Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 29 (19.7.1839)
- Date
- 1839-07-19
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Seesen 2× ep/1048106
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227 schmachvollen Abgaben, und seine vortreffliche, jetzt von neuem aufblühendeSchule zu Seesen, welche er großmüthig fundirre und durch testamentliche Verfügung vor Stagnation sicherte. (Eine Anstalt, welche nur noch in der Wolfenbüttelsch'en, etwas früher von mehreren Verwandten Jakobsons, nämlich der Samson'schen Familie zu Braunschweig, durch die zweckmäßigen Einrichtungen der spätern Testamcntscxecutorcn, eine würdige Nachcifrerin gefunden hat. Jene besteht seit 1801, diese in der jünger» Gestalt seit 1807.) — Zur Charakterisirung seiner Thätigkeit können wir nicht umhin, folgendes zu erzählen: Einige Jahre nachdem Jakobson einen hübschen Tempel*zum Gottesdienste erbauet hatte, war Schreiber dieses mit ihm zusammen daselbst, um Zeuge einer Handlung zu sein, welche damals noch neu war, und viele Neugierige aus der Umgegend nach Seesen anzog. Es sollten fünf Knaben eingcsegnet werden oder die Religionswcihe empfangen (ein Ausdruck, beiläufig gesagt, der uns hier richtiger scheint, als Confirmation.) Jakobson war kaum vom Wagen gestiegen, und hatte sich noch nicht fünf Minuten erholt, als er sich die Knaben vorstellen ließ, und nach einer freundlichen Anrede an dieselben, sogleich daran ging, den Grad der religiösen Vorbereitung zu prüfen, welche andere Lehrer (und bei einigen der Berichterstatter selbst) auf seine Veranlassung übernommen hatten. Es waren viele Sachkenner, Geistliche und Lehrer, zugegen; alle waren entzückt von der Art seiner Fragen, und der Gewandtheit seiner Katechisation, welche zugleich den Erfolg hatte, daß die Knaben nachmals bei der Handlung selbst, klar und gut antworteten, und von seinem hohen Ernst und seinem. imponirenden Wesen nicht außer Fassung gebracht wurden! Die Feierlichkeit ist sicher noch allen denen im Andenken, welche zugegen waren! Ein solcher Mann hätte unmittelbar die Verbesserung des Gottesdienstes erzielen können, wenn nicht eine Menge äußerer Widerwärtigkeiten, und hinzugetretene Erschlaffung der Nerven seine große Thatkraft gelähmt hätten, noch bevor es ihm möglich war, die Mängel, welche sich herausftellten, zu beseitigen, und die Gegner durch Erwägung und Abstellung mancher Einwendungen zu beruhigen. Er mußte aber mitten im Beginne seine Sache verlassen und streitenden Partheien bloßstellen, so daß sie in ihrer eigenen Entwickelung gehemmt ward. (Fortletzung folgt.) Briefwechsel über religiöse Zustande. 5. S. D. L. an I. R. Mit Recht sind Sie, lieber Freund, darauf bedacht, in der Besprechung nicht eher vorzurücken, bis Sie einen klaren Begriff vom Iudenthume aufgestellt haben. Nichts ist in dergleichen Untersuchungen gewöhnlicher, als daß man streitet, ohne einander zu verstehen. Ihr lehrreicher Brief veranlaßt mich. Ihnen eine Veränderung darzulegcn, welche seit einigen Monaten in meinen Ansichten über den Ursprung des Judenthums vorgegangen ist. Da ich niemals unterlassen habe, nachzudenken und zwar ganz allein von meinem Denkvermögen geleitet, trifft es sich öfters, daß ich von einem Urtheil zu einem andern übergehe. Meine Ansichten vom Judenthume waren lange Zeit den Ihrigen ziemlich gleich; aber hier erhalten Sie das Ergebniß meiner jüngsten Beobachtungen; Beobachtungen, die einfach und augenfällig genug sind, daß sie vielleicht für manchen nichts weniger als neu sein mögen. Prüfen Sie dieselben, und geben Sie mir Ihre Meinung. Im Judenthume finde ich zwei Elemente zu unterscheiden, Abrahamismus und Mosaismus. Der Abrahamismus ist vormosaisch und vom Abraham eingesetzt. Moses stellte sich den Israeliten vor, im Namen des Gottes ihrer Väter, nicht aber im Namen eines ihnen unbekannten Gottes. Er lehrte ihnen keinen Glauben, sondern erbauete auf der bereits vorhandenen Glaubens-Grundlage einen Staat und eine Gesetzgebung. Zum Nutzen der Nachwelt lehrt er in gedrängter Kürze, in der Geschichte der ihm vvrangegangenen Zeit, die Dogmatik (soll hier wohl heißen: Glaubensansichten) und Sittenlehren des Abrahamismus. In dieser Darstellung sehen wir, daß die drei Erzväter an einen Gott glauben, welcher Herr ist über Himmel und Erde, als gerechter Richter Belohnung und Strafe ertheilt, und dessen Vorsehung über das Heil seiner Verehrer wacht. Wir finden, daß sie an Wunder, an Engel, an Offenbarungen, sowohl im wachenden Zustande als im Traume, glauben, und sorgfältig den Ort wählen, wo sie begraben sein wollen. Wir sehen, daß sie zu Gott beten in ihrer Bedrängniß, und auch für andere beten. Wir sehen, daß sie für empfangene Wohlthaten durch Opfer Gott danken. Der göttliche Wandel, den Abraham seinen Nachkommen zeigte, bestand in Uebung der Menschenliebe und der Gerechtigkeit. Diese Religion wird uns nicht dargestellt, als eine offenbarte Gotteslehre; sie erscheint als Abrahams Unterricht (Einrichtung). Die Offenbarung, der göttliche Wille, fügte zu dieser von selbst entstandenen Religion nur das Gesetz der Beschneidung hinzu, und diese eine Handlung war die einzige vorgeschriebene Ceremonie im Abrahamismus, und zwar zur Erhaltung des Abrahamismus, mittelst Absonderung der Abrahamiten zu einem für sich bestehenden Ganzen, welches durch ein vom Körper untrennbares Siegel sie abfcheide. Eine andere, jedoch freiwillig eingeführte, schon vor Mose bei den Israeliten herrschende Sitte, war, daß sie die Spannader nicht aßen. 29»