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Israelitische Annalen · 1839-07-12 · Heft 28 (12.7.1839) · p. Seite 220

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1839
Issue
Heft 28 (12.7.1839)
Date
1839-07-12
Page
Seite 220 (sequence 4)
Language
German
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ein Uneingeweihter. Wir haben ihn bereits beschrie-! den. Die Synagoge ist nicht viel verschieden von allen andern, weder türkischer, noch tatarischer Einfluß ist da zu sehen, wie Herr K. meint. Man! sitzt darin ohne Fußbedeckung, meist auf Teppichen, wenige auf Bänken, und murmelt dem Vorbeter singelnd und näselnd nach. Der Gottesdienst dauert meist sehr lange, am Versöhnungstage den ganzen Tag» Die alte Synagoge auf der Burg zu Dschuffut Kala ist prächtig ausgeftattet mit vielen silbernen Lampen und Thora-Rollen. Dem Verf. wird erzählt, daß die Karaiten sich bei'm Beten nach der entgegengesetzten Seite wenden, als nach welcher die Juden gekehrt sind, (nämlich diese immer nach Jerusalem zu.) Wir glauben, daß er hier nicht recht verstanden habe. — Die Karaiten stimmen wir den Juden gänzlich darin überein, daß sic sich nach dem Tempelberge hinwenden, und machen es sogar zum Gesetz, nach dieser Seite hin stets Fenster in der Synagoge zu haben! — Ein Lehrer, welcher behauptet, man müsse fters nach dem Abend zu beten, wird von ihnen ausdrücklich als Ketzer genannt! — Briefwechsel über religiöse Zustände. I. R. an S. D. L. (Fortsetzung.) So etwa, lieber Freund, könnte ein Philosoph, welcher über den Pentateuch nachdenkt, sich einen Begriff von der Offenbarung bilden, und Sie sehen wohl, daß dieser von dem bei der Mehrzahl geltenden, sehr verschieden ist. Fassen wir nun die Offenbarung in diesem Sinne auf, und setzen nun ihre Züge, welche ich hier nur skizzirt habe, auseinander, so wüßte ich nicht, wie die Rationalisten unserer Religion (von andern haben wir hier nicht zu reden) gründliche und unwiderlegliche Beweise Vorbringen könnten, um sie zu leugnen und für absurd zu erklären. Ich gestehe wenigstens, niemals ein Raisonnement gehört oder gelesen zu haben, wodurch die Unmöglichkeit einer solchen Offenbarung erwiesen würde. Die stärksten Einwendungen, welche die Rationalisten bisher gegen sie geltend machten, rühren von der Voraussetzung her, daß sie Lehrsätze enthalten müsse, welche sich nicht mit dem menschlichen Verstände beweisen lassen, Lehrsätze, welche der Mensch anzunehmen sich nicht anders entschließen möchte, als auf den ausdrücklichen Willen dessen, der sie ertheilt. Aber in der oben aufgestellten Ansicht, die gar nichts in sich Widersprechendes oder Undenkbares enthält, verschwinden in der That alle jene Einwendungen, und die Rationalisten werden mindestens die Möglichkeit einer solchen Offenbarung zugeben müssen. Wird das eingeräumt, und bedenkt man nun, daß ein solches Volk wirklich vorhanden ist, welches eine solche Offenbarung von seinen Vorfahren ererbt zn baden behauptet, so bleibt jenen nichts übrig, als mit kritischem Auge zu prüfen, auf welche Beweise dieß Volk seine Behauptungen stütze? und da werden Sie mit mir übereinstimmen, daß bei der Untersuchung einer Thatsache, wir keine andern Beweismittel haben, als die, womit alle historischen Wahrheiten bewiesen werden können, nämlich Zeugnisse, Autorität, Wunder. Freilich kann der Rationalist immer noch über die Art, wie die Offenbarung geschehen sei, Zweifel erheben, er kann sagen, es sei nicht begreiflich, wie Gott zu einem Menschen spreche, nnd wie er ihm die wunderbare Gabe der Prophetie einfiöße; aber dieß kann ihn nur antreiben, in seinen Forschungen weiter zu gehen, um alle Zweifel zu lösen, aber niemals ihn berechtigen, die Wahrheit einer Offenbarung zu leugnen. Sagen Sie nun, mein Lieber, ob ich nach diesen Betrachtungen, wie Sie meinen, die Bekehrung eines Rationalisten unsrer Religion für so verzweifelt halten müsse, und nicht vielmehr gerade auf das, was Sie sagen, meine Hoffnung gründen sollte, nämlich: „daß die Ungläubigkeit nicht im Innern des Iudenthums, sondern nur aus Sympathie mit andern Völkern und Nachahmung entstanden sei." Ja, lieber Freund, der Geist des Iudenthums, wie in allem den Forderungen der menschlichen Vernunft entsprechend, kann zum Unglauben nicht Anlaß geben, und wenn einer unter uns aus Sympathie und Nachahmung Anderer hetorodor geworden, so wird es ihm leicht, dieß knechtische Joch abzuwerfen, und seiner Vernunft den Sieg über alles menschliche Ansehen zu verschaffen. Ich wage nicht, meine Erwartungen so hoch zu spannen, daß ich eine gänzliche Besiegung unsrer Rationalisten nahe glaube, aber ich halte sie für möglich, und cs wäre mir genug, eine kleine Reaction vorläufig entstehen zu sehen; es genügt, wenn auch nur einige wenige dem allgemeinen Streben zum flachen Deismus hin widerstehen; nur einige wenige es verstehen, in uns ein achtes Selbstbewußtsein zu wecken; nicht jenen von ihnen mit schwarzen Farben ausgemalten Nationalstolz, welcher aller Bildung und Civilisation widerstrebt, und im Iudenthume gar nicht liegt, sondern jenen vernünftigen Stolz, welcher aus der Ueberzeugung herrührt, in den Geist der eigenen Religion gut eingedrungen zu sein, und mit aller Kraft deren Endzweck zu entsprechen. Daß die Verwirklichung dieser Idee, Sie sagen, dem Geiste unsrer Zeit entgangen sei, ist wahrlich nicht einer sonderlichen Beachtung werth. Am Ende sind es immer die Menschen, welche den Zeitgeist bestimmen, nicht aber zieht dieß Schattenbild, das man Zeitgeist nennt, die Menschen nach sich. Höchstens könnte man sagen, dass die Schwächern sich von dem Strome mit fortreißen lassen. Allein das israelitische Volk, welches, seinem Zwecke getreu, den Stürmen so vieler Jahrhunderte trotzte, ohne je seinen unterscheidenden Charakter aufzugeben, wird auch heute nicht so schwach sein, um gedankenlos auf dem von der Menge

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