ihn zu versammeln. Niemals vernahm man jedoch neue Lehren der Weisheit oder der Religion, sondern allenfalls unreife Entwürfe zu Erbauungsmitteln, alle für die Religionslehre selbst unschädlich, wenn gleich oft sehr unzweckmäßig und übereilt. Das alles war mir seiner ganzen Persönlichkeit so verwachsen, daß nur aus ihr sich ein Begriff von seinen zwar flüchtigen, aber doch sehr folgereichcn Versuchen geben läßt. Wir haben hier nicht den Geschäftsmann vor Augen, der im großartigen Verkehr und theilweise im Staate sich auszeichnete; sondern nur den Israeliten, in so fern er für seine Glaubensgenossen und unmittelbar auf sie wirkte. Seine eigene Natur drängt sich da überall hervor. Eine unendliche Menschenliebe erfüllte seine Brust, er suchte nicht sowohl eine Befriedigung fremder Wünsche, als vielmehr seiner heißen Begierde, andern wohl zu thun und Segen um sich zu streuen. Er fühlte sich nicht reich durch sein Besitzthum, sondern durch die

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