Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 28 (12.7.1839)
- Date
- 1839-07-12
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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223 desselben, vielleicht anch derselbe, welcher von Isaak Corbeil ausgezogen hat. Man darf diesen nicht mit dem Gleichnamigen aus Worms verwechseln, den Meir Rothb. Joma 16. 1 anführt; denn letzterer wird als Levit bezeichnet, und war Vater des Jsachar, welcher nach Spanien ging, um bei'm R. Ascher zu studiren (Jesod Olam iy. 18), den Auszug des nö'nrin 'D verfaßte, und 1332 starb. (Fortsetzung folgt.) Nachrichten und Correspondenzen. Orient. — Die Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden hat im vorigen Jahre auch in Jerusalem eine förmliche Bekehrungsanstalt errichtet. Der Missionär Pie ritz berichtet, er habe verschiedene Disputationen mit dortigen Juden gehabt, ein Mal sogar in einer ihrer Synagogen (d. h. Betstuben, denn in Jerusalem giebl es nur eine eigentliche Synagoge, welche nur aus Brettern und Balken besteht, ein förmliches Gebäude der Art ist nicht vorhanden.) In Folge dessen haben die Rabbinen sämmtlich einen Bann ausgesprochen gegen jeden, der sich mit dem Missionär einlassen würde. (Er schreibt dieß mit Unrecht dem Eigennutze zu, weil die dortigen Juden meist von Unterstützung leben. Die Religiosität giebt Grund genug dazu.) Eine besondere Veranlassung dazu hatte die Bekehrung eines Juden, Namens Joseph, gegeben, welchen, nach einer großen Bewegung in der Gemeinde, der Oberrabdi alsbald rufen ließ, um ihn dahin zu vermögen, seiner Frau einen Scheidebrief zu geben, was auch geschah. Alle Versuche, den Joseph von seiner Absicht abzubringen, waren fruchtlos geblieben; er beschloß, nach Constantinopel zu gehen, um sich dort taufen zu lassen. (Jewish intell. Januar 1839.) — Aus den weitern Berichten (Mai) geht hervor, daß der Bann keine große Wirkung gehabt hat. Der Englische Vice-Consul, welcher in Jerusalem seinen Sitz hat, geht mit dem Plane um, die Juden für den Landbau, besonders für Anpflanzungen von Oelbäumen, Baumwollenbau rc. auch Seidenbau und andere dort leicht gedeihenden Produktionen, unter Begünstigungen von Seiten Mehemeds zu gewinnen. (Das. Febr.) Paris den 28. Juni — Vor ohngefähr 1« Tagen erhielt das Consistorium der Circonscription von Paris vom Conseiller d’Etafc Prefet im Namen des Ministers des Innern die Ordre, „die Zusammenkünfte der Israeliten, die einen religiösen Zweck haben, aber in andern Lokalen stattfinden, als in denen, die der Obrigkeit als zur Ausübung des Gottesdienstes bekannt sind, zu untersagen." Der besagte Brief an das Consistorium nennt diese Zusammenkünfte: assooiatloos de secours mutuels und giebt als Grund an, daß eS sich mit der Tendenz dieser Associationen nicht vertrage, rein religiöse Handlungen mit ihr zu verbinden, wie es wöchentlich einigemal der Fall ist, daß sich die Mitglieder dieser Gesellschaft in eignen Lokalen versammeln, um dort zu beten. Zur nähern Verständigung dieser Ordre, deren Folgen von vieler Wichtigkeit sein werden, muß vor allem gesagt werden, daß diese Associationen nichts anderes sind, als die in Deutschland in jedem Orte unter dem Namen n"Cn bestehenden jüdischen Brüderschaften. Hier zählt man solcher, vom Ministerium sanctionirter Associationen zwanzig, die zusammen 768 Mitglieder zählen. Ueber Zweck, Einrichtung und Wirken dieser Gesellschaften zu sprechen, sei einem eignen Artikel aufbewahrt. Man kann sich denken, daß diese Gesellschaften großen Einfluß auf den israelitischen Cultus dahier üben, besonders da die angesehensten Israeliten an der Spitze derselben stehen. Daß die erwähnte Ordre einen andern Zweck hat, als den Angegebenen, weiß hier Jedermann und er ist nicht schwer zu errathen. — Das Consistorium von Paris ließ die Vorstände der 20 Associationen zu einer Sitzung cinladen und legte ihnen das Ministerialrescript mit dem Bemerken vor, baldmöglichst eine Entscheidung zu treffen, ob sie sich dem Befehle unterziehen, ober die Protestation ergreifen wollten. Die Vorstände erklärten, daß es der Tendenz der meisten Gesellschaften widerstrebe, die Zusammenkünfte um zu beten und zu studiren aufzuheben, und daß man dadurch das Fortbestehen derselben unmöglich mache, da eben diese Zusammenkünfte der Herz- und Einigungspunkt der Gesellschaften seien. Ueberdieß machten sie das Consistorium aufmerksam, daß der remple d'lsraelites alsdann nicht mehr die Menschen zu fassen vermöge, wenn die Mitglieder dieser Associationen ihre bis jetzt gemietheten Gebetlokale mit dem remple d'l8raeUt68 vertauschen müßten, und daß es alsdann unumgänglich nothwendig sei, einen zweiten Tempel zu bauen. In einer Consistorialsitzung am 17. Juni, wo dieser Gegenstand verhandelt wurde, erklärten nun die Vorstände, daß sie jedenfalls sich hierüber an das Ministerium wenden werden; und man ist nun aus den Verfolg der Sache bcgierig. — Die israelitische Gemeinde hier ist im Begriff, einen jungen Mann, Namens Zay, ex-Eleve de 1’EcoIe centrale rabbinique, auf ihre Kosten als Prediger an dem remple anzustellen, nach vem sie die Einwilligung hierzu vom Consistorium von Paris erhalten hat. Mr. Zay hat am 26. d. Abends um halb acht Uhr nach dem Gottesdienste seine vierte Probepredigt gehalten und wählte diese Stunde, damit die Geschäftsmänner, die zu den andern Stunden des Tages beschäftigt sind, dem Dortrag beiwohnen können. Man geht auch hier zur Predigt, minder um belehrt und erbaut zu werben, als um kleinliche Urtheile zu fällen, meist aber aus Neugierde. Die Predigt in französischer Sprache gehalten (seit einigen Jahren schon verbietet ein Beschluß deS Consistoire Centrale alle religiösen Vorträge in den sämmtlichen Synagogen Frankreichs in einer andern als der französischen Sprache zu halten) dauerte anderthalb Stunden, und, sonderbar genug, es ward so finster in der Synagoge, daß man den Redner auf der Kanzel nicht mehr sehen konnte, ohne daß es einem Synagogendiener einfiel, auch nur ein Lichtchen anzuzünden. Die Predigt selbst hatte einen rein metaphysischen Gegenstand zum Thema, war sehr gut rhetorisch geordnet und vortrefflich memorirt und vorgetragen. Das große Gebäude, die zahlreiche Versammlung um die Kanzel zusammen gedrängt und eine tiefe Stille beobachtend, die oft so bumpfklingende Stimme des Predigers, hierzu nun die Finsterniß, die Alles umgab — alles dies machte einen sonderbaren Eindruck auf die Zuhörer.- Don der Bibel des Herrn Ca h en wird im Verlaufe des nächsten Monats wieder ein Band erscheinen, der die Bücher der Chronik und einen Theil von Jeremias enthalten wird. Uebrigens ist der sehr fleißige und gelehrte Autor mit der Auf- oder richtiger Ad-Nähme seines Werkes gar nicht zufrieden , und er versicherte mich, daß die Kosten auf den „Jesaias" noch nicht gedeckt seien. Diele hatten sich nur auf die ersten sechs Bände subscridirt und waren nach dem Erscheinen derselben zurückgelreten; warum? Vielleicht aus pekuniärer Rücksicht, theils auch weil dieß Bibelwerk von den vielen Orthodo.ren, die hier sind, als ketzerisch angefeindet wird. Herr Cahen hat ganz kürzlich vom Minister des öffentlichen Unterrichts die Versicherung erhalten, diesem Bibelwerk allen möglichen Vorschub zu leisten, und das Ministe-