Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 29 (19.7.1839)
- Date
- 1839-07-19
- Page
- Seite 228 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Auf der Grundlage dieser Religion errichtete Mose seinen Staat und sein Gesetz. Mose lehrte keine neue Religion, sondern prägte den Israeliten die ihrer Väter ein. Er giebt keine neue Glaubcnsregel, sondern legt neue Uebungen auf, neue Gebräuche, neue Verbote, durch welche es Gott gefiel, den früher nur individuell und frei entstandenen Dienst zu einem klar ausgeprägten und öffentlichen zu machen. Er lehrt kein neues Sittengesetz, sondern schreibt ein Gesetz vor, welches nur die Humaniläts- und Gerechtigkeitslehren des Abrahamismus entwickelt und s-ststellt. Die mosaischen Einrichtungen zielen auf zwei Zwecke ab: die Sittlichkeit und die Glückseligkeit der neuen Nation herzustellen, und in ihr die alte Religion auf immer fest zu begründen; oder mit anderen Worten, der Mosaismus zielt nur dahin, den Abrahamismus zu erhalten, jedoch mit Hinzufügung dessen, was einem Hirtenstamm nicht nöthig, einem ackerbautreibenden zahlreichen Volke hingegen unerläßlich war. Wir haben also zwei Offenbarungen, die dem Abraham gewordene, mit welchem Gott einen ewigen Bund schloß und welchem er die Befchneidung gebot, und die Mosaische; beide aber nur abzielend, den Abrahamismus zu erhalten, nicht aber erst zu begründen. Dasselbe Ziel haben alle nachmosaiscken Offenbarungen. Dicö ist nun die Entstehungsgeschichte des Judenthums, wie solche, meines Bedünkens, aus dem Wortstnne des Pentateuchs auf möglichst einleuchtende Weise hervorgeht. Wende ich nun meine Aufmerksamkeit auf das, was der heilige Text nicht erklärt, sondern hie und da andeutet, und folge ich in der Dunkelheit der Muthmaßungen dem Faden der Geschichte der Völker, so scheint mir die Anstcht vieler Gelehrten, der Sie auch im Ganzen in ihrem Briefe beipflichten, unwiderleglich, daß das Judenthum keinesweges lediglich zu Gunsten der Israeliten allein eingesetzt worden sei, sondern zum Frommen des gesammten Menschengeschlechts. Dieß schließe ich folgerecht also: Als mitten unter der allgemeinen Herrschaft irriger Be. griffe Abraham sich einen auf Wahrheit gegründeten, zur Humanität und Gerechtigkeit hinführenden Glauben gebildet halte, gefiel es Gott, einen so heilsamen Keim nicht wieder vergehen zu lassen. Er setzte als Hüter dieses heiligen Schatzes und Priester dieses Glaubens alle Nachkommen dessen ein, welcher zuerst sich zu ihm bekannte, so baß der Äbrahamismus in seinem ursprünglichen Zustande (d. h. ohne die erst von Gott hinzugefügte Beschneidungsvorschrift) sich einst über die ganze Erde verbreiten sollte. Gott zwingt nicht den menschlichen Verstand, er brauchte also auch nicht sich einem heidnischen Volke zu offenbaren, denn die Offenbarung hätte keine Wirkung gehabt. Wer einmal viele Götter annimmt, könnte mit Gott von Angesicht zu Angesicht sprechen, und ihn selbst seine Einheit verkündigen hören, ohne überzeugt zu werden. Die Gottesstimme könnte ihm nicht den Zweifel benehmen, daß ein ander Mal ein anderer Gott sich ihm offenbaren dürfte. Daher war das hebräische Volk das einzige, welchem er sich zum Heil der Welt offenbaren konnte, und das einzige, welches den heiligen Schatz mitten in der allgemeinen Verwirrung bewahren konnte. — Dieß erklärt nun das große Geheimniß der Erwählung des hebräischen Volkes, der Erwählung, woran sich so viele stoßen, so daß sie zum Vorwand des Unglaubens geworden ist. (Forts, f. Literarische Studien. Von Samuel Mecklenburg in Königsberg. 1. Auflösung der schwierigen Stelle Abeu Esra ad Gen. 11. 12. Die bezeichnete Stelle. hat den Gelehrten viel zu schaffen gemacht. Man sehe Tychsen in Eichhorns Repert. für bibl. und morgen!. Lit. XI. 81 —112. Rapaport Saadjah Anm. 35, und besonders Geiger's Zeitschrift I. 188 — 9. II. 370 — 4). Ohne schon Gesagtes zu wiederholen, bemerke ich folgendes.' Zuerst ist zu corrigiren 1) Gnirrozn wofür und 2) wofür zu lesen. Für die erste Lesart, welche sich von selbst empfiehlt, findet sich ein Beleg in Js. Israeli Jesod OLain XVIII. 85. b. ed. Berlin (man sehe genau nach), wo es vom Samuel Hannagid heißt: er war sehr geübt in der Sprache der Araber oraVtjDV das heißt und in ihren Regeln. Für die Richtigkeit der zweiten spricht offenbar ein Citat aus A. E. selbst ad. Exod. XXVIII. 9., wo er den Saadjah anklagt, DE.VO — Es »er» steht sich also von selbst, daß A. E. gar nicht vom Schriftcharakter spricht. Er wollte nur Saadjah's Willkühr und Ungenauigkcit im Uebersetzen vieler Eigen- und Gemeinde- > namen dadurch erklärlich machen, daß dieser bei seiner ara-! bischen Version der biblischen Bücher auch die Grundsätze > arabischer Verdolmetschung beobachtet habe. Freilich ist diese gesuchte Motivirung seines ftüher har-! ten und beißenden Angriffs unzureichend ausgefallen; aber j wer kennt nicht seine Schreibart, niederschlagende Polemik,! seine Verdammungsaussprüche uno witzigen Ausfälle gegen > solche Deutungen und Erklärungen! > Gerade, so möchte ich behaupten, in seinem weithergei holten und bloß als Vermuthung aufgestellten Grunde zu j seiner Aussöhnung mit Saadjah liegt eine versteckte Satyre. i i | Nachrichten und Correspondenzen. j Aus der Pfalz (Rheinbaiern) Juni 1839. — Eine Verbesserung des Gottesdienstes ist auch Hierlandes ein fast j allgemein gefühltes Bedürfniß geworben und es bedurfte bei i uns nur eines guten Vorganges, um allenthalben Nacheife-! rung zu erwecken. Die Vorgänger haben sich gefunden, die Nacheiferung ist nicht ausgrblieben. Erstere in der Cult-Gemeinde Kirchheimbolanden; letztere in einer großen Menge Gemeinden! des Kreises.