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Israelitische Annalen · 1839-07-12 · Heft 28 (12.7.1839) · p. Seite 221

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 28 (12.7.1839)
Date
1839-07-12
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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221 betretenen Weg zu laufen, bloß weil es diesen am meisten besucht steht, oder stch zum Sklaven von Meinungen zu machen, welche weiter keinen Werth haben, als daß sie in der Mode sind. Es ist sogar anzunehmen, daß. sobald unsren Denkgläubigen nach dem oben gegebenen Abrisse, die Grundlehren des Iudenthums klar und freimüthig dargelegt werden, mehr als einer derselben mit voller Geisteskraft sich dem Zeitgeiste widersetzen und sich entschließen dürfte, um jeden Preis seiner hohen Bestimmung getreu zu bleiben. Was nun den andern, von Ihnen mit Recht für secundär erklärten Punkt anbelangt, nämlich die Verpflichtung zur Ausübung des Ceremonialgesetzes, so brauche ich darüber nicht viel zu sagen, denn ich bin mit Ihnen ganz einverstanden, daß wer die Offenbarung zugiebt, die verpflichtende Kraft der offenbarten Gesetze nicht in Zweifel ziehen kann. Freilich scheinen unsre Brüder in Deutschland dennoch die erstere anzunehmen, und die andere zu leugnen. Sie verlangen hierüber meine Ansicht ^zu wissen, und fürchten daher ihnen vielleicht mit Unrecht den Namen Rationalisten in dem von Ihnen festgestellten Sinne gegeben zu haben. Ich billige Ihre Bedenklichkeiten, ohne diese beschwichtigen zu können. Wenn wir, ihre Werke lesen oder ihre Predigten hören', fr möchten wir daraus schließen, daß sie das Wort Gottes, wie es durch Mose und die Propheten überliefert worben, sehr hoch in Ehren halten; und in der That bekräftigen sie ave ihre Behauptungen durch Belege aus der der heil. Schrift. Aber, mein Lieber, wer darf die Absichten der Menschen beurtheilen? Ohne starke Gründe ist es nicht erlaubt andere zu verdächtigen, aber doch hält es schwer, allerlei Bedenklichkeiten zu unterdrücken, welche durch die eigenen Worte des Andern in uns erregt werben. Fortwährend nämlich citiren sie Ies. I. 11.12. Ierem. VI. 20. Hos. VI. 6. Amos.V.25. Ps. I-. 8. 9 ic., um zu beweisen, wie unwichtig die Opfer waren, dagegen niemals Ies. lvi. 2. LVin. 13. Ierem. xvn. 20. 22 rc. Ezech. XX. 12. 13 rc. Neh. XI». 15.16 rc., woraus aufs Unzweideutigste erhellt, daß jede Arbeit am Sabbath verboten sei; oder Ies. i-xvi. 17. Ezech. IV. 13. Dan. i. 8. um die Pflicht, sich der unerlaubten Speisen zu enthalten, zu beweisen? — Ich mag nicht gerne aus bloßen Muthmaßungen schließen, und weise diese jedesmal von mir, sobald aus ihnen gehässige Anschuldigungen hervorgehen können. Aber ein forschendes Auge entdeckt gar leicht, wohin manche Schriften abzielen, welche die höchste Ehrfurcht vor den göttlichen Offenbarungen affectiren, aber nur dasjenige aus denselben aussuchen, was ihren Wünschen zusagt. Ich überlasse es Ihnen, diesen Betrachtungen so viel Gewicht beizulegen, als sie Ihnen zu verdienen scheinen; mir genügt es, wenn Sie mir in Ihrer Antwort darthun, wie weit sie sich meinen Ansichten annähern zu dürfen vermeinen, damit ich von da, wo wir etwa einig sein mögen, wieder ausgehen, und mein Unternehmen, Sie .für meine Art über den Gegenstand zu denken, immer mehr zu gewinnen, fortsetzen könne. Ich bin rc. Historische und literarische Analecten, von Dr. Carmoly in Brüssel. 14. Die Familie Saken. Vorwort des Herausgebers. In der jüdischen Literaturgeschichte knüpft sich oft das Interesse an einen ausgezeichneten Mann und seine Descendenten, welche gleichsam den chronologischen Faden bilden, indem die Gelehrsamkeit sich forterdte, und wenn andere Gelehrte nebst ihren Leistungen mit den einzelnen Gliedern solcher Familie in Verbindung verkommen, so ergiebt sich daraus ihre sonst nicht immer näher bekannte Zeit, und mancher historisch wichtige Umstand findet durch die genealogischen Untersuchungen eine bestimmtere Aufklärung. So unbedeuj tend und kleinlich daher solche Erörterungen bei'm ersten Blick zu sein scheinen, so werthvoll sind sie in den Augen der Sachkenner, und wir widmen ihnen gern, so oft sie nicht die Gränzen einer Zeitschrift überschreiten, einen Theil unserer Spalten. I. E Die italiänischen Juden nennen vier alte Familien, die! angeblich mit Titus nach Rom gekommen sein sollen. Die! Namen von dreien derselben sind durch Schriftsteller, welche i! theils aus ihnen hervorgingen, der Weltbekannt, nämlich l! deiRossi (die Rothen, □''G'nx) ll6 Pomis (Aepfel Q’msn)» j und die (Jünger?) Vergleiche Asarjah 183. Pom. Zemach David *) Vorrede, und Schalsch. hakk. 59. — i Den Namen der vierten Familie habe ich in keinem gedruck-! *) Da dieß Werk (gedruckt Ans. 1587) selten ist, so be-! merken wir aus der Vorrede folgende historische Data. Die Genealogie des Verfassers David de Pomis geht um acht Glieder aufwärts, bis zu einem Eliah den Frommen, nach dessen Tode die Familie (wahrscheinlich cca 1100) Rom verließ und sich zerstreuete. Der Stamm blieb in Spoleto, wo die Familie 420 Jahre, bis 1527 im Wohlstand lebte. Nach der Plünderung Roms > flüchtete Isaak d. P., Vater des damals erst zweijähj rigen David, seine Schätze nach Camerino u. Civita; z allein gerade diese Städte wurden von Colon na ver-! heert, und so ging das bewegliche Besitzthum verloren,! und sie lebten nur vom Ertrage eines mäßigen Grund-! besitzcs. Isaak ging bald nach Biddiena (?), wo es damals an Gelehrten gänzlich fehlte, und wo er bis 1532 blieb. Dann kaufte er sich in Todi an, wo der Vf. des Arztes Iechicl Rechadia Alatino Unterricht benutzte, dessen Bruder Mose Alatino, Arzt zu Ferrara durch eine schöne lateinische Uebersetzung des Avice n na, u. a. WW. sich berühmt machte. Beide sind dem Verf. verwandt. Dieser studirte v. 1545 — 51 in Perugia Philosophie und Medicin und erhielt nach seiner Promotion einen Ruf nach Malliano, wo er durch die Verfolgung des Papstes Paul IV. all sein Vermögen einbüßte; dann hält er sich als Arzt bei'm Grafen Nicolo Orsini 5 Jahre auf, war dann 3 Jahre bei der Familie Sforza. Nach Chiusi berufen ward ihm der Zutritt versagt, bis Padst Pius IV. ihm auf sein Gesuch den Antritt dieser Stelle bewilligte, was aber eine Woche später Pius V. bei Erneuung der Verfolgung wieder vernichtete. Dann wohnte er in Venedig, wo er sein Iugendwerk ausarbeitete und herausgab. Die Vorrede enthält noch mehrere interessante Notizen.

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